Ein ebenso anrührender wie nachdenklich stimmender Vormittag steht in der Kulturkirche Herz Jesu Oberlohberg an. „Lieder von Verfolgten“ kommen dort am Sonntag, 9. November, 11 Uhr mit Gitarren-Begleitung zu Gehör. Dazu Verse von Hanns Dieter Hüsch und anderen Dichterinnen und Dichtern, die sich mit der NS-Zeit und ihren Folgen bis zur Gegenwart kritisch auseinandergesetzt haben. Der Eintritt ist frei an der Kirchstraße 278 in Oberlohberg.

Die Konzertpremiere fand vor sieben Jahren statt

Für das Programm zum Erinnern und Gedenken an die Pogromnacht 1938 konnte der Förderverein Herz Jesu Oberlohberg den Historiker Stefan Querl, Leiter der Villa ten Hompel in Münster, mit den Musikkünstlern Tassilo Rinecker aus Münster und Jonas Höltig aus Köln gewinnen. Das Trio feierte die Konzertpremiere mit den rezitierten „Liedern von Verfolgten“ vor sieben Jahren im schlesischen Krzyżowa, auf dem früheren Gut derer von Moltke in Kreisau, welches inzwischen als Stiftung für Europäische Verständigung zu deutsch-polnischen Begegnungen einlädt.

Es folgten etliche Auftritte in Konzerthäusern, in Synagogen, Kirchen, Universitäten, Kulturzentren und in Schulen, um Zeichen für eine positive, ermutigende Geschichtskultur zu setzen. Noten und Verse als Signale der Hoffnung und Klarheit: Eindeutig gegen jede Form von Hass, Hetze und gegen Extremismus heute.

Von dem „Geschichtsort“ in der Villa ten Hompel in Münster an den Niederrhein gibt es einige enge Verbindungen: Der heutige Leiter der Erinnerungsstätte, Stefan Querl, gedachte im November 1988 als Teenager erstmals am Ort der früheren Dinslakener Synagoge der Pogromnacht 1938. Foto: Andrea Kutzendörfer
Der Dinslakener Stefan Querl vor dem „Geschichtsort“ in der Villa ten Hompel in Münster: Der 51-Jährige leitet heute die Erinnerungsstätte. © Andrea Kutzendörfer

Die Liedverse werden um einige Gedichte ergänzt, die Stefan Querl beisteuert, und das in besonderer Verbundenheit zum Niederrhein und zu Hanns Dieter Hüsch, der vor 100 Jahren geboren wurde. Am Theodor-Heuss-Gymnasium in Dinslaken legte der Historiker, der seit knapp 25 Jahren in der Erinnerungsstätte Villa ten Hompel arbeitet, sein Abitur ab. Querl schrieb für die NRZ. Er gehörte der ev. Kirchengemeinde Hiesfeld und der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG) Herz Jesu Oberlohberg an. „Ende der 1980er waren wir“, so der 51-jährige Dinslakener in Rückschau, „längst noch nicht so kritisch und so problembewusst wie heute, was die Sprache von NS-Tätern anbelangt. Wir übernahmen noch deren Wort Kristallnacht. Das ist inzwischen völlig anders.“

Mehr zu dem Programm und dem Liederbuch dazu: https://lieder-von-verfolgten.de/