Lokalpatrioten müssen tapfer sein, wenn sie in den Sozialen Medien unterwegs sind. Immer wieder setzen sich junge Menschen vor die Kamera und verspotten Dinslaken. Sowohl große Influencer als auch Einwohner selbst sprechen sich gegen die Stadt zwischen Niederrhein und Ruhrgebiet aus. Wird Dinslaken zum Klick-Köder oder hat es tatsächlich ein Image-Problem?
Für uns Jugendliche sollte Dinslaken verboten sein.
Mirac Kaya, TikTok-Creator
Mirac Kaya hat über 10.000 Follower auf TikTok. Sein Content: NRW-Städte bewerten. Im Februar beginnt er sein Video ganz deutlich: „Für uns Jugendliche sollte Dinslaken verboten sein.“ Die Stadt sei schlicht zu langweilig, biete durch die ländlichen Gebiete „nur Dörfer, nur Tiere“. Wenn er auch zugibt, dass die Innenstadt ganz einladend aussieht, bleibt er doch unbeeindruckt.
Debatte um Dinslaken: Video entfacht Streit zwischen Kritikern und Fans
@mirackyr Schreibt eure Stadt #fyp #viral #fürdich
♬ Jenerik - Ömer Özgür
In leuchtend roter Schrift erscheint die Bewertung auf dem Bildschirm. Dinslaken erhält lediglich drei von zehn möglichen Punkten – doch die eigentliche Dynamik entfaltet sich unter dem Clip. Mit über 64.000 Aufrufen hat das Video für Kleinstadt-Verhältnisse eine hohe Reichweite erzielt und eine hitzige Debatte entfacht.
In den etlichen Kommentaren prallen Welten aufeinander. Während die einen dem Influencer beipflichten und Dinslaken als „absolut tot“ abstempeln, halten Lokalpatrioten energisch dagegen. Für sie bleibt ihre Heimat „voll schön“ und wird im Netz unter Wert verkauft: „Man merkt, dass du noch nie in Dinslaken warst.“ Auf diese Nutzer könnte ein anderes virales Video anfangs deutlich positiver wirken.
Abendprogramm in Dinslaken auf dem Penny-Parkplatz
Der Hype um Dinslakens „schöne Seiten“ geht in die nächste Runde. Nach dem Vorbild von Influencer Giulianodrld nimmt nun ein weiterer Creator (46gonzo) die Stadt humorvoll unter Beschuss. Das erste Video auf seinem Account wurde innerhalb weniger Tage bereits über 20.000 mal angesehen. Eine verhältnismäßig gute Klickzahl. Darin präsentiert er Dinslaken als NRW-Perle – aber nicht ohne eine ordentliche Portion Sarkasmus.
Ob der „müllfreie“ Stadtpark, in dem sich „nur nette Leute“ herumtreiben oder die gähnende Leere in der Neutor-Galerie. Da sei so viel los, „dass alle Geschäfte geschlossen haben“. Auch das Klischee der langweiligen Landregion lässt er nicht aus. Wer in Dinslaken nach einem Abendprogramm sucht, könne sich der Jugend anschließen: „Also gehst du zu McDonald’s und dann chillst du bei Penny.“
Wenn Dinslaken plötzlich zu „Dinosaurier-Laken“ wird
Auch hier: Tausende Klicks, hunderte Kommentare. Schließlich interagieren sowohl die, die an Dinslaken ebenfalls einiges auszusetzen haben, als auch jene, die ihre Stadt als „Nummer 1“ verteidigen. Andere freuen sich einfach, die bekannten Straßen beim Scrollen zu entdecken und tippen ganz stolz: „Ich komme von da.“
Influencer Rosfield nimmt seine knapp 30.000 Follower mit auf eine Reise. Per Google Maps erkundet er Dinslaken, bis es hässlich wird. Oder, wie er die Stadt ausspricht, „Dinosaurier-Laken“. Virtuell begibt er sich durch verschiedene Ortschaften. Beginnend mit der Elisabethstraße, die er spottend kommentiert: „Wie kreativ kann man sein mit den Straßennamen?“
Nutzerin ist zwischen Niederrhein und Ruhrgebiet aufgewachsen: „Machste nichts“
Das Industriegebiet, der Parkplatz einer Kirche und ein bepflanzter Kreisverkehr sähen „noch okay“ aus. Als er auf einer Baustelle landet, beendet er das Video: „Hässlich.“ 88.000 Klicks und unzählige Kommentare von Dinslakenern, die ihre Heimat verteidigen. Sie nennen Gegenbeispiele besonders schöner Orte. Einige heben den Skatepark hervor, andere die Zeche Lohberg.

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So oder so erweist sich Dinslaken als Klick-Garant. Schließlich bietet die Stadt zwischen Niederrhein und Ruhrgebiet viel Angriffsfläche. Entweder seien die Orte zu vermüllt oder eben zu ländlich geprägt. Da bleibt nur die Aussage einer Nutzerin: „Ich bin hier aufgewachsen. Machste nichts.“





