Nein, es wird nichts verraten. Sowohl Dirk Krüßmann, Vorsitzender des Tambourkorps Voerde 1910, als auch Andreas Löwe, der langjährige Leiter des Spielmannzuges, halten dicht, wenn es um das Programm des Konzerts am Samstag, 8. November, 18 Uhr, in der Halle des BSV Friedrichsfeld geht. Es ist nach 2005 und 2008 erst das dritte Konzert des Tambourkorps, das aus dem Voerder Vereinsleben und vielen festlichen Gelegenheiten in der ganzen Region nicht wegzudenken ist. Das eigene Konzert aber gestaltet das Tambourkorps mit Gästen nördlich der Lippe, dem Blasorchester Bislich. Und soviel sei dann doch verraten: Dessen Repertoire entwickeln die Voerder gerade hörbar weiter. Letzten Montag gab es eine erste Probe von einigen gemeinsamen Stücken: „Das war ein Gänsehautmoment“, schwärmt Dirk Krüßmann.

Das Blasorchester Bislich ist zu Gast beim Konzert des Tambourkorps Voerde.
Das Blasorchester Bislich ist zu Gast beim Konzert des Tambourkorps Voerde. © Blasorchester Bislich e. V.

Sicher ist, das kommende Konzert wird für den Verein eine Signalwirkung haben: Es geht um die Zukunft. So wird das Tambourkorps mit den Grundschulkindern eines eigens für den Anlass gegründeten Projektchores der Erich-Kästner- und der Otto-Willmann-Schule auftreten. Und auch für das weitere Programm gilt neben dem traditionellen Repertoire: „Wir haben einige Stücke bewusst ausgewählt, um die ‚next generation‘ anzusprechen“, so Löwe, „wir spielen total schöne Sachen – außerhalb von ‚Preußens Gloria‘“. Jener Marsch ist gleichsam ein Synonym für das althergebrachte Repertoire eines Vereins, der schließlich eine Tradition bis zurück ins späte Kaiserreich hat. 1910 wurde das Tambourkorps gegründet, 2010 groß das 100-jährige Bestehen gefeiert.

Karneval und Martinszüge

Tatsächlich seit fast der Hälfte davon ist Dieter Heiligenhaus dabei. 1970 kam er über seinen Vater, der allerdings in einem anderen Verein spielte, zur Trommel, 1971 trat er erstmals mit dem Tambourkorps Voerde auf. „Da wurde wirklich ,Preußens Gloria‘ gespielt“, sagt er heute schmunzelnd. Aber nur ein Jahr später geschah etwas in Voerde, das auch die Aktivitäten des Tambourkorps bis heute mitprägt. Der VKV wurde gegründet und seitdem geht das „Trömmelsche“ immer mit. Ob Karnevalszug oder Prunksitzung, das Tambourkorps liefert den Soundtrack zum Einmarsch jeglicher Tollitäten in Voerde und Dinslaken. Auch zum Sessionsstart, nur wenige Tage nach dem eigenen Konzert wird dies beim VKV wieder so sein. Und vorher steht das zweite große saisonale Ereignis an: St. Martin. Für das Tambourkorps eine hochaktive Woche voller Martinszüge.

Ob Karneval oder schon jetzt am Freitag, 3. Oktober, die Eröffnung der Nottekirmes: Das Tambourkorps liefert die Musik zu allen festlichen Anlässen im Voerder Vereinsleben. Dafür, aber ebenso für das soziale Miteinander im Musikverein und nicht zuletzt auch wegen der Verdienste in der Kinder- und Jugendarbeit wurde der Traditionsverein vor zwei Jahren mit dem Heimatpreis ausgezeichnet. Die Trophäe steht nun in der Vitrine zwischen den unzähligen Freundschaftspokalen befreundeter Vereine – ein glänzender Hintergrund bei den wöchentlichen Proben donnerstags im Vereinsheim, das dem Tambourkorps von der Familie Hinnemann-Tekaat zur Verfügung gestellt wird.

