Während die ersten Bäume schon ihre Blätter auf den Boden werfen und der Spätsommer mancherorts bereits dem Herbst gleicht, sehnen sich Flüsse, Böden und Pflanzen noch immer nach Wasser. Wir Menschen konnten der Hitze zumindest auf einfache Weise begegnen: mehr zu trinken. Und dafür gibt es eine Quelle, die scheinbar nie versiegt und uns zuverlässig mit kaltem, klarem Wasser versorgt: die Mineralbrunnen.

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Mineralbrunnen sind jahrtausendealte Quellen von naturreinem Wasser, die mehrere hundert Meter tief unter der Erde liegen. Das aus ihnen gewonnene Wasser ist Mineralwasser. Der Unterschied zum Tafelwasser: Mineralwasser bedarf einer amtlichen Anerkennung, muss am Quellort abgefüllt und darf nicht mehr künstlich verändert werden.
Tief unter unseren Füßen: Wo steckt das Grundwasser?*
Grundwasserführende Schichten, die sogenannten Aquifere, findet man in verschiedenen Tiefen. Man spricht deshalb auch von Grundwasserstockwerken.
Generell gilt: Je tiefer ein Aquifer liegt, umso älter ist auch das Wasser darin: von wenigen Wochen in sehr oberflächennahen Aquiferen bis hin zu tausenden oder zehntausenden Jahren in tiefen Schichten.
Wichtig für den Schutz des Grundwassers: Es kommt auf die Neubildungsrate an. Grundsätzlich gilt: Je älter das Wasser, desto geringer ist die Neubildungsrate. Bei tiefen Aquiferen kann sie daher sehr gering sein.
* Erläuterung von Prof. Dr. Jens Kallmeyer: er forscht an der Universität Duisburg-Essen zur Biogeochemie des Untergrunds
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In Dinslaken fördert die Hövelmann GmbH Wasser aus 260 Metern Tiefe.
Auf Dinslakener Grund und Boden liegt genau so ein Mineralbrunnen. Der Brunnen reicht 260 Meter tief in die Erde, das kühle Nass steht allerdings höher. Wie viel sich dort unten befindet, weiß keiner so genau. Die Produktion der beiden Marken Burgwallbronn und Aquintus kommt aufgrund der erhöhten Nachfrage gerade ganz schön ins Schwitzen, wie Markus Heuvel (59), Abteilungsleiter Mineralwassergewinnung der Firma Mineralquellen und Getränke H. Hövelmann GmbH, erklärt: „Das merken wir natürlich, das der Absatz enorm nach oben gegangen ist.“
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Flaschenwasser erlebt gerade einen Boom. 77 Prozent mehr stilles Wasser und 60 Prozent mehr kohlensäurehaltiges Wasser wurden in diesem Sommer gekauft, wenn man die Zahlen mit den letzten drei Jahren vergleicht. Das gab das Statistische Bundesamt in einer aktuellen Pressemitteilung bekannt.
Insgesamt habe das Unternehmen in den vergangenen Monaten 3,3 Millionen Kisten auf Vorrat hergestellt. Dazu zählten jedoch auch die anderen Marken der Firma Hövelmann, wie Rheinfels Quell, Sinalco und viele mehr, deren Brunnen auf Duisburger Gebiet liegen. Damit wollte man die Absatzspitzen im Sommer auffangen. Doch die Reserven sind aufgebