Bis Sonntagabend müssen sich die Dinslakener noch gedulden. Erst dann steht fest, wer auf Michaela Eislöffel als Bürgermeister folgt. Bei der Wahl am 14. September hatten Simon Panke (SPD) und Dominik Bulinski (CDU) unter den sechs Bewerberinnen und Bewerber die meisten Stimmen erhalten. Zwischen ihnen fällt also am 28. September die Entscheidung. Beide Kandidaten haben sich in einem Interview den Fragen der NRZ gestellt.

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Dabei ging darum, welches Problem sie im Falle eines Wahlsiegs als erstes anpacken wollen, welche Pläne sie haben, um neue Firmen nach Dinslaken zu holen und was sie zu einer möglichen Ansiedlung von Unternehmen in Barmingholten sagen. Im ersten Teil geht es darum, wie sie die Zeit bis zur Stichwahl verbringen und um welches Problem sie sich als Bürgermeister sofort kümmern wollen.

Wie haben Sie die Tage nach dem Wahltag verbracht? Was steht für Sie bis Sonntag, dem Tag der Stichwahl, noch auf dem Programm?

Panke: Wie habe ich die Tage verbracht? Also, vor allen Dingen damit, am Montag sehr, sehr, sehr viele Nachrichten zu beantworten. Weil ich ja unter anderem auch eine sehr aktive Social-Media-Arbeit betreibe und Leute sehr häufig mit mir in Kontakt treten. Und deswegen habe ich da sehr, sehr viele Nachrichten bekommen, die ich zum Teil bis jetzt noch nicht alle abgearbeitet habe. Weil dafür einfach die Zeit fehlt. Ansonsten war es aber so, dass wir direkt den Blick nach vorne gerichtet haben. Das heißt die Planung der zwei Wochen bis zur Stichwahl. Und die wesentliche Erkenntnis war, dass, was wir bisher gemacht haben, war gut, das hat funktioniert.

Machtwechsel im Rathaus

Bürgermeisterin Michaela Eislöffel ist abgewählt. Die parteilose Amtsinhaberin unterlag bei der Kommunalwahl deutlich. Sieger des Abends wurde SPD-Bürgermeisterkandidat Simon Panke. Er holt 40,7 Prozent der Stimmen und tritt am 28. September gegen Dominik Bulinski (CDU) bei der Stichwahl an, der 23,07 Prozent der Stimmen auf sich vereinen konnte. Michaela Eislöffel, die seit 2020 im Amt ist, verpasst die Stichwahl mit 17,97 Prozent.

Die amtierende Bürgermeisterin Michaela Eislöffel traf gegen 22 Uhr in der KTH ein. Sie bedankte sich bei allen, die sie gewählt hatten, gratulierte Simon Panke und dankte ihm für den fairen Wahlkampf. „So ist Demokratie halt“, sagte die Bürgermeisterin. Die SPD habe einen starken Kandidaten gehabt - und CDU-Kandidat Dominik Bulinski immerhin eine Partei hinter sich.

„Brücken aufbauen, die in der Vergangenheit eingerissen wurden“, das habe er im Falle seines Wahlsieges am 28. September vor, so Simon Panke. Dinslaken werde es „nur schaffen, wenn wir zusammenhalten, gerade dann, wenn uns das Geld fehlt“, so der SPD-Mann. Mit einem solchen Ergebnis hätte er vor eineinhalb Jahren nicht gerechnet - damals wurde Panke zum Bürgermeisterkandidaten der SPD Dinslaken gekürt. Es habe sich aber gezeigt, dass Dinslaken einen „Neuanfang“ wolle - das Wahlkampfmotto des SPD-Kandidaten - die Bürgerinnen und Bürger seien die Unruhe im Rat satt. (aha)

Ich konnte damit punkten, dass ich viel unter Leuten, sehr präsent war in der Stadt. Dass ich in vielen Stadtteilen unterwegs war, dass ich in unzählige Gespräche gegangen bin, alle Kanäle wurden bespielt. Das muss man dann auch nicht mehr großartig verändern. Ich glaube, das wäre auch ganz komisch zu erklären, wenn man da jetzt die Strategie wechselt. Wir fahren jetzt einfach die nächsten Tage noch so weiter, wie wir den ganzen Wahlkampf verbracht haben. Ich sehe zu, dass ich überall da bin, wo was los ist, wo die Musik spielt und wo ich mit Leuten reden kann.

Sieger des Wahlabends war Simon Panke. Der Kandidat der SPD hat bei der Bürgermeisterwahl 40,7 Prozent der Stimmen geholt.
Sieger des Wahlabends war Simon Panke. Der Kandidat der SPD hat bei der Bürgermeisterwahl 40,7 Prozent der Stimmen geholt. © FUNKE Foto Services | Sabine Stein

Ansonsten mache ich aber noch ein Tagespraktikum. Das war eine Sache, die ich im Wahlkampf immer mal wieder eingesetzt habe, ich war in der Altenpflege zum Beispiel. Oder auch in der Lichtburg, ich war für einen Tag bei der Lebenshilfe. Am Mittwoch werde ich ein Praktikum im Evangelischen Krankenhaus machen. Und da bin ich sehr gespannt drauf.

Bulinski: Zunächst habe ich mich nach dem Wahltag ein klein wenig erholt. Das habe ich einen halben Tag lang gemacht und dann ging es für mich direkt weiter. Denn nach der Wahl ist vor der Wahl. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich in die Stichwahl gekommen bin. Jetzt werden die Karten neu gemischt und ich habe sofort die Gelegenheit wahrgenommen, auch sofort am Tag nach der Wahl, um zu den Bürgerinnen und Bürgern zu gehen.

