Von Leah Korbas

„Jeder hasst es, wir reden drüber“, heißt es auf der Bühne des Burgtheaters, als Oliver Pocher und Alessandra Meyer-Wölden sich für eine „Elternsprechstunde“ zur Verfügung stellen und die Dinslakener Zuschauer zum Mitmachen auffordern.

Live-Aufnahme im Dinslakener Burgtheater

So sieht glücklich geschieden mehr als zehn Jahre später aus: Komiker Oliver Pocher und Alessandra Meyer-Wölden nehmen ihren Podcast „Die Pochers! Frisch recycelt“ live im Rahmen des Dinslakener Sommerkultur-Programms vor rund 500 Zuschauern auf. Die Burgtheaterbühne wird zum Podcaststudio und gleich mehrere Kameras sind auf die auf Stoffsesseln sitzenden Akteure gerichtet. Die beiden Ex-Partner und Eltern von drei gemeinsamen Kindern waren von 2010 bis 2013 verheiratet und sind damit schon lange kein Paar mehr, aber bilden ein gut funktionierendes Podcast-Duo.

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„Lieblingsexfrau“ Alessandra Meyer-Wölden heißt also nicht einmal mehr Pocher, beweist bei „Die Pochers!“ allerdings, dass sie ihren ehemaligen Partner nach wie vor gut kennt. Auf die Frage von Erzieherin Melanie aus Gelsenkirchen, ob Oliver Pocher bei Bastelveranstaltungen im Kindergarten mitgemacht hat, reagiert Alessandra Meyer-Wölden süffisant: „Das ist Ollis Spezialität.“

Dinslaken ist das Los Angeles von Deutschland

Oliver Pocher

Gerade von dieser Spontanität lebt der Podcast-Auftritt. Als die Pochers live auf einzelne Zuschauerfragen zu Elternsein und Kindererziehung reagieren, meldet sich auch US-Amerikaner Jeremy, der von seiner Liebesgeschichte mit Dinslakenerin Laura berichtet. Von seiner Herkunft ist besonders Alessandra Meyer-Wölden, die lange Zeit selbst in Miami lebte, begeistert. „Dinslaken ist das Los Angeles von Deutschland“, kommentiert Oliver Pocher. Mit dem Geschenk der Zweisprachigkeit und der Tatsache, dass Jeremys und Lauras Kinder „sogar in Dinslaken leben dürfen“, wie Pocher es ausdrückt, geht es weiter.

So lange wie Evelyn Burdecki hört Olli Alessandra nie zu

Schon von Anfang an holt Oliver Pocher das Publikum mit seinem trockenen Humor und Bezug auf den Veranstaltungsort ab. Nach dem typischen Podcast-Intro von „Die Pochers!“ witzelt er: „Wir gehen nur in die großen Metropolen – und nach Dinslaken.“ Promi-Gast Evelyn Burdecki lässt beim Videoanruf den sonst so redseligen Pocher kaum zu Wort kommen. Meyer-Wölden kommentiert prompt: „So lange am Stück lässt er mich nie reden.“ Aber gerade, dass Oliver Pocher kein Blatt vor den Mund nimmt, liebe Exfrau Alessandra Meyer-Wölden an ihm. „Ja, deswegen hast du dich ja auch getrennt“, erinnert der Comedian sie. Was im wahren Leben nicht mehr gefunkt hat, bildet eine wunderbare Chemie auf der Bühne.

Oliver Pocher und Alessandra „Sandy“ Meyer-Wölden nahmen den Podcast live in Dinslaken auf.
Oliver Pocher und Alessandra „Sandy“ Meyer-Wölden nahmen den Podcast live in Dinslaken auf. © FUNKE Foto Services | Markus Joosten

Pocher erhofft sich, nach gescheiterten Verkupplungsversuchen von Meyer-Wölden, jemanden aus Dinslaken: „Von Dinslaken ins Bettlaken.“ Seine Exfrau und Podcast-Partnerin wünscht ihm als neue Partnerin eine Mutter, woraufhin er kontert: „Was ist, wenn ich mit Christina Block zusammenkomme?“ Anschließend besprechen beide den „Prozess des Jahres“ – und das immer mit dem bekannten Pocher-Humor. So warnt Oliver Pocher Alessandra Meyer-Wölden: „Und wenn du uns die Kinder wegnimmst, wir kriegen sie wieder.“ Auch die Politik wird nicht verschont, indem Pocher trocken Liebesbeziehungen mit Alice Weidel oder Sahra Wagenknecht imaginiert.

Mit satirischer Kritik und Parodien aus der Promi-Welt um Realitystars und Influencer erreicht Pocher seinen Höhepunkt, seine Podcast-Partnerin und auch das Publikum kommen aus dem Lachen nicht mehr heraus. Alessandra Meyer-Wölden übernimmt den vernünftigen Part und will Pochers Hemmungslosigkeit ein wenig bremsen. „Ich muss dich zensieren“, sagt sie lachend und auch, dass sie sich schon einmal vor dem Auftritt bei ihren wichtigsten Menschen für ihn entschuldigt habe.

Anekdoten aus der Patchwork-Familie

Neben der Promi-Welt und aktuellen Schlagzeilen berichten die beiden humorvoll aus ihrem Leben als Patchworkfamilie. Darunter Anekdoten ihrer Kinder, dass auch ein Oliver Pocher von Läusen nicht verschont bleibt, in einer großen Patchworkfamilie gar nicht so sicher ist, wer jetzt eigentlich besagte Läuse mitgebracht hat und an welchen Stellen der Pocher keine Haare hat. „Ein Tag bei uns zuhause mit durchschnittlich sieben bis zehn Kindern ist wie die Antibabypille“, sagt die fünffache Mutter Alessandra Meyer-Wölden über den Patchwork-Alltag. Pocher und Meyer-Wölden nehmen einander liebevoll hoch und teilen Bezüge auf ihre vergangene Ehe. Denn die ist zwar gescheitert, aber herausgekommen sind Eltern, die neben gemeinsamen Kindern augenscheinlich nach wie vor den gleichen Humor teilen.

Dem Dinslakener Publikum werden nicht nur eine, sondern gleich zwei live aufgenommene Podcast-Folgen zuteil, die einen Tag darauf und in der darauffolgenden Woche veröffentlicht werden. Nachdem schon zu Coldplays „Paradise“ die Bühne betreten wurde, trägt Oliver Pocher später sogar einen Merchandise-Pullover eben jener Band. Dass er durchaus auch ernste Töne anschlagen kann, beweist er beim anschließenden Gespräch darüber, wie einsam das Leben eines Weltstars wie Coldplay-Sänger Chris Martin sein kann.

Die Kirchenglocken spielen mit

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Zu einem Running Gag des Abends werden die immer wieder läutenden Kirchenglocken. „Wir reden über Spiritualität und Gott meldet sich“, kommentiert Oliver Pocher. Zum Schluss verkündet er: „Es geht nicht ohne die Backstreet Boys“, um mit Alessandra Meyer-Wölden Hand in Hand von der Bühne und „I Want It That Way“ singend durch die Sitzreihen zu gehen. Einige Zuschauer ergattern ein Selfie oder Händeschütteln. „Ich muss noch einmal auf die andere Seite, die haben es auch verdient“, ruft Pocher, um unter lautem Jubel pünktlich die letzten Minuten vor dem Regenguss auszukosten.