Die Feisten singen. Es sind lustige Lieder, satirische Lieder und Lieder für und übers Publikum. Mit einem musikalischen „Hallo“ an die erste, die zweite und alle anderen Reihen im Burgtheater Dinslaken begannen Mathias Zeh und Rainer Schacht ihr „Familienfest“ bei der Sommerkultur. Und gleich in der ersten ihrer ebenso unterhaltsamen Moderationen gestand Zeh, dass er nicht einfach nur in Fettnäpfchen trete: „Ich gleite manchmal selbst auf mir aus.“

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Kann man solchen Sätzen Taten folgen lassen? Man kann. „Wir sind zum ersten Mal in Dinslaken“, verkündete Zeh. Und erntete prompt Protest. Im Publikum saßen nämlich sehr treue Fans. Und die erinnerten sich sehr gut daran, dass die Feisten die beiden verbliebenen Mitglieder von „Ganz schön feist“ sind. Ein Trio, das 2001 in der Kathrin-Türks-Halle auftrat.

Die hat sich in der Zwischenzeit wirklich so verändert, dass man sich bei einer Rückkehr nach 24 Jahren nicht mehr an die Räumlichkeiten erinnern kann. Und das Burgtheater, das Zeh liebevoll zum „Amphibientheater“ verballhornte, kannten die Feisten definitiv nicht. Aber Dinslaken vergessen? Kann wohl passieren, wenn man wie die Feisten seit Ende der 80er Jahre in der Republik landauf landab unterwegs ist.

„Gänseblümchen“ durfte nicht fehlen

Es spricht für die gebürtigen Göttinger, dass sie musikalisch-humoristisch etwas geschaffen haben, das hängen bleibt und nach Jahrzehnten immer noch Potenzial für Neues gibt. Natürlich dürfen die 30 Jahre alten „Gänseblümchen“ und „Der Junge mit der Mundharmonika“ nicht fehlen. Damals boomte der deutschsprachige HipHop mit pfiffigen, witzigen Texten und der Pop-A-capella-Comedy-Stil traf den Nerv der Zeit. Heute singen die Feisten mehr zur Gitarren- und Perkussionbegleitung. Aber der parodistische Witz ist geblieben. In Dinslaken gab's einen Vorgeschmack auf das kommende Programm 2026. Mit „Despacito“ geht's auf Moskito-Jagd im Hotelzimmer. Nicht gut, wenn man eigentlich ein allen Lebewesen friedlich gesinnter Buddhist ist.

Aber so spielt das Leben und die Feisten spielen mit. Ikea erweist sich als Stresstest für die junge Beziehung. Die Familie ist leider nicht kündbar, auch wenn der Veganer nicht glauben kann, dass er wirklich die annähernd gleiche DNA haben soll wie seine Medikamente und Alkohol missbrauchende, tote Tiere verschlingende Verwandtschaft. Mangelnde Harmonie stellt sich sogar mit zunehmenden Alter zwischen Mann und eigenen Körper ein. Aber den alten Party-Kumpanen von einst geht es beim „Junggesellenabschied über 50“ auch nicht besser.

Verbal-musikalischer Slapstick

Die Feisten schauen auf den Alltag und verwandeln diesen in kleine, klingende, locker-flockige Dramen. Das ist verbal-musikalischer Slapstick mit zweistimmigen Gesang, Rap und handgemachten Beats. Feine Comedy, die die gut 1000 Fans im Burgtheater begeistert. „Wenn wir noch mal 24 Jahre brauchen, um nach Dinslaken zurückzukommen, wird es schwierig“, gibt Mathias Schacht zu bedenken. Der Reaktion des Publikums nach zu urteilen, würde es aber gerne schon bald wieder mit den Feisten auf Moskito-Jagd in Dinslaken gehen.