Und jetzt bis Sonntag gibt es noch etwas Besonderes, das in Ihrem Terminkalender steht?

Bulinski: In erster Linie bin ich tatsächlich in den Wahlkreisen aufschlagen. Das ist mir ganz wichtig, dass ich, mit Begleitung, aber auch mal speziell ohne Begleitung mit meinem Flyer die Gespräche suche, weil es sind nicht nur Wählerinnen und Wähler, sondern es sind erster Linie die Menschen unserer Stadt. Das ist mir besonders wichtig. Ich war bei Veranstaltungen wie dem Dorffest in Hiesfeld mit dem Brandschutztag, all solche Sachen habe ich unternommen. Aber, und das ist mir ganz wichtig nochmal zu betonen, das, was ich jetzt mache, bei den Menschen zu sein, werde ich auch als Bürgermeister machen. Sehr nahe bei den Bürgern sein, das Ohr am Bürger haben. Denn eines ist für mich klar und das ist mir ganz deutlich geworden, die Verwaltung beziehungsweise das Rathaus ist viel zu weit weg von den Menschen. Also dieses Delta geht total auseinander und das kann es nicht sein. Sollten die Bürgerinnen und Bürger mir das Vertrauen schenken für die nächsten fünf Jahre im Rahmen der Stichwahl, dann werden wir als Verwaltung, meine Person als Verwaltungsspitze inklusive meiner Führungskräfte viermal im Jahr in den Ortsteilen aufschlagen, für Fragen und Antworten bereitstehen und diskutieren.

Die letzten Jahre haben viele Leute die Hände über den Kopf zusammengeschlagen, wenn sie die NRZ gelesen haben oder vielleicht in den sozialen Medien verfolgt haben, was gerade im Rathaus passiert.

Simon Panke

Sonntagabend steht fest, wer neuer Bürgermeister wird. Wenn Sie gewählt werden, welches Problem möchten Sie in der kommenden Wahlperiode als erstes anpacken?

Panke: Also das Grundproblem ist, glaube ich, in den letzten fünf Jahren die mangelnde Struktur gewesen und dass vieles drunter und drüber gegangen ist und dass die Arbeitsatmosphäre nicht gut war. Und bevor die ganzen anderen Sachen kommen, glaube ich, dass man das angehen muss und dass man das Problem lösen muss. Wir müssen ganz dringend das Haushaltssicherungskonzept aufstellen, das schieben wir jetzt schon seit anderthalb Jahren vor uns her. Und wir brauchen dringend diese Planungssicherheit und das betrifft nicht nur die Stadt, sondern das betrifft auch alle, die auf unterschiedliche Art und Weise hier unterwegs sind, egal, ob im Ehrenamt in Vereinen oder bei den Wohlfahrtsverbänden. Das ist also ein großer Brocken und auch dafür gilt dann wieder, solange wir es nicht schaffen, uns auf Regeln zu verständigen, die den respektvollen und sachlich orientierten Umgang betreffen, werden wir es nicht schaffen. Das muss das oberste Ziel sein. Die letzten Jahre haben viele Leute die Hände über den Kopf zusammengeschlagen, wenn sie die NRZ gelesen haben oder vielleicht in den sozialen Medien verfolgt haben, was gerade im Rathaus passiert. Und das darf nicht mehr so sein. Wir sitzen alle in einem Boot und wir befinden uns auf ziemlich hoher See, wenn man sich die Finanzlage anguckt. Und da darf das nicht sein, dass alle in unterschiedliche Richtungen paddeln.

Am 14. September landete Dominik Bulinski bei der Bürgermeisterwahl auf Platz zwei. Der Kandidat der CDU holte 23,07 Prozent der Stimmen.
Am 14. September landete Dominik Bulinski bei der Bürgermeisterwahl auf Platz zwei. Der Kandidat der CDU holte 23,07 Prozent der Stimmen.© FUNKE Foto Services | Sabine Stein

Bulinski: Also zwei Sachen sind für mich ganz entscheidend. Zum einen natürlich die Finanzlage. Wir haben eine außerordentlich schlechte Finanzlage, wir haben über 300 Millionen Euro Schulden und wir haben ein jährliches Defizit von 56 Millionen. Kernaufgabe wird es sein, umgehend und schnellstmöglich ein Haushaltssicherungskonzept aufzustellen, um wieder die Selbstständigkeit der Stadt herbeizuführen, um nicht abhängig zu sein von der Aufsichtsbehörde. Das ist ganz wichtig, denn sonst geht es nicht voran bei uns in der Stadt. Und wir stehen wirklich schlecht da. Das meine ich ganz ernst. Und das zweite: Politisch zu werben, dass wir alle eng zusammenrücken und gute, vernünftige, ehrliche Politik für die Stadt gestalten.

Das habe ich schon sehr oft gesagt und ich sage das nochmals: Wir haben fantastische Leute im Rathaus.

Dominik Bulinski

Und wir müssen eine Strukturreform des Rathauses hinkriegen. Das ist ein ganz wesentlicher Punkt. Benötigt werden eine absolute Wertschätzung und Unterstützung für unsere Mitarbeitenden. Das habe ich schon sehr oft gesagt und ich sage das nochmals: Wir haben fantastische Leute im Rathaus. Wenn sie die Unterstützung, auch die Rückendeckung haben, dann werden unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über sich hinauswachsen und sehr, sehr viel Gutes für die Bürgerschaft leisten. Und das ist ganz elementar und dafür stehe ich und ist mir auch besonders wichtig, denn allein kann man nichts schaffen. Ein Vorgesetzter ist immer nur so gut wie sein Team.

Im zweiten Teil äußern sich die Bewerber zu den Themen Wirtschaftsförderung und Schulden der Stadt.