Die NRZ liegt natürlich auf dem aufgeräumten Wohnzimmertisch von Artur Lange. Jeden Tag liest der Rentner die Zeitung, auch wenn sie ihn nur noch selten zum Schmunzeln bringen kann. „Immer nur Krieg, Krieg, Krieg“, sagt er. Der Dinslakener hat nicht aufgegeben – und feiert an diesem Montag seinen 80. Geburtstag mit der Zeitung, die ihn nicht loslässt.

Täglich (außer Samstag)

Dinslaken-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!

Nachrichten, Service, Reportagen: Jeden Tag wissen, was in unserer Stadt los ist.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

„Die NRZ verfolgt mich ein Leben lang“, sagt Artur Lange und schaut auf eine alte Zeitung von vor vierzig Jahren. Das Papier ist gelblich, die Fotos schwarz-weiß. Artur Lange steht vor einem Linienbus, hält eine Ausgabe der Neuen Ruhr Zeitung in der Hand. Weder Lange noch die Zeitung waren zu dem Zeitpunkt neu. Beide hatten vor vierzig Jahren, am 13. Juli 1946, das Licht der Welt erblickt. Seitdem verläuft die Geschichte parallel, wenn auch nicht geradlinig.

Artur Lange sitzt in seiner ordentlichen Eigentumswohnung am Raymannsgrund. Auf dem Tisch liegt eine Ausgabe vom 13. Juli 2021. Damals feierte die NRZ ihren 75. Geburtstag. Der Rentner hält mit seiner Frau Erika eine Zitronencremetorte mit einer grünen „75“ in den Händen – ein Geschenk der NRZ zum Geburtstag.

Artur Lange blickt sorgenvoll auf die aktuellen Krisen der Welt

Zwei Jahre später ist seine Frau verstorben. An der Wand hängen noch Bilderrahmen mit Erinnerungen an Ägypten, dem Lieblingsland seiner Frau. Kurz vor ihrem Tod wollten die beiden Reiselustigen dorthin fliegen. Es kam anders. „Die Zeit dreht sich weiter“, sagt Artur Lange und seufzt.

Dinslaken - NRZ-Leser Artur Lange ist am gleichen Tag geboren wie die NRZ: am 13. Juli 1946. Wir gratulieren
Artur Lange als Busfahrer der Duisburger Verkehrsgesellschaft. © privat | privat

Artur Lange hat den Wandel der Zeit auch durch das tägliche Lesen erlebt. Nachkriegszeit, kalter Krieg, Mauerfall. Doch die zerrüttete Weltlage der jüngsten Zeit erschreckt selbst den lebenserfahrenen Rentner. „Es wird immer schlimmer. Ich bin froh, dass ich alt bin“, sagt er und schaut über den Tisch, über die aktuelle NRZ mit Nachrichten über den Ukraine-Krieg, Schulden, Jobverlusten und Trump-Eskapaden. „Wenn man sich überlegt, wie viele Jahre Sie noch vor der Brust haben...“

Es wird immer schlimmer. Ich bin froh, dass ich alt bin.

80 Jahre NRZ: Leser Artur Lange list seine NRZ
Artur Lange, NRZ-Leser

Die NRZ ist Artur Langes Begleiter und Kompass. Als er erstmals mit der Zeitung in Berührung kam, war er noch zu jung, um all das zu begreifen: Seine Eltern wurden vor 70 Jahren ins damalige Pressehaus in Essen eingeladen, weil Artur Lange eben am selben Tag auf die Welt kam wie die NRZ. Häppchen, Bootstour, „ein schöner Tag“, erinnert er sich.

Das Zeitungsabo gehörte dazu

Artur Lange wurde größer, schließlich erwachsen. Nach einem Job bei Thyssen suchte er nach etwas Neuem und entdeckte 1972 eine Annonce: Busfahrer gesucht. Der gebürtige Walsumer stieg um und ein und brachte täglich Menschen von A nach B. Ein Traumberuf, wie er fand. Ungefähr zur selben Zeit abonnierte Artur Lange in der Familientradition die NRZ. Heirat mit Erika, eigene Wohnung in Dinslaken – ein Zeitungsabo gehörte dazu.

Mehr aus Dinslaken,Voerde und Hünxe

Alle Nachrichten aus Dinslaken, Voerde und Hünxe lesen Sie hier. +++ Abonnieren Sie unseren Newsletter per Mail oder folgen Sie uns bei Whatsapp, Instagram und Facebook +++

Jeden Morgen liest Artur Lange die Zeitung auf dem Balkon, „bei Wind und Wetter“. Von hier aus hat er einen Blick in den Gemeinschaftsgarten, in dem sie oft Feste feierten. Zum 50. Geburtstag kamen 170 Leute, Polonaise auf der Straße, Abpfiff erst einen Tag später. Eine rauschende Party.

Die Feier am Montag wird kleiner – aber sie wird nicht ausfallen. Artur Lange rechnet mit ungefähr 15 Gästen: früheren Arbeitskollegen, Familie, Tochter Nathalie. Und die NRZ liegt auch im Briefkasten. Wie jeden Morgen. Das nächste Jubiläum kommt gewiss. „Dann geben Sie einen aus“, sagt Artur Lange und schließt die Haustür.