Die einen haben, wenn sie die NRZ am Samstagmorgen auf dem Tisch hatten, die Kolumne von Jörg Bartel sofort gelesen. Sie waren neugierig, was der langjährige NRZ-Kulturchef über seinen Kolumbus-Kosmos zu berichten hatte. Andere legte den Teil der Zeitung, in dem die Kolumne veröffentlicht wurden, erst einmal bei Seite. Das Vergnügen, das das Lesen der Texte bereitete, sparten sie sich für den Sonntag auf. Auch wenn Jörg Bartel, langjähriger Chef der NRZ-Kulturredaktion und Kolumnist, vor zehn Jahren verstorben ist, seine Texte halten die Erinnerung an einen „Satzliebhaber“ wach.
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Einen großen Anteil daran haben Jens Dirksen und Rolf Steinebach. Beide sind langjährige Wegbegleiter des NRZ-Redakteurs, nehmen immer wieder bei Lesungen die Zuhörer in die Welt von Jörg Bartel, in das Haus mit der lila Tür („Da wohnt der mit den Katzen“) oder in die Olivengarage in Apulien. So war es auch im Pfarrheim der Gemeinde Herz-Jesu Oberlohberg. Über 60 NRZ-Leser waren der Einladung gefolgt, um mehrere Kolumnen von Jörg Bartel noch einmal zu hören.
Die in der NRZ veröffentlichten Texte sind zeitlos schön, auch heute noch sehr unterhaltsam. Sei es die Geschichte „Alle Männer prüder“, in dem Jörg Bartel über sei Problem schreibt, dass er sich eine neue Badehose anschaffen müsse. Es ist ein Beispiel dafür, dass er auch immer wieder verstanden hat, sich selbst auf die Schippe zu nehmen. Oder wenn Jörg Bartel über die Fanpost, die ihn erreicht hat, anmerkt: „Es scheint wirklich nichts aufregender zu sein als der Alltag und nichts verrückter als die Normalität“. Dazu passt auch die Geschichte mit dem Titel „Von Männerträumen und Traumfrauen“. Ausgangspunkt ist die Nachricht, dass die Schauspielerin Halle Berry „einen Neuen hat“. „Seitdem ich das von Halle Berry weiß, bin ich melancholisch gestimmt, ein tagverträumter Esel ohne Chancen, aber mit Glatze und Gefühlen.“
Wunderbarer Dialog mit Kater Jones
Es sind alltägliche Begebenheiten, die Bartel sehr treffend und humorvoll auf den Punkt bringt. Davon haben sie in allen Jahren nichts verloren. Noch heute sorgen für Lacher. Besonders sind auch die Texte über die Katzen, die im Haus an der Kolumbusstraße lebten. Wunderbar der von Jens Dirksen und Rolf Steinebach in verteilten Rollen vorgetragene Dialog zwischen Bartel und seinem Kater Jones.

Es ist ein Machtkampf zwischen dem hungrigen Kater und seinem menschlichen Dosenöffner – den der Vierbeiner natürlich gewinnt angesichts der Aussicht, dass Indiana Jones sonst im Bad eine Amsel zerpflückt, wenn er nicht schleunigst sein Futter aus der Dose bekommt. Und als im Pfarrheim die Geschichte über „Mein ultimative Pasta“ vorgetragen wird, läuft dem einen oder anderen Zuhörer unweigerlich das Wasser im Mund zusammen.
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1999 erfand der NRZ-Journalist seine Kolumne „Kolumbus & Co“, benannt nach der Kolumbusstraße in der Heimaterde, einem Ortsteil von Mülheim, in der er wohnte – und schon bald hatten die Samstagsgeschichten viele Fans. Sein Talent, mit Worten zu spielen und Begriffe neu zu schöpfen, haben die Anhängerschaft immer größer werden lassen und bei der Lesung in Oberlohberg für viele Lacher gesorgt.
Viele Leser haben sich all die Jahre durch die persönlichen Wochenend-Kolumnen mit Jörg Bartel verbunden gefühlt. Bei der Lesung in Oberlohberg ist zu spüren gewesen, dass diese Verbundenheit auch heute noch, zehn Jahre nachdem die letzte Kolumne erschienen war, vorhanden ist.



