Nach dem Anschlag am Rande des Christopher Street Days in Berlin reagieren auch in Deutschland lebende Geflüchtete tief betroffen. In der Mosaik-Gruppe, einem Gesprächskreis in der Bruckhausener Arche, entstand der Wunsch, sich deutlich gegen Hass und Pauschalisierungen zu positionieren. Ehrenamtlerin Sabine Budde-Hegmann sammelte die Statements. „Jeder Mensch ist für seine eigenen Taten verantwortlich und muss für begangene Straftaten nach dem Gesetz zur Verantwortung gezogen werden“, sagt etwa Saroxan Alsino. „Gleichzeitig dürfen wir nicht alle Ausländer oder Menschen mit Migrationshintergrund unter Generalverdacht stellen.“

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Am Samstagabend war ein polizeibekannter Mann in eine Menschengruppe gefahren. Eine Frau aus Polen starb, 29 weitere wurden verletzt, drei davon schwer. Der mutmaßliche Attentäter, Abdul Ballout, starb einen Tag später bei einem SEK-Einsatz. Abdul Ballout wurde der islamistischen Szene Berlins zugerechnet. In der Vergangenheit wollte er sich der Terrorgruppe Islamischer Staat in Syrien anschließen. Außerdem saß er bereits in U-Haft. In der Politik wird deshalb über Konsequenzen und die Frage debattiert, ob der Anschlag hätte verhindert werden können.

Dass der Attentäter als Geflüchteter nach Deutschland kommt, bewegt die Mosaik-Gruppe in Bruckhausen. Dabei handelt es sich um eine Gesprächsgruppe für Mitbürger mit Fluchterfahrung, die sich einmal die Woche in der Arche trifft. Laut Sabine Budde-Hegmann befänden sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer seit mindestens zwei Jahren in Deutschland. Der Gesprächskreis sei aus einem Sprachkurs entstanden.

Pfarrer positioniert sich gegen Hass

In ihren Aussagen drücken Mitglieder ihr Mitgefühl aus und appellieren, Menschen mit Fluchterfahrungen nicht pauschal zu beurteilen. „Ich bin tief betroffen über die Ereignisse in Berlin. Meine Gedanken sind bei den Opfern. Bitte keine Pauschalisierungen. Die Tat eines Einzelnen darf niemals einer ganzen Glaubensgemeinschaft zugeschrieben werden. Menschlichkeit ist stärker als Hass“, wird etwa Veysel Bilgic zitiert.

Gewalt habe weder Religion noch Herkunft, sagt Rami: „Einzeltäter repräsentieren nicht Millionen friedlicher Menschen. Wir verurteilen diese Tat zutiefst und stehen gemeinsam für ein sicheres Zusammenleben.“

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Auch Pfarrer Mirko Lipski-Reinhardt nutzt die Gelegenheit, um sich deutlich gegen Hass zu positionieren. Ende Mai habe man noch einen Regenbogen-Gottesdienst gefeiert, um zu zeigen, dass queere Menschen Teil der Gesellschaft seien, sagt der Pfarrer der Gemeinde Hünxe. „Man sieht nach Berlin und denkt sich: Das hätte jeden und jede von uns treffen können. Und darum stehen wir zusammen. Lassen uns nicht auseinanderdividieren und gegenseitig aufhetzen.“