Wer den vorderen Teil der Anlage der Bioenergie Hünxe GmbH an der Emil-Fischer-Straße in Bucholtwelmen betritt, der kommt sich vor, als würde er in der Scheune eines Bauernhofs stehen. Gehäckselter Mais und Mist liegen hier parat, um in der Anlage weiter verarbeitet zu werden. Entsprechend riecht es hier etwas streng. Momentan produzieren mehrere Blockheizkraftwerke aus diesen Rohstoffen Elektrizität.

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Noch brummt hinter dem Gebäude, in dem der Dünger lagert, das Blockheizkraftwerk. Auf dem Gelände werden derzeit rund 1,8 Megawatt Elektrizität erzeugt. Das würde etwa reichen, um 500 bis 600 Haushalte mit Strom zu versorgen. „Wir haben noch zwei weitere Blockheizkraftwerke in der Nähe“, erklärt Johannes Miermann, der als Substratmanager bei Loick Bioenergie arbeitet und eine Besuchergruppe auf Einladung der Hünxer CDU durch die Anlage führt. Die Hünxer Anlage gehört zur Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Dorsten. In den zwei anderen an den Standort angeschlossenen Anlagen werden zusammen nochmal 1,5 Megawatt Elektrizität erzeugt.

Erdgasproduktion statt Elektrizität

Doch mit der Stromproduktion soll im kommenden Jahr Schluss sein. Ab 1. Januar wird dann auf Bio-Methan umgestellt. „Wir schalten dann die Blockheizkraftwerke ab“, erklärt Johannes Miermann. Der Grund: Die EEG-Förderung für die Anlage läuft aus. Für den Strom, der momentan hier produziert wird, würde nach Ablauf der Förderung kaum noch Geld eingenommen. Die Anlage wäre nicht mehr rentabel. „Daher wird die Anlage gerade komplett umgestellt“, berichtet Johannes Miermann.

Und zwar auf die Produktion von Bio-Methan. Aus dem Biogas, das momentan aus der Anlage kommt, wird in einer Gasaufbereitungsanlage Erdgas hergestellt. Mit einer Druckwäsche mit Wasser werden Stoffe aus dem Gas gelöst, sodass am Ende ein Produkt mit entsprechender Reinheit entsteht, das dann ins bereits am Standort vorhandene Erdgasnetz eingespeist werden kann.

Ausgangsstoff: Mist aus der Region

Zur Biogas-Produktion durchlaufen momentan rund 20.000 Tonnen Mais und 15.000 Tonnen Wirtschaftsdünger (Mist und Gülle) pro Jahr die Anlage. In Zukunft werden es mehr als 60.000 Tonnen Material sein. „Dann reduzieren wir den Biomais auf sieben Tonnen, weil wir damit nur noch unseren eigenen Strom produzieren“, berichtet Johannes Miermann. Die übrige Stromproduktion wird abgestellt.

Bioenergie und Soepenberg Ministerbesuch
Johannes Miermann führte eine Besuchergruppe durch die Anlage der Biogenergie Hünxe GmbH. © FUNKE Foto Services | Christian Creon

Und auch die Eingangsstoffe werden sich ändern: In Zukunft wird die Anlage zu mehr als 90 Prozent Wirtschaftsdünger umsetzen. „Die Förderung hat sich so verändert, dass wir für Gas aus Wirtschaftsdünger mehr Geld bekommen, als für Gas aus nachwachsenden Rohstoffen.“ Mit anderen Worten: Die Hünxer Anlage wird ab 2026 aus Mist und Gülle grünes Erdgas herstellen. Der Wirtschaftsdünger soll dabei aus der Region kommen. „Dadurch haben wir hier kurze Wege“, erklärt Johannes Miermann weiter. Derzeit werden schon entsprechende Verträge mit landwirtschaftlichen Betrieben in der Region verhandelt.

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Umrüstung für neue Aufgaben

Für die Umstellung der Produktion wird die Anlage seit etwas mehr als einem Jahr komplett umgebaut. Nicht nur wurde die Gasaufbereitungsanlage komplett neu gebaut, sondern die bestehenden Anlagen wurden teilweise auch modernisiert oder für eine andere Nutzung umgerüstet. „Wir investieren hier vor allem in neue Technik“, erklärt Johannes Miermann. Insgesamt investiert Loick Bioenergie mehrere Millionen Euro in den Hünxer Standort.

Loick Bioenergie

Die Anlage der Bioenergie Hünxe GmbH gehört zu rund 40 Anlagen, die von der Firma Loick Bioenergie deutschlandweit betrieben werden. Neben Biogas-Anlagen hat die Firma auch Photovoltaik-Anlagen in Betrieb.

Die Loick Bioenergie gehört wiederum zur Loick AG. Das Unternehmen wurde 1994 von Hubert Loick gegründet, mit der Idee, neue Wege zur Nutzung und Verwertung von nachwachsenden Rohstoffen zu finden. Zur Unternehmensgruppe gehören neben der Loick Bioenergie auch noch die Loick Biowertstoff, Loick Trade und Loick Renewables.

Die Gasaufbereitungsanlage ist dabei das Herzstück der neuen Produktion. „Hier wird aus Biogas mit 50 bis 54 Prozent Methangehalt am Ende Bio-Methan mit 98 Prozent Reinheit, damit wir es in das Erdgasnetz einspeisen können“, erklärt Johannes Miermann. Das Gas wird dann in der Zukunft wahrscheinlich in Richtung Antwerpen gehen und dort wieder verflüssigt, um am Ende in die Kraftstoffproduktion zu fließen.

„Das ist natürlich nur bilanziell so“, erklärt Johannes Miermann. Hier verhält es sich ähnlich, wie beim Strom, wo zwar Ökostrom ins Netz eingespeist wird und man entsprechende Tarife buchen kann, am Ende aber immer der Strommix aus allen Stromquellen aus der Steckdose kommt. Mit dem in Hünxe produzierten Bio-Methan können Kraftstoffunternehmen nachweisen, dass ein Teil ihrer Produktion CO₂-neutral ist.