Was mit der ehemaligen Trabrennbahn geschehen soll, ist eine Frage, die viele Dinslakener bewegt. Schon seit Jahren arbeitet die Stadt an der Entwicklung des Areals, hatte dort ein komplettes Wohnquartier geplant. Seit 2024 steht das Projekt wegen der vorläufigen Haushaltsführung still. Wegen der Haushaltssicherung muss die Stadt entscheiden, was sie mit dem Gelände macht.

Kosten-Nutzen-Analysen für Entwicklung des Gelände

Die Verwaltung hat drei Szenarien durchgerechnet, wie es in Zeiten der Haushaltssicherung mit dem Projekt weitergehen könnte. Zum einen den ursprünglichen Plan, die Fläche komplett zu erschließen, und jeweils zu 50 Prozent zu verkaufen und im Erbbaurecht zu vergeben. Hier lautete das Ergebnis, dass es zu lange dauern würde, eine ausgeglichene Bilanz zu erreichen, da am Anfang für die Flächenaufbereitung und die Erschließung des Geländes für die Stadt hohe Kosten im Raum stünden (rund 34,5 Millionen Euro). Allerdings wären die Erbpacht-Erträge zu niedrig, um die Vorfinanzierungskosten zu decken. Die Stadt rechnete hier mit einem kurzfristigen Projektergebnis (vom Start bis zur Vermarktung) von rund 17,4 Millionen Euro Verlust. Dafür wären hier langfristig Einnahmen von 302.000 Euro pro Jahr denkbar.

In der zweiten Variante, bei der die Verwaltung einen kompletten Verkauf der Flächen nach der Erschließung berechnet hatte, sah es dann schon deutlich anders aus: Hier wäre nach Berechnung der Verwaltung nach neun Jahren die Investitionskosten refinanziert. Die übrigen Verkaufserlöse würden dann Einnahmen bringen, wobei man nach vollständiger Aufsiedlung, die in einem Zeitraum von 11 Jahren angestrebt wäre, nur noch Erträge aus Steuereinnahmen bekäme. Hier rechnete die Verwaltung mit einem kurzfristigen Gewinn von rund 7,9 Millionen Euro und jährlichen Erträgen von 85.000 Euro.

Diese Variante favorisiert die Stadtverwaltung

Trotz des rechnerischen Vorteils von Variante 2 empfahl die Verwaltung dem Rat eine dritte, modifizierte Lösung. Sie sieht einen vorzeitigen Verkauf eines Teils des Geländes vor, nämlich der unerschlossenen Teilfläche im Süden der Trabrennbahn, wo sich heute noch der große Parkplatz befindet (etwa 1,8 Hektar). Diese Fläche soll dann durch den neuen Eigentümer erschlossen werden. Die übrigen Flächen sollen dann zu 85 Prozent verkauft und zu 15 Prozent im Erbbaurecht vergeben werden.

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So spart die Stadt zum einen die Erschließungskosten und nimmt zum anderen direkt Geld ein. Das reduziert die Vorfinanzierung deutlich und zwar auf etwa 27,5 Millionen Euro. In dieser Variante wäre man dann bereits nach sieben Jahren an dem Punkt angekommen, ab dem man mit dem Gelände Gewinne erwirtschaftet. Die Stadt rechnete hier mit einem kurzfristigen Gewinn von rund 4 Millionen Euro und langfristig mit 216.500 Euro im Jahr an zusätzlichen Einnahmen (aus Erbpacht und Steuern).

Auftakt für Beratungen in Fraktionen und Ausschüssen

Im Rat stieß die bevorzugte Variante auf Zustimmung – aber auch auf Bauchschmerzen. „Wir setzen hier heute den Startschuss“, erklärte Dinslakens Bürgermeister Simon Panke (SPD), betonte aber auch, dass er sich eigentlich die Variante gewünscht hätte, bei der die Stadt weniger ihrer Flächen hätte verkaufen müssen. „Das tut schon weh“, kommentierte er. Weniger Flächen in Erbpacht bedeuten auch weniger Einfluss auf Bodenpolitik und Sozialquoten. Gleichwohl, so Panke, sei angesichts der Haushaltssicherung die Alternative gewesen, nichts mit dem Gelände zu machen.

Rico Koske, Fraktionsvorsitzender der Grünen, sprach von einer „historischen Entscheidung für unsere Stadt“. Seine Fraktion begrüße generell die Fortsetzung der Entwicklung auf dem Gelände. Er bezeichnete die jetzt von der Verwaltung angepeilte Verschiebung des Verhältnisses zwischen Erbpacht und Verkauf als „schmerzhafte Anpassung“, und zwar aus einem konkreten Grund: „Da hätten wir langfristig keinen Einfluss mehr.“ Gerald Schädlich (FDP) erinnerte daran, dass in Dinslaken aktuell rund 4000 Wohnungen fehlten und aktuell kaum Mietwohnungen verfügbar seien. Insofern sei eine Entwicklung des Trabrennbahn-Gebietes dringend angezeigt.

Chronologie des Projektes

Im März 2018 hatte der Rat der Stadt Dinslaken den Grundsatzbeschluss zur Entwicklung des Trabrennbahn-Areals in Verbindung mit der Erarbeitung eines städtebaulichen Leitbildes und der Einrichtung eines politischen Lenkungskreises beschlossen.

Im Juni 2020 wurde das städtebauliche Leitbild als Entwicklungskonzept beschlossen und die Din-Fleg mit der Erarbeitung einer Rahmenplanung beauftragt. Diese wurde im Dezember 2022 beschlossen. In der Folge beschloss der Rat die Änderung des Flächennutzungsplans, die Aufstellung des Bebauungsplans und den Rückbau.

Ab 2024 stoppte das Projekt mit Beginn der vorläufigen Haushaltsführung. Letzte Rückbauarbeiten konnten mit Zustimmung des Kreises Wesel als Finanzaufsicht noch beauftragt werden, ebenso wie ein Verkehrs- und schalltechnisches Gutachten. Mit Stopp der investiven Mittel konnten keine weiteren Maßnahmen auf den Weg gebracht werden. Das Projekt kam faktisch zum Stillstand.

Am Ende überwies der Rat den Verwaltungsvorschlag einstimmig zur weiteren Beratung an die Fraktionen und Fachausschüsse. Ob die Politik dann am Ende auch dem Vorschlag der Verwaltung folgen wird, bleibt abzuwarten.