Alle Jahre wieder leidet der Ententeich am Dinslakener Rathaus im Sommer unter Sauerstoffmangel – und mit ihm die Fische, die Bürgerinnen und Bürger dort immer wieder verbotenerweise aussetzen und die sich fleißig in dem aktuell giftgrün gefärbten Gewässer vermehren. Auch der Vorschlag, dort einen Wels auszusetzen, der die Fische wegfuttern soll, ist nicht neu. Die Partei Die Partei hat ihn 2023 schon einmal gemacht. Nun stellt die Fraktion UBV/Die Partei den Antrag erneut. Und weil der eine Teil der Fraktionsgemeinschaft immerhin als Spaßpartei gilt, ergänzt die Fraktion den Antrag um eine weitere Komponente: einen Hai. Ist ja irgendwie bald auch wieder Sommerloch.

Das ist das Problem

Der Dinslakener Ententeich befinde sich seit Jahren „in einem ökologischen Schwebezustand zwischen Naherholungsgebiet, Goldfisch-Großraum-WG und flüssigem Erbseneintopf“, heißt es in dem Antrag von UBV/Die Partei. Die Ursachen: „ausgesetzte Zierfische, fehlende natürliche Räuber, massive Nährstoffeinträge und eine demografisch auffällige Hochleistungs-Entenfütterung“. Im Ergebnis erinnere die Wasserqualität des Ententeichs „eher an eine ambitionierte Matcha-Latte“, so der Antrag von UBV/Die Partei.

Mehr aus Dinslaken,Voerde und Hünxe

Alle Nachrichten aus Dinslaken, Voerde und Hünxe lesen Sie hier. +++ Abonnieren Sie unseren Newsletter per Mail oder folgen Sie uns bei Whatsapp, Instagram und Facebook +++

In der Vergangenheit hat die Stadt Dinslaken schon mehrfach den Versuch unternommen, der überbordenden Fischpopulation im Ententeich durch Elektrobefischung Herr zu werden. Die gefangenen Fische wurden dann umgesiedelt oder an Bürgerinnen und Bürger verschenkt. Das funktioniere zwar „technisch zweifellos hervorragend“, so UBV/Die Partei: „Gleiches ließe sich allerdings vermutlich auch über den Einsatz eines mittelgroßen Minensuchboots sagen.“ Die Elektrobefischung behandele nur „Symptome, nicht Ursachen“, findet die Fraktion UBV/Die Partei – und sie sei teuer. „Kaum sind die Fische entfernt, tauchen neue auf. Der Ententeich reproduziert inzwischen Goldfische mit der Zuverlässigkeit eines schlecht regulierten Start-up-Marktes“, heißt es in dem Antrag.

Der Wels als „kommunaler Spitzenprädator“

Die Fraktion UBV/Die Partei beantragt, „die Elektrofischerei im Ententeich hinsichtlich Kosten, Nachhaltigkeit und CO₂-Bilanz kritisch zu evaluieren“ und ein „ökologisch nachhaltiges Konzept zur biologischen Fischbestandsregulierung zu erarbeiten“. Sie schlägt den „kontrollierten Besatz eines Europäischen Welses (Silurus glanis) als kommunalen Spitzenprädator“ vor. Der aktuelle Zustand des Ententeichs sei „einer Stadt mit Porsche-Zentrum, Premium-Kreisverkehren, Top-10-Einkaufszentrum und regelmäßig neu gepflasterter Innenstadt nicht würdig“. Dinslaken brauche keine dauerhafte Elektrofischerei, sondern „Visionen, Mut, ökologische Innovation und mindestens einen sehr motivierten Wels“.

„Zahlreiche Städte und Gewässerprojekte“ würden mittlerweile auf Biomanipulation setzen – also „die gezielte Steuerung von Nahrungsketten durch natürliche Räuber“, heißt es in dem Antrag. Beispiele hierfür fänden sich in Berlin und Niedersachsen sowie in den Niederlanden, Dänemark und Polen, so UBV/Die Partei. Außerdem solle die Stadt, so der Vorschlag, „Maßnahmen zur Reduktion externer Nährstoffeinträge“ einleiten. Dabei soll es um weitere Hinweise gegen Entenfütterung, Gewässerbepflanzung, Sauerstoffmanagement, Entschlammung sowie ein „Konzept gegen das wilde Aussetzen ehemaliger Aquarienbewohner“ gehen. Motto: „Findet Nemo – aber bitte nicht im Ententeich“.

Der ideale Mitarbeiter für kommunale Problemgewässer.

UBV/Die Partei über den Europäischen Wels

So erhalte Dinslaken die Chance, „Anschluss an internationale Spitzenforschung im Bereich ,kommunaler Raubfischpolitik‘“ zu finden, so der Antrag. Der Europäische Wels biete „erhebliche Vorteile“: Er sei „robust, genügsam, anpassungsfähig, nachtaktiv, einzelgängerisch, dauerhaft hungrig, haushaltsfreundlich. Kurzum: Der ideale Mitarbeiter für kommunale Problemgewässer“. Und Befürchtungen, Welse könnten „Kleinhunde, Kleinkinder oder AfD-Wähler verschlingen“, würden „bislang jeder belastbaren wissenschaftlichen Grundlage“ entbehren, heißt es.

So groß wird ein Wels – und so groß ist der Teich

Ein Europäischer Wels wird im Durchschnitt zwischen 1,30 und 1,60 Meter groß und wiegt 15 bis 45 Kilo. Es wurden aber – etwa in Polen – auch schon Exemplare gefangen, die fast drei Meter lang waren und um die 150 Kilo wogen. Nicht groß genug für den bis zu 1,60 Meter tiefen Ententeich mit seiner Wasserfläche von rund 1.100 Kubikmetern Wasser? Dann schlägt die Fraktion UBV/Die Partei vor, „vorsorglich die Genehmigungsfähigkeit eines Hai-Besatzes mit den zuständigen Fachbehörden abzuklären“, heißt es. „Internationale Fachfilme“ wie „Der weiße Hai“, „Sharknado“ oder „Mega Shark vs. Giant Octopus“ würden „eindrucksvoll das Potenzial großskaliger Prädatorenpolitik“ zeigen.

Täglich (außer Samstag)

Dinslaken-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!

Nachrichten, Service, Reportagen: Jeden Tag wissen, was in unserer Stadt los ist.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Allerdings könnte „ein Hai-Besatz erhöhte Salzgehalte, eine Umbenennung in ,Dinslaken Bay‘ sowie vermutlich zusätzliche Haushaltsmittel erfordern“, so die Fraktion UBV/Die Partei. „Eine Umsetzung sollte daher zunächst auf Machbarkeit geprüft werden.“ Schließlich befindet sich Dinslaken in der Haushaltssicherung. (aha)