Duisburg gehört jetzt zum Kreis Wesel. Zumindest geflügeltechnisch. Der Duisburger Stadtverband der Rassegeflügelzüchter hat sich aufgelöst. Nach 145 Jahren. Von elf Vereinen waren nur noch drei übrig. Diese haben sich dem Kreisverband Wesel-Ost der Rassegeflügelzüchter angeschlossen. Damit hat der hiesige Kreisverband im 50-jährigen Bestehensjahr nicht nur Mitglieder hinzugewonnen, sondern auch eine ganz besondere Geschichte. Denn ein Duisburger hat einst eine eigene Hühnerrasse gezüchtet - das Deutsche Sperberhuhn. Zu sehen ist es am Samstag und Sonntag, 18. und 19. Oktober, bei der „Großen Jubiläums-Rassegeflügelschau“ des Kreisverbands Wesel-Ost beim RGZV Voerde in der Alten Schule Holthausen (Rönskenstraße 152).

Täglich (außer Samstag)
Dinslaken-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!
Nachrichten, Service, Reportagen: Jeden Tag wissen, was in unserer Stadt los ist.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Lebhaft ist er und zutraulich, der Deutsche Sperber - und dazu ein Bild von einem Huhn! Ein hübsch gemustertes schwarz-weißes Federkleid und dazu ein leuchtend roter Schnabel und Kamm. Die Rasse ist 125 Jahre alt. Der Duisburger Otto Trieloff (1850 – 1930) hat sie im Jahr 1900 aus mehreren anderen Rassen gekreuzt: gesperberte Schlotterkämme, gesperberte Italiener, Plymouth Rocks und schwarze Minorka. Der Mann gilt als Pionier der Rassegeflügelzucht.
Lesen Sie weitere Themen aus Dinslaken
Früher gehörte das Huhn zum Pott wie die Kohle
In den 50er Jahren gab es viele Deutsche Sperber und andere Hühnerrassen in den Gärten der Region. „Ein Hühnerstall mit einem kleinen Auslauf gehörte praktisch zu jedem Siedlungshaus und trug zur Selbstversorgung bei“, so Manfred Loick, Vorsitzender des Kreisverbandes Wesel-Ost der Geflügelzüchter. Das Federvieh gehörte zum Pott wie die Kohle. Aber der wirtschaftliche Aufschwung habe „das eierlegende Huhn in den Familien verschwinden“ lassen: „Eier und andere Geflügelprodukte kaufte man billig ein.“ Selbst zahlreiche Lebensmittelskandale und die „tierverachtende Massentierhaltung“ hätten nichts daran geändert: „Billiges Hühnerfleisch war attraktiver als die Arbeit im eigenen Hühnerhof.“ Das Deutsche Sperberhuhn aus Duisburg galt zwischenzeitlich sogar als gefährdet: 2012 war es „Gefährdete Nutztierrasse des Jahres“. In den vergangenen Jahren habe sich der Bestand aber erholt, so Manfred Loick.
Hühnerstall statt Schottergarten
Manfred Loicks Motto
Dass es in Duisburg immer weniger Geflügelzuchtvereine gebe, sei nicht nur eine Folge des demografischen Wandels, sondern sei darin begründet, dass „der Platz im Garten immer kleiner wird und die ständige Verantwortung für einen Geflügelbestand nicht mehr so gern angenommen wird“, so Lock. „Hühnerstall statt Schottergarten“ - davon träumen die hiesigen Hühnerfreunde. Wissen aber, dass das „leider weltfremd“ ist: „Denn wer seinen Vorgarten schon aufgegeben hat, der verweigert sich auch der Aufgabe, einen Hühnerstall auszumisten“, so Loick. Dabei sind die putzigen Vögel im Garten nicht nur unterhaltsam und schön anzusehen - sie liefern auch frische Eier und, je nach Rasse, auch Fleisch. Wie zum Beispiel die Deutschen Sperber, die als Zweinutzungsrasse gelten.
Wann die Schau geöffnet ist
Die Große Jubiläums-Rassegeflügelschau wird am Samstag, 18. Oktober, 11 Uhr, offiziell eröffnet. Besuchzeiten sind am Samstag von 12 bis 17 Uhr und am Sonntag von 10 bis 17 Uhr (Alte Schule Holthausen, Rönskenstraße 152, Voerde). Der Eintritt ist frei.
Wer mit dem Gedanken spielt, eine kleine Hühnerschar im Garten zu halten, findet bei den Züchtern immer Ansprechpartner, die mit Infos zu Rassen und Haltungsbedingungen aushelfen.
Diese Rassen sind in Voerde zu sehen
Zwei Aussteller zeigen bei der Kreisschau am Wochenende in Voerde Deutsche Sperber. Insgesamt sind 300 geflügelte Tiere aus 40 Zuchten und vielen Rassen zu bestaunen: Gänse, Enten, Hühner, Zwerghühner und Zier- sowie Wildgeflügel.
Mehr aus Dinslaken,Voerde und Hünxe
Alle Nachrichten aus Dinslaken, Voerde und Hünxe lesen Sie hier. +++ Abonnieren Sie unseren Newsletter per Mail oder folgen Sie uns bei Whatsapp, Instagram und Facebook +++
Dass die Zahlen der Züchter sinken, nehmen diese gelassen: „Die nachlassenden Zahlen bei den aktiven Züchtern sehen wir nicht als schleichenden Untergang - wir rücken nur enger zusammen.“ Längst gehe es zudem nicht mehr nur um die „optischen Vorzüge unserer geflügelten Freunde“ - sondern auch bei den Stichworten Tierschutz und Tierwohl werde den Züchtern „immer stärker bewusst, welche Lebensqualität wir unseren Tieren im eigenen Garten bieten“, so Loick.








