Dinslakens israelische Partnerstadt Arad ist am Samstag beschossen worden. Eine iranische Rakete hat nach Agenturberichten vor Ort „massive Zerstörungen“ hinterlassen. Mehr als 60 Menschen wurden nach den Informationen der Agenturen verletzt – darunter auch ein vierjähriges Mädchen. Bürger vor Ort reden von mehr als 100 Verletzten. Auch am Sonntagmorgen gab es im Süden Israels erneut Raketenalarm nach Angriffen aus dem Iran.
Mindestens sieben Menschen schwer verletzt
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Die Rakete ist zwischen mehreren Hochhäusern im Stadtzentrum eingeschlagen. Sieben Menschen erlitten nach Agenturberichten demnach schwere Verletzungen, darunter auch das vierjährige Mädchen. „Es handelt sich um einen schlimmen Einsatzort“, sagt ein Sanitäter nach Agenturberichten kurz nach dem Angriff. „Wir sahen große Zerstörungen an mehreren Gebäuden, dichter schwarzer Rauch stieg an mehreren Stellen auf und es herrschte großes Chaos vor Ort.“
Geschoss soll 450 Kilo Sprengstoff gehabt haben
Nach Angaben von Patrice Perez, Lehrerin aus Arad, ist die Rakete in Gebäude gegenüber dem Shopping-Center eingeschlagen. Eine befreundete Familie habe bis vor kurzem in einem der Häuser gewohnt, dem nun eine Wand fehle. Patrice Perez, die für die NRZ vor fünf Jahren in einem Gastbeitrag berichtet hat, wie die Menschen in Arad den Nahost-Konflikt erleben, spricht auf Facebook von einem Geschoss mit 450 Kilo Sprengstoff und von mehr als 100 Verletzten. Arabische Medien nennen am Sonntag mehr als 120 Verletzte.

Bürgermeister: Behörden haben Lage im Griff
Arads Bürgermeister Yair Maayan wird mit den Worten zitiert, dass 150 Familien evakuiert wurden. Die Behörden hätten die Lage im Griff, teilt er am Sonntag über seine Social Media-Kanäle mit und bittet Bürgerinnen und Bürger, den Ort des Anschlags zu meiden, um die Rettungskräfte nicht zu behindern.
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Auch Dimona wurde beschossen
Auch in der Stadt Dimona, etwa 30 Kilometer von Arad entfernt, hat es einen Angriff gegeben. Dort steht eine Atomanlage. Mehr als 30 Menschen sollen dort verletzt worden sein. Der Iran hatte Israel nach eigenen Angaben als Vergeltung für einen Angriff auf die Atomanlage Natans angegriffen. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der Arad nach dem Angriff besuchte, sprach von einem „sehr schweren Abend in unserem Kampf um unsere Zukunft“. Man übermittle im Namen aller Bürger Israels Gebete für eine Genesung der Verletzten.
400 Raketen seit Kriegsbeginn
Seit Kriegsbeginn am 28. Februar habe der Iran mehr als 400 ballistische Raketen auf Israel abgefeuert, sagte der israelische Militärsprecher Nadav Schoschani. Etwa 92 Prozent der Geschosse seien von der israelischen Raketenabwehr abgefangen worden. In dem Zeitraum von gut drei Wochen habe es vier direkte Einschläge in israelischen Städten gegeben – in Tel Aviv, Beit Schemesch, Arad und Dimona. Dazu kommen Einschläge von Raketentrümmern oder von Bomben aus Streumunition.
Warum wurde die Rakete nicht abgefangen?
Offenbar wurden Abfangraketen gestartet, die ihre Ziele aber verfehlt haben. Warum – das war Thema am Sonntag. Der israelische Militärsprecher Nadav Schoschani sagte, die Zerstörungen in den beiden Städten seien „katastrophal“. Er betonte, es habe sich aber nicht um neuartige Raketen des Irans gehandelt, sondern um ballistische Raketen, wie sie seit Kriegsbeginn immer wieder eingesetzt worden seien. Andere Raketen dieser Art seien vorher durchaus von der Raketenabwehr abgefangen worden.
