Der Vorfall im Sommer 2024 hat für Entsetzen bei vielen Menschen in Dinslaken gesorgt: Mehrere Jugendliche habe eine Gruppe von Menschen mit Behinderung in der Neustraße angegriffen. Sie haben sie eingekreist, angepöbelt, geschubst, beleidigt, diskriminiert und ausgelacht. Und außer der Betreuerin der Gruppe hat niemand geholfen. Die Empörung in der Stadtgesellschaft war groß, grundsätzlich hat sich die Situation von Menschen mit Behinderung aber seitdem nicht verbessert: Auch heute noch erleben sie strukturelle Diskriminierung. Die Lebenshilfe Dinslaken und die Albert-Schweitzer-Einrichtungen (ASE) appellieren in Dinslaken an Politik und Gesellschaft, Inklusion und Teilhabe konsequent umzusetzen und Selbstbestimmung zu stärken. In einer Protestveranstaltung am Samstag, 2. Mai, vor der Neutor-Galerie Dinslaken wollen sie für das Thema sensibilisieren.

Inklusionsziele geraten aus dem Blickfeld

Am 5. Mai finden seit über 30 Jahren in ganz Deutschland Aktionen zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung statt. „Angesichts aktueller Krisen im In- und Ausland sowie geplanter Kürzungen im Sozialbereich drohen zentrale Inklusionsziele zunehmend aus dem Blickfeld von politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern zu geraten“; so die ASE und Lebenshilfe. Bereits erreichte Fortschritte bei der gleichberechtigten Teilhabe von Menschen mit Behinderung stünden damit auf dem Spiel – „obwohl diese Ziele die zentrale Grundlage für eine uneingeschränkte Teilhabe aller Menschen bilden“.

Zum Protesttag fordern Verbände, Organisationen und Aktivistinnen und Aktivisten umfassende Barrierefreiheit und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung sowie ihre Beteiligung an allen Entscheidungen, die das eigene Leben betreffen. Unter dem Motto „Menschenrechte sind nicht verhandelbar!“ finden bundesweit zahlreiche Aktionen statt. Auch der Bundesverband der Lebenshilfe positioniert sich deutlich und hat im Rahmen dessen zu Protestaktionen aufgerufen.

Wir wollen an diesem Tag zeigen, dass Menschen mit Beeinträchtigung keine Bittsteller sind, sondern sich nach ihren Möglichkeiten am Gemeinwesen beteiligen. Dafür benötigen sie aber Assistenz und Unterstützung.

Margot Stieler, Vorsitzende des Aufsichtsrats der Lebenshilfe Dinslaken

Um für die Themen gleichberechtigte Teilhabe und Selbstbestimmung zu sensibilisieren und sich für die Rechte von Menschen mit Behinderung einzusetzen, laden die Lebenshilfe Dinslaken und die Albert-Schweitzer-Einrichtungen (ASE) am Samstag, 2. Mai, von 11 bis 14 Uhr, am Neutor-Platz vor der Neutor-Galerie in Dinslaken zu einer Protest- und Informationsveranstaltung ein. „Wir wollen an diesem Tag zeigen, dass Menschen mit Beeinträchtigung keine Bittsteller sind, sondern sich nach ihren Möglichkeiten am Gemeinwesen beteiligen. Dafür benötigen sie aber Assistenz und Unterstützung“, erklärt die Vorsitzende des Aufsichtsrats der Lebenshilfe Dinslaken, Margot Stieler.

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500 Veranstaltungen bundesweit

Im Aktionszeitraum vom 2. bis zum 10. Mai finden in diesem Jahr bundesweit rund 500 verschiedene Aktionen und Veranstaltungen statt. „Menschen mit Behinderung erleben bis heute strukturelle Diskriminierung und Ausgrenzung in nahezu allen Lebensbereichen“, betont Eberhard Gröh, Vorstand der Lebenshilfe Dinslaken und Geschäftsführer der ASE.

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Im Wahlkampf 2025 der Bundesregierung habe sich bereits abgezeichnet, dass die Ausgestaltung des Sozialstaates zur Diskussion gestellt werde. Das habe sich auch nach der Regierungsbildung im Mai fortgesetzt, und in vielen Bundesländern gebe es Auseinandersetzungen zur Refinanzierung der Eingliederungshilfe. „Das Recht auf Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigung am Leben in der Gemeinschaft wird bei vielen Gelegenheiten in Frage gestellt. Umso wichtiger ist es, bisher nur unzureichend oder nicht realisierte behindertenpolitische Maßnahmen endlich umzusetzen“, erklärt Gröh. (aha)