Zusammenfassung

  • Die Stadt Dinslaken schließt aus Spargründen die Bücherstube Lohberg, was zu politischen Diskussionen führt.
  • Die SPD verteidigt die Entscheidung, betont aber, dass nach einem neuen Standort gesucht wird und das Angebot für Lohberg erhalten bleiben soll.
  • Kritik an der Schließung kommt vom Bündnis Sahra Wagenknecht und der Linken, die sich für den Erhalt der Bücherei einsetzen.

Die SPD-Fraktion wehrt sich gegen Kritik an der Schließung der Bücherstube Lohberg. Wie berichtet, hat die Stadt Dinslaken aus Kostengründen den Mietvertrag im Ledigenheim gekündigt. Dort ist die Zweigstelle seit 19 Jahren beheimatet. Die frühere Leiterin der Stadtbibliothek reagierte gegenüber der NRZ mit Enttäuschung, weil die SPD es gewesen sei, die die Bücherstube mitinitiiert habe. Jetzt wehrt sich der SPD-Fraktionsvorsitzende Volker Kobelt gegen die Kritik und nährt Hoffnung, dass die Bücherei im Stadtteil bleiben kann. Kritik kommt derweil vom Bündnis Sahra Wagenknecht und der Linken.

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„Dass ausgerechnet uns vorgeworfen wird, wir stellten uns gegen Bildung und Integration in Lohberg, tut weh – denn genau dafür stehen wir seit jeher“, betont Kobelt in einer Pressemitteilung. Die Entscheidung sei schwer gefallen, aber auch nötig gewesen angesichts der Haushaltslage. Der Finanzplan der hoch verschuldeten Kommune wurde erst jüngst genehmigt. „Ohne diesen Schritt wäre die Stadt auch in Fragen, die weit über die Bücherstube Lohberg hinausgehen, nicht mehr handlungsfähig“, heißt es in der Pressemitteilung.

Dass ausgerechnet uns vorgeworfen wird, wir stellten uns gegen Bildung und Integration in Lohberg, tut weh – denn genau dafür stehen wir seit jeher.


Volker Kobelt
Volker Kobelt, Fraktionsvorsitzender der SPD

Aus Sicht der SPD liegt die Ursache in der Unterfinanzierung der Kommunen durch den Bund. „Entspannen würde sich die Lage erst, wenn Bund und Land endlich ihre bisherigen Rechnungen bezahlen“, sagt Kobelt. Auch die Finanzreform, wonach der Bund künftig mehr Kosten übernimmt, reiche nicht aus.

Linke macht Druck und lädt zu Gespräch ein

In der jüngsten Ratsfraktion wurde Bürgermeister Simon Panke eine Petition für den Erhalt der Bücherstube überreicht. Die SPD-Fraktion zollt diesem Protest laut eigenem Bekunden „Großen Respekt“. Sie betont aber, dass nicht die Schließung beschlossen worden sei, sondern ein Alternativstandort gesucht werden solle. Eine „Bücherstube light“ soll es nicht geben: „Ein Alternativkonzept darf kein Etikettenschwindel sein“, sagt Kobelt. Die SPD werde bei den weiteren Beratungen genau hinsehen, denn Lohberg habe „ein gutes Angebot“ verdient. Damit nährt die SPD-Fraktion die Hoffnung, dass die Bücherstube und damit die Angebote an Kindern und Familien im Stadtteil bleiben.

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Harte Kritik kommt derweil vom Bündnis Sahra Wagenknecht. Der frühere stellvertretende Bürgermeister und aktuelle Landes-Vize Eyüp Yildiz nutzt die Kündigung, um gegen die Regierung auszuteilen: „Für Militär und Aufrüstung findet dieses Land Milliarden. Für eine Bücherstube in Lohberg angeblich nicht genug.“ Der Verteidigungsetat soll angesichts der globalen Krisen deutlich erhöht werden. Yildiz: „Für die Bücherstube Lohberg geht es um rund 150.000 Euro. Für Berlin ein Krümel im Haushalt. Für Lohberg ein ganzer Raum voller Möglichkeiten.“

Der Stadtverband der Linken Liste will hingegen den Druck auf die Verwaltung erhöhen. „Die Bücherstube in Lohberg ist für die Bürgerinnen und Bürger vor Ort essenziell. Neben allgemeiner Verleihung von Büchern gibt es dort auch Sprachangebote, die entsprechend genutzt werden“, wird Stadtverbandssprecherin Laetitia Knüfer in einer Mitteilung zitiert. Sie erwartet noch vor der nächsten Stadtratssitzung am 6. September Bewegung. „Wir fordern den Bürgermeister und seine Verwaltung dazu auf, geeignete Räumlichkeiten zur kommenden Sitzung vorzulegen! Der Erhalt der Bücherstube in Lohberg ist notwendig!“ Die Linke lädt Bürgerinnen und Bürger am Mittwoch, 22. Juli, von 10 bis 12 Uhr zu einem Gespräch am Infostand am Markt in Lohberg ein.