Ein kleiner Gegenstand mit persönlichem Geruch – mehr braucht der Spürhund nicht, um ein Menschenleben zu retten. „Eine Zahnbürste ist da ganz gut“, erklärt Hundezugführer Inge Wortmann, während sie eine Besuchergruppe von der Gemeinschaft Bruckhausener Vereine, die den besonderen Einblick organisiert hatte, über das weitläufige 75.000 Quadratmeter große Trainingsgelände in Hünxe führt. Hier, im einzigen Schulungszentrum nur für Rettungshundeführer, werden die Teams ausgebildet, die nach Vermissten suchen – oft mitten in der Nacht und bei jedem Wetter.
Menschen weiterbilden statt Hunde ausbilden
Seit 2008 ist das Gelände im Besitz des Bundesverbandes Rettungshunde (BRH). Es ist weitläufig und bietet zahlreiche Trainingsmöglichkeiten. „Wir bilden hier nicht primär den Hund aus, sondern den Menschen weiter“, erklärt Inge Wortmann. Der Fokus liegt auf der Weiterbildung von Ausbildern und Zugführern und dem Erwerb zugehöriger Zertifikate. „Jedes Wochenende finden hier Veranstaltungen für unsere Mitglieder mit und ohne Hund statt“, berichtet Diana Fluhr, die mit ihren Hunden ebenfalls beim BRH im Einsatz ist.
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Von den deutschlandweit 2200 aktiven Mitgliedern des BRH kommen fast jedes Wochenende etwa 40 Teilnehmer zu den Schulungen auf dem Hünxer Gelände. In der Regel beginnen die Schulungen Freitagabend mit einem Theorievortrag, am Samstag und Sonntag wird mit kleinen Gruppen auf dem Gelände gearbeitet. „Der Austausch untereinander ist dabei auch ganz wichtig“, sagt Diana Fluhr. Die in Hünxe ausgebildeten Hundeführer können ihre Kenntnisse dann in der eigenen Staffel weitergeben. „Ich lerne meinen Hund lesen. Man hat durch die Leine eine unglaubliche Verbindung“, berichtet Inge Wortmann über die Weiterbildung der Hundeführer.
Mantrailing statt Trümmersuche
Dabei habe sich der Einsatzschwerpunkt im Vergleich zu früher verändert, nun sei vor allem Mantrailing gefragt. Der sogenannte Mantrailer oder Personenspürhund sucht den Individualgeruch einer bestimmten Person, während der Flächensuchhund ohne Leine im Wald jegliche menschliche Witterung finden muss. Für die Hunde des BRH in Hünxe gibt es weniger Trümmerarbeit, bei der die Tiere beispielsweise nach einer Gasexplosion eingestürzte Gebäude nach vermissten Personen durchsuchen.
In Hünxe wird hauptsächlich die Theorie des Mantrailings vermittelt. Die Wochenendbesucher lernen beispielsweise, wie sich ein Hund verhält, wenn er die Spur verloren hat und dass es unterschiedliche Witterungsanzeigen gibt. Wichtig sei auch, bei den Übungen eine gemeinsame Sprache zu finden, wie Inge Wortmann betont: „Wir sagen dann: ‚Nehmt euch ein Wort, das liebevoll sagt: Du liegst zwar richtig, aber such weiter.‘ Das Wort ‚Nein‘ wird nie gebraucht.“
600 Vermisstenanfragen jährlich in NRW
Beim BRH sind alle Mitglieder gleich geschult und so überall einsatzbereit. Das Gelände in Hünxe dient sogar als Lagezentrum für internationale Einsätze der Hunde, so zum Beispiel beim verheerenden Erdbeben in der Türkei 2023. Die Koordination der häufigeren Einsätze findet allerdings nicht auf dem Hünxer Gelände, sondern jeweils direkt vor Ort statt.
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Im vergangenen Jahr gab es in NRW rund 600 Vermisstenanfragen. Die Polizei ist in NRW dafür zuständig, den BRH bei einer Personensuche zu alarmieren, andernorts tut dies beispielsweise die Feuerwehr. „In der Regel ist in jeder Staffel ein Zugführer zuständig, der dann von der Polizei alarmiert wird und den Einsatz koordiniert“, erklärt Diana Fluhr den Beginn eines Einsatzes. In den insgesamt 109 Hundestaffeln, die deutschlandweit verteilt sind, gibt es mindestens drei einsatzfähige Hunde, es kann aber auch bis zu 20 Tiere pro Staffel geben.
So läuft ein Einsatz der Rettungshunde ab
Die Alarmierung erfolgt meistens in der Nacht. Der Einsatz läuft so ab, dass der Personenspürhund im Haus angesetzt wird, wo der Vermisste zuletzt gesehen wurde. Mithilfe eines Gegenstandes, den nur die vermisste Person benutzt, wird der Geruch aufgenommen. Der Hund soll die frischeste Spur aufnehmen, die über allen anderen liegt. Der Hund kann die vom Wind getragenen Geruchsinformationen nutzen. Großer Druck lastet während der Prozedur und des gesamten Einsatzes auf der Staffel und ihrem Hundeführer.
GBV, Historie und Jubiläum
Die Gemeinschaft Bruckhausener Vereine (GBV) ist eine Dachorganisation der Vereine und Institutionen in Bruckhausen. Einmal im Jahr veranstaltet die Gemeinschaft eine besondere Tour. Dieses Mal eben zum BRH. „Es hat damit angefangen, dass sich die Vereine gegenseitig besucht haben“, erzählt der Vorsitzende Friedhelm Schwarz. Mittlerweile steht jedes Jahr ein neues, besonderes Ausflugsziel für die Mitglieder auf dem Programm.
Das Gelände, vormals als Anita-Thyssen-Heim bekannt, wurde von Thyssen als Erholungs- und Freizeitheim für Werksangehörige und besonders ihre Kinder erbaut. Zudem war hier ein Lehrlingswohnheim zu finden. Das Gelände, zu dem früher auch Volieren und Wildgehege gehörten, war nach der Enkelin von Thyssen-Gründer August Thyssen benannt worden.
Im nächsten Jahr kann der 1976 gegründete BRH bereits auf ein 50-jähriges Bestehen zurückblicken, was auch in Hünxe gebührend gefeiert werden soll.
Dabei arbeiten die Rettungshundeteams ehrenamtlich. Sie bekommen keine öffentlichen Mittel, sondern leben von Spendengeldern, auch wenn der Verband die Einsätze zahlt. Trotz dieser Herausforderung ist die Motivation bei den Einsatzkräften ungebrochen hoch: „Wenn ich mit meinem Hund nur ein Menschenleben retten kann, dann hat sich das schon gelohnt“, sagt Diana Fluhr.

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Viele Anfragen erhält der BRH durch Tageskliniken, ebenso gehören Demenzerkrankte und Kinder zu den typischen Vermisstenfällen. Auch Pilzsammler, die sich verlaufen haben, mussten schon gesucht werden. Oftmals ist der Zustand der vermissten Person von entscheidender Bedeutung.
Von Dackel bis Rottweiler ist alles vertreten
Und welche Rasse ist nun für diese wichtige Arbeit geeignet? Die Antwort könnte überraschen. „Vom Dackel bis zum Rottweiler haben wir alles. Die häufigste Hunderasse, die hier vertreten ist, ist allerdings der Mischling“, sagt Diana Fluhr lachend. Es ist also fast jeder Hund dazu geeigenet, Menschenleben zu retten. Und das ist ein wichtiger Einsatz, der sich lohnt.







