Anfang 2022 konnte die Emschergenossenschaft die vollständige Abwasserfreiheit in der Emscher verkünden. Mehr als 430 Kilometer an neuen unterirdischen Abwasserkanälen, vier moderne Großkläranlagen und drei gigantische Schmutzwasserpumpwerke waren in den drei Jahrzehnten zuvor gebaut worden, um das Schmutzwasser unterirdisch abführen zu können. Denn das hatte 170 Jahre lang bergbaubedingt gefehlt. So war der Dreck direkt in die Emscher eingeleitet worden, weshalb er zeitweise sogar der am stärksten verschmutzte Fluss Europas war.

Täglich (außer Samstag)

Dinslaken-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!

Nachrichten, Service, Reportagen: Jeden Tag wissen, was in unserer Stadt los ist.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Nun gibt es gute Neuigkeiten: Die Konzentration von Ammonium, Phosphat und organischem Kohlenstoff im Fluss hat sich deutlich verringert. Zusätzlich hat der Entfall des Grubenwassers seit März 2023 zu einem drastischen Rückgang der Salzbelastung in der Emscher geführt. Beides ist wichtig für eine erfolgreiche Revitalisierung, so die Emschergenossenschaft in einer Mitteilung an die Presse.

Mehr aus Dinslaken,Voerde und Hünxe

Alle Nachrichten aus Dinslaken, Voerde und Hünxe lesen Sie hier. +++ Abonnieren Sie unseren Newsletter per Mail oder folgen Sie uns bei Whatsapp, Instagram und Facebook +++

Revitalisierungserfolg braucht Zeit

Insgesamt seien die EU-Vorgaben, die bis 2027 umgesetzt werden sollen, in weiten Teilen der Emscher aber noch nicht erreicht. „Bis zur Ausbildung einer gewässertypischen Lebensgemeinschaft und Erreichung der Ziele der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, dem guten chemischen und ökologischen Zustand, benötigt es Zeit, in der Regel mindestens zehn Jahre“, so Dr. Nadine Gerner, bei der Emschergenossenschaft Leiterin der Abteilung „Fluss und Landschaft“. Der Oberlauf der Emscher ist seit mehr als zehn Jahren abwasserfrei und wurde ökologisch umgestaltet. Dort werden die Anforderungen an die Gewässerchemie bereits weitgehend eingehalten.

Sensible Messinstrumente detektieren die Gewässerqualität der Emscher.
Sensible Messinstrumente detektieren die Gewässerqualität der Emscher.© EGLV | Rupert Oberhäuser

Der für die biologische Entwicklung wichtigste Parameter in einem Gewässer ist der Sauerstoffgehalt: Doch nur oberhalb der Kläranlage Dortmund-Deusen im Raum Dortmund entspreche dieser ganzjährig den Anforderungen. Im weiteren Verlauf erreiche die Emscher diesen Zielwert überwiegend noch nicht. 2024 lagen die Sauerstoffkonzentrationen im Mittel zwar etwas höher als in den ersten Jahren nach der Abwasserfreiheit Ende 2021. Sie reichten aber für eine gute ökologische Besiedlung noch nicht aus.

Natur kehrt zurück

Mittlerweile haben aquatische Wirbellose, Fische, Wasserpflanzen und Kieselalgen mit insgesamt 336 Arten den neuen Fluss für sich erobert.

Dr. Nadine Gerner, Emschergenossenschaft

Die biologische Besiedlung der Emscher hat dennoch bereits mit der vor vier Jahren erreichten Abwasserfreiheit und insbesondere mit der daraufhin erfolgten Öffnung der neuen Emscher-Mündung in den Rhein bei Dinslaken und Voerde eingesetzt. „Seitdem hat die Zahl aquatischer Arten im gesamten Emscher-Einzugsgebiet kontinuierlich zugenommen. Mittlerweile haben aquatische Wirbellose, Fische, Wasserpflanzen und Kieselalgen mit insgesamt 336 Arten den neuen Fluss für sich erobert. Zum Teil sind dies noch weniger anspruchsvolle Organismen – aber auch die Anzahl der empfindlicheren Arten, die die Naturnähe der renaturierten Gewässer anzeigen, ist auf 72 gestiegen“, sagt Nadine Gerner.

Es zeigt sich: Durch die Revitalisierung erwacht der Fluss zu neuem Leben. Die Emschergenossenschaft begleitet diese Entwicklung mit einem umfangreichen Monitoring. Dabei setzt der Wasserwirtschaftsverband neben bewährten Probenahmen auch auf innovative Methoden wie Online-Monitoring. Um den Fluss rund um die Uhr zu beobachten, übermitteln Online-Messstationen entlang der Emscher im Fünf-Minuten-Takt Informationen zu „Vitalwerten“ wie Sauerstoff, Temperatur und Nährstoffen. Dazu fördert eine Pumpe, die im Fluss platziert ist, kontinuierlich Wasser in einen Messcontainer.