Für diesen Abend hatte Markus Barth ein gutes Gefühl. Er kam gut an. Schon bevor er überhaupt die Bühne des Alten Gaswerks der Stadtwerke Dinslaken betrat. „Ich bin in letzter Zeit viel auf der A3 unterwegs gewesen“, berichtete der Kölner bei „Kult im Gas(t)werk“. „Aber heute bin ich tatsächlich gefahren!“. „Hui!“, hat er da vielleicht auch gesagt. So wie an einem früheren freien Tag in Köln, als er mit dem Fahrrad noch bei Rot über die Ampel huschte und dafür seinen ersten Punkt in Flensburg kassierte. Aber auch dies ist für ihn „Pures Gold“.

Unter diesem Titel thematisiert er in seinem aktuellen Programm all das, was im Leben schiefläuft, aber letztendlich die Erlebnisse hervorbringt, an die man sich noch Jahre später erinnert, die man immer wieder erzählt und über die man im besten Fall irgendwann selbst und mit anderen lachen kann. „Pures Gold“: quasi das Futter des Comedians. Kraftfutter, wie es die von Markus Barth und seinem Mann adoptierte Thüringer erhält. Die liefert den beiden dafür einmal im Jahr Ziegenkäse. Passt doch. Lecker Käse ist pures Gold. Noch eine Kostprobe gefällig? Dauercamper Kurt überraschte Markus Barth letztens mit dem Rezept für Öko-Käsefondue: Einfach den Topf im Hochsommer in die pralle Sonne stellen. Dort schmilzt der Käse ganz ohne Strom von allein. Mehr Energiesparen geht nicht.

Was von den Absurditäten des Alltags hängen bleibt

Zum regelmäßig ausgebuchten „Kult im Gas(t)werk“ laden die Stadtwerke Dinslaken seit über zehn Jahren ein, das gastronomische Angebot übernimmt die hauseigene BSG. So lässt sich Markus Barth dann auch den (Betriebs)-Sport gefallen, zu Schulzeiten war das nicht so seine Sache. Sonst noch jemand im Raum mit ungeliebten Schulfächern? „Pures Gold“ ist das, was von den Absurditäten des Alltags hängen bleibt.

Wir denken immer, nur gute Sachen sind die guten Erinnerungen. Das stimmt aber nicht. Negative Erlebnisse sind später die guten Geschichten.

Markus Barth, Comedian aus Köln

Da ist der Verkäufer auf Norderney, der das Geld für den Lotterieschein im Supermarkt nicht annehmen kann, bis er aufsteht und sich hinter den Tresen der Tabakabteilung stellt. Der Franzose am Bahnkartenschalter, der über ein fehlendes, weil zu stumm ausgesprochenes „öe“ die Orientierung verliert. Oder auch die Frau bei einer Markus-Barth-Show in Köln, die auf seine Frage an das Publikum im Saal, ob sich denn auch alle wie er nach über 20 Jahren Beziehung wieder für den jeweiligen Partner entscheiden würden, mit einem herzhaften „nääh!“ herausplatzte. Es sind diese Geschichten, die das Leben schreibt und die einem Comedian das Programm füllen.

Warum Markus Barth dies alles so genau erklärt? Es ist die Botschaft des Abends. Es gibt so viel, was einem im Alltag ein Lächeln beschert, man muss nur mal drauf achten. Mag man sich auch im Moment über sich oder andere ärgern, weil etwas schiefläuft: „Wir denken immer, nur gute Sachen sind die guten Erinnerungen“, sagt Markus Barth und fährt fort: „Das stimmt aber nicht. Negative Erlebnisse sind später die guten Geschichten.“ Und die haben manchmal verrückte Wendungen. Barth (48) spricht über seine erste Erfahrung mit einem Proktologen und fragt sich, wie sich ein Mediziner überhaupt für diesen Fachbereich entscheiden kann. Das ist der Moment, an dem sich die Technik schlapp lacht. Denn an den Reglern sitzt – ein Proktologe. „Pures Gold“, es ist überall zu finden.