Schon bei der Bundestagswahl im Februar 2025 bekam die AfD in einigen Bezirken viele Stimmen. Das wiederholte sich auch am Sonntag, 14. September. Zwischen zehn und 23 Prozent standen am Ende in einigen Wahlbezirken. Mit 15,43 Prozent im Gesamtergebnis rangiert die Partei an dritter Stelle. Zum Vergleich: Die CDU erreicht 22,79 Prozent, Bündnis90/Die Grünen 11,04 Prozent. Die Folge: Neun AfD-Mitglieder gehören dem Rat an, der Anfang November zum erstmals zusammentritt. Wie reagieren Parteien auf das Ergebnis der Partei, wir haben nachgefragt.
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„Dass diese Partei ein zweistelliges Ergebnis holen wird, haben wir befürchtet, aber realistischerweise auch so erwartet. Wir haben im Wahlkampf aber wahrgenommen, dass einige bisherige AfD-Wähler auf uns zugegangen sind und geäußert haben, dieses Mal wieder die SPD zu wählen. Aus meiner Sicht zeigt uns das, dass wir mit viel zeitlichem Aufwand und einer Kümmerer-Rolle eine Trendwende schaffen können“, so Kristina Grafen, Co-Vorsitzende des SPD-Stadtverbandes. Die SPD müsse so weiterarbeiten wie in den letzten Wochen und Monaten. Es reiche nicht, sich über die Wahlergebnisse der AfD zu ärgern – über Fleiß und Engagement würde es besser.
Das Ergebnis für die Rechten ist fatal für die Stadtgesellschaft.
Aus der Stellungnahme der Partei „Die Linke“
Mit Sorge hat die CDU es zur Kenntnis genommen, dass künftig neun Mitglieder der AfD im Rat vertreten sein werden. „Das Ergebnis ist Ausdruck einer allgemeinen politischen Stimmungslage, die auch in Dinslaken nicht Halt macht. Für uns ist klar: Die CDU steht für eine demokratische, lösungsorientierte Politik, die den Zusammenhalt in unserer Stadt stärkt. Mit der AfD wird es keine Zusammenarbeit geben“, so Fabian Schneider, stellvertretender Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes. Erschreckend dabei sei, dass die AfD in Dinslaken ohne eigenes Wahlprogramm oder konkrete Themen angetreten ist und dennoch neun Sitze erringen konnte. „Das zeigt, dass es hier weniger um Sacharbeit für unsere Stadt geht. Wir als CDU stehen für das Gegenteil: für ein klares Programm, für Inhalte und für Verantwortung vor Ort“, so Schneider.

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Aus Sicht von Bündnis90/Die Grünen tue jede Stimme weh, die an nicht-demokratische Parteien geht. „In allen demokratischen Parteien und Fraktionen engagieren sich bei uns in der Stadt ehrenamtlich und nebenberuflich Kommunalpolitiker*innen und Parteimitglieder, welche es gut mit der Stadt meinen und sich mit ihrer Perspektive für eine bessere Zukunft einsetzen“, heißt es in der Stellungnahme der Partei. Man freue sich auf eine gute, konstruktive und respektvolle Zusammenarbeit im Rat mit den Kollegen und Kolleginnen aus diesen Fraktionen.
Dieses Ergebnis muss zu einem Umdenken führen – nicht nur in der Politik, sondern auch in der Verwaltung, in der Zivilgesellschaft und in den lokalen Medien.
Jutta Frenk,, Vorsitzende der UBV
Von Seiten der Linken heißt es, dass das Ergebnis für die Rechten fatal für die Stadtgesellschaft sei. Der Diskurs werde sicherlich härter werden im Stadtrat. Die demokratischen Kräfte seien gefordert, einen Umgang damit zu finden. Für sie sei klar, dass man weiterhin das Bollwerk gegen Rechte Hetze sein werde. „Die Menschen haben offenkundig aber kein Vertrauen mehr in die staatlichen Institutionen. Klamme Haushaltskassen, zunehmend vergammelte Infrastruktur und jahrelanger Stillstand, auch durch die großen Parteien generiert, führt offenkundig zu Frust. Dem gilt es jetzt was entgegenzusetzen“, heißt es in der Stellungnahme der Partei „Die Linke“.
Box das ist der neue Rat
Dinslaken ist fast komplett rot. Auf jeden Fall, wenn man sich die Karte mit den gewonnenen Direktwahlbezirke anschaut. Nur zwei sind nicht rot, der Wahlbezirk Lohberg geht an die AWG und Eppinghoven an die CDU. Der neue Rat wird erneut größer als vorgesehen. Er hat 60 statt 44 Mitglieder, zwei weniger als jetzt.
Stärkste Fraktion bleibt die SPD, die im jetzigen wie auch im neuen Rat 20 Sitze hat. Die weitere Verteilung sieht so aus: CDU 13 Sitze, AfD neun Sitze, Bündnis90/Die Grünen sieben Sitze, die Linke drei Sitze, UBV, die Partei, AWG und FDP jeweils zwei Sitze.
Ein ernstes Warnsignal für uns alle, dass eine Partei, die die demokratischen Grundwerte offen infrage stellt, künftig mit neun Sitzen im Rat vertreten ist, so Jutta Frenk, Vorsitzende der UBV Wählergemeinschaft. „Dieses Ergebnis muss zu einem Umdenken führen – nicht nur in der Politik, sondern auch in der Verwaltung, in der Zivilgesellschaft und in den lokalen Medien“, erklärt sie.
Demokratie brauche Beteiligung, Vertrauen und eine funktionierende Streitkultur, keine populistische Vereinfachung oder Ausgrenzung. „Eine Zusammenarbeit mit einer als gesichert rechtsextrem eingestuften Partei – obwohl die Mitglieder der Dinslakener AfD behaupten, dies sei in NRW nicht der Fall – kommt für uns nicht infrage.“ Die UBV stehe weiterhin für sachliche, ideologiefreie, demokratische und verantwortungsvolle Politik im Sinne aller Dinslakenerinnen und Dinslakener. Man werde auch in Zukunft mit klarer Haltung für diese Werte einstehen: für Respekt, Toleranz, Transparenz und Bürgerbeteiligung.
Sebastian Hagedorn von der Partei „Die Partei“ kommentiert das AfD-Wahlergebnis so: „Was vor wenigen Wochen noch schier unmöglich erschien, ist nun bittere Realität: Der Dinslakener Stadtrat wird noch inkompetenter. Ein Teil der Ratsmitglieder kann zum Glück einfach die Hörgeräte rausnehmen. Dem Rest empfehlen wir, in den nächsten Jahren öfter auf Durchzug zu stellen. Das schont die Gesundheit.“





