Rund 30 ältere Damen und Herren sitzen an langen Tischen in der Hünxer Gaststätte „Tacheles“ verteilt, reichen sich die Sahne und unterhalten sich mit dem Gegenüber. Kaffee, Kuchen und Schnittchen sorgen für das leibliche Wohl, doch das Treffen der älteren Herrschaften ist kein normaler Kaffeeklatsch. Kein gewöhnliches Klassen-, sondern gleich ein Schultreffen mit verschiedenen Jahrgangsstufen findet hier statt.
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„Wir waren ja nicht alle in einer Klasse. Wir haben alle zu unterschiedlichen Zeiten unseren Abschluss gemacht“, sagt Regina Witte, die das Schultreffen der evangelischen Volksschule Hünxerwald zusammen mit Helga Scholten organisiert hat. Nach dem letzten Treffen im August vor zwei Jahren wurde es wieder Zeit, findet Regina Witte: „Wir müssen wieder was organisieren, haben wir gesagt.“ Schon das dritte Mal haben sie sich dafür die Gaststätte „Tacheles“ als Austragungsort ausgesucht. Die Schultreffen an sich finden schon seit mehr als sieben Jahren statt.
Die ältesten Teilnehmer sind 1936 geboren
Die Organisatorinnen Regina Witte und Helga Scholten begrüßen jeden Neuankömmling direkt am Eingang. Von ihren ehemaligen Kameraden, die mit ihnen in ihre jeweilige Klasse gegangen sind, ist zwar keiner dabei, aber viele altbekannte Gesichter sind es dennoch. Für Helga Scholten trotzdem auch „einige Fremde, die man nicht zuordnen kann, weil man zu klein war.“
Mit ihren 68 Jahren gehört Helga Scholten hier zu den Jüngsten, die ältesten Teilnehmer gehen auf die 90 Jahre zu. „Jahrgang 1936 sind hier mit die Ältesten“, weiß Regina Witte, die selbst Jahrgang 1939 ist. Mitorganisatorin Helga Scholten fügt hinzu: „Meistens kommen auch die Älteren.“ Dies läge daran, dass sie froh sind, aus dem Haus zu kommen und sich zusammen setzen zu können, um alte Geschichten auszutauschen, in Erinnerungen zu schwelgen und die gemeinsame Vergangenheit wiederaufleben zu lassen. Ein älterer Herr ist sogar aus Rheinberg gekommen, „aber eigentlich sind alle hier aus dem Umkreis. Man trifft sich auch mal zwischendurch im Dorf“, wie Helga Scholten berichtet.

Die von allen Teilnehmern des Treffens besuchte evangelische Volksschule Hünxerwald wurde 1969 geschlossen, erzählt sie weiter. „Aber Kinder waren noch genug da“, ergänzt Regina Witte. Die damals 12-jährige Helga Scholten besuchte dann die Hauptschule in Hünxe, ihre Mitschüler wurden teilweise auf andere Schulen der Umgebung verteilt. „Je nachdem, welcher Jahrgang das war“, sagt sie. Regina Witte bekam bereits 1954 ihr Abschlusszeugnis an der evangelischen Volksschule Hünxerwald und lernte den Beruf der Schneiderin.
Helga Scholten erfährt beim Schultreffen als Jüngste „so einiges von meinen Vorfahren.“ Ihr eigener Onkel war mit ihrer heutigen Mitorganisatorin Regina Witte in einer Klasse. „Wir haben bei früheren Treffen auch mal Diashow-Vorführungen gehabt. Wenn man sich dann so sieht als Kind, erkennt man sich selbst nicht wieder“, erinnert sich die gelernte Einzelhandelskauffrau lachend.
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Auch der Sohn eines Lehrers war dabei
Den Projektor dafür brachte damals Karl Pollmann mit, denn er ist der Sohn des Lehrers, der alle Schüler der Volksschule Hünxerwald unterrichtet hat. Auch am aktuellen Schultreffen nimmt Karl Pollmann, der wie sein Vater Lehrer geworden ist, teil und hat wieder etwas Besonderes dabei. Dieses Mal ist es ein schon vergilbtes Heft, das es „anlässlich der 75-Jahr-Feier der Schule gab“, wie er erklärt. Auf der ersten Seite ist ein Foto des Schulgebäudes zu sehen. Interessiert reichen die Rentner das Heftchen herum und blättern darin. Laut Karl Pollmann, der selbst Unterricht an der evangelischen Volksschule Hünxerwald hatte, „eine der letzten einklassigen Schulen in NRW.“ Zeitweise wäre sie auch zweiklassig gewesen, aber „die meisten haben das als einklassig erlebt.“
Es gab nicht solche Zankereien wie heute. Die Größeren haben auf die Kleineren aufgepasst
Regina Witte, frühere Schülerin des Volksschule Hünxerwald
Dass es Jahrzehnte nach der Schulzeit ein Treffen verschiedener Jahrgänge gibt, ist nicht verwunderlich, denn schon damals herrschte laut Regina Witte eine gegenseitige Verbundenheit: „Es gab nicht solche Zankereien wie heute. Die Größeren haben auf die Kleineren aufgepasst.“ Helga Scholten erinnert sich an den älteren Schüler, der ihr zur Seite gestanden hat: „Wenn ich an der Schule ankam, hat er mir mein Fahrrad und meinen Tornister abgenommen. Der war immer mein Kavalier.“

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Karl Pollmanns Vater unterrichtete in der einklassigen Schule Schüler des ersten bis achten Schuljahres alle zusammen in einem Raum. „Zu meiner Zeit waren es 54 Kinder“, meint Regina Witte. Helga Scholten fügt hinzu, dass das ja auch alles geklappt hätte. „Wir sind damals gar nicht so doof gewesen“, sagt Regina Witte.
Anekdoten aus der Schulzeit
Auch besondere Anekdoten ihrer Schulzeit erzählen sich die Senioren in geselliger Runde. So wurde einmal im vierten Schuljahr gelehrt, wie man Briefe richtig schreibt. Als anschließend kleine Zettel und Liebesbriefchen unter den Schülern herumgingen, erwischte sie der Lehrer. „Wir haben dann aber keine Strafe bekommen, weil wir alles korrekt geschrieben haben“, erzählt Regina Witte lachend. Die 86-Jährige erinnert sich gerne an ihre Schulzeit zurück: „Wenn ich krank war, hatte ich immer Angst, dass die anderen Blödsinn machen und ich nicht dabei bin.“ Zu Helga Scholtens schönsten Erinnerungen gehören die gemeinsam vorbereiteten Kinderschützenfeste.
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Bei den gemeinsam erlebten Geschichten, die es auszutauschen gibt, steht einem weiteren Schultreffen in der Zukunft wohl nichts im Weg.