„Ich habe viele Fragen dazu bekommen, wie die Iraner eine spezielle Rakete abgefeuert haben, die man angeblich nicht stoppen könne oder ähnliches“, sagte der Militärsprecher. „Das sind lediglich Versuche des Irans, Angst zu verbreiten und ein Bild des Sieges zu vermitteln.“ Auf die Frage, ob es Sorge um die Sicherheit des israelischen Atomreaktors in der Nähe von Dimona gebe, sagte der Militärsprecher nichts: „Kein Kommentar.“
Das sagt der Städtepartnerschaftsverein Dinslaken
Am Ende kann man von einem Wunder sprechen, dass es keine Todesopfer gegeben hat.
Malte Kemmerling, Arad-Koordinator des Städtepartnerschaftsvereins Dinslaken
Für Malte Kemmerling, den Arad-Koordinator des Städtepartnerschaftsvereins Dinslaken, war die Nachricht ein „Schock“. Er hat viele Freunde in Arad und hat mit diesen auch bereits Kontakt aufgenommen. „Am Ende kann man von einem Wunder sprechen, dass es keine Todesopfer gegeben hat und auch keine große Anzahl von Schwerverletzten“, so Kemmerling in einer ersten Reaktion angesichts der massiven Zerstörungen. Denn die Rakete sei „direkt zwischen mehreren Hochhäusern in der Innenstadt von Arad eingeschlagen“.

Viele der Verletzten hätten sich offenbar nicht in den Bunkern aufgehalten, die den Menschen in Israel Schutz vor Angriffen bieten, so Malte Kemmerling. Weil in Israel ständig die Sirenen gehen und die meisten Raketen vom Iron Dome abgefangen würden, seien eine Menschen wohl der ständigen Flucht in die Schutzräume müde, vermutet er.
„Wir verurteilen den iranischen Raketenangriff auf die Bewohner unserer Partnerstadt Arad auf Schärfste“, heißt es in der offiziellen Stellungnahme des Städtepartnerschaftsvereins: „Es handelt sich dabei um einen Angriff, der ausschließlich der Zivilbevölkerung galt. Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei allen Verletzten und deren Angehörigen. Wir stehen an der Seite der Menschen in Arad und teilen den gemeinsamen Wunsch nach Frieden und Sicherheit des Staates Israel.“
Wählergemeinschaft lenkt Blick auf Opfer im Iran
Auch die Aktive Wählergemeinschaft Dinslaken drückte ihre Anteilnahme aus, erinnerte aber auch an die Opfer im Iran: Die Solidarität mit unserer Partnerstadt ist selbstverständlich und Ausdruck einer gewachsenen Verbindung, die gerade in schwierigen Zeiten trägt. Doch diese Solidarität darf nicht zu einer einseitigen Wahrnehmung führen. Nur wenige Tage zuvor wurde im Iran eine Mädchenschule in der Stadt Minab durch einen Luftangriff vollständig zerstört. Berichten zufolge kamen dabei rund 165 Menschen ums Leben – überwiegend Kinder.“ Der öffentliche Aufschrei, auch in Dinslaken, bleibe leise.
„Während Angriffe auf Israel – zu Recht – große Aufmerksamkeit und Anteilnahme erfahren, wird das Leid anderer ziviler Opfer in diesem Konflikt deutlich weniger wahrgenommen. Diese selektive Empathie ist nicht nur moralisch fragwürdig, sondern gefährlich“, schreibt die Ratsfraktion in einer Stellungnahme. „Wenn wir glaubwürdig für Menschenrechte und das Völkerrecht eintreten wollen, dürfen wir nicht mit zweierlei Maß messen.“ (mit dpa)