Eine runde Sache: Das Tambourkorps Voerde macht sich für die Karnevalssession bereit.
Eine runde Sache: Das Tambourkorps Voerde macht sich für die Karnevalssession bereit. © Tambourkorps Voerde

Dieter Heiligenhaus ist das dienstälteste Mitglied im Verein, die beiden Querflötistinnen Laura Wenting und Simone Hüsken sind die jüngsten. Nachwuchsförderung. Der Verein geht dies seit 18 Jahren aktiv an. Er bietet praktischen Musikunterricht an der Erich-Kästner- und Otto-Willmann-Grundschule in Voerde sowie seit zwei Jahren auch an der Elisabeth-Seibel-Schule in Friedrichsfeld an. Bettina Abels-Vehns kommt seit 18 Jahren allwöchentlich aus Stadtlohn, um die Querflöten zu unterrichten, Marko Holtwick bildet seit zwei Jahren die Trommler aus.

Der Gang in die Grundschulen hat den Verein nicht einfach nur verjüngt. Während es vor einigen Jahrzehnten noch keine einzige Frau im Korps gab, sind heute, durch den Querflötenunterricht, 13 der 29 Ensemblemitglieder Mädchen und Frauen. Und nicht nur die Kinder wurden durch das Ausprobieren in den Grundschulen fürs Musikmachen im Verein begeistert, sondern auch deren Eltern. Und wenn heute die Ausflüge des Vereins organisiert werden, sind es die Frauen, die sich im entsprechenden Komitee organisiert haben.

Soziale Kompetenzen fördern

Musikmachen im Verein. Dass dies soziale Kompetenzen fördert, kann Andreas Löwe aus seinen eigenen Erfahrungen mit dem Tambourkorps nur bestätigen. Es ist ein beständiges Lernen, von dem man auch im Berufsleben profitiert, aber eines mit Freizeitfaktor. „Wir sind durch die Schulen rangekommen. Dann hat es Spaß gemacht“, bestätigt Simone Hüsken, „und wir sind dabei geblieben.“

Vorverkauf schon sehr gut angelaufen

Wenn das Tambourkorps Voerde 1910 am Freitag, 8. November, 18 Uhr mit dem Blasorchester Bislich sein Konzert in der Festhalle des BSV Friedrichsfeld „Alte Emmelsumer 1868 e.V.“, Ullrichstraße 42, gibt, sollte man sich nicht auf Resttickets an der Abendkasse verlassen. Schon jetzt laufe der Vorverkauf ausgesprochen gut, sagt Dirk Krüßmann. Tickets gibt es für zehn Euro in der Buchhandlung und Café Lesezeit!, bei Buch und Präsent Mila Becker, bei den Vereinsmitgliedern sowie per E-Mail an tb-voerde@gmx.de.

Einlass am 8. November ist um 18 Uhr, für Getränke und kleine Speisen ist gesorgt.

So soll es bleiben: Auch Dieter Heiligenhaus bekommt leuchtende Augen, wenn er über die neuen Stücke und die damit verbundene Verjüngung in der Ausrichtung des Vereins spricht. Dann beginnt die Probe und das Tambourkorps lüftet doch – erstmalig – das Geheimnis für eine Externe. Gearbeitet wird an neuen Soundmöglichkeiten: mehr Dynamikabstufungen, leise Passagen, ein insgesamt feineres Klangbild. Aber das ist nicht alles. Beim nächsten – neuen – Stück tanzt das Tambourkorps aus der Reihe.

Und das soll so sein. Es grooved. Der Rhythmus, zu dem Karneval- und Schützenvereine so leicht einherschreiten, wird aufgebrochen und während man bei dem bekannten Song mitgeht, wird es einem erst richtig bewusst, wieviel Wucht in diesem Klangkörper steckt. Ein Gänsehautmoment bei der Probe? Das kann man nur bestätigen. Und man darf gespannt sein, wie es am 8. November klingt, wenn das Tambourkorps Voerde zusammen mit dem Blasorchester Bislich spielt und 60 bis 70 Musizierende zusammen das Publikum begeistern wollen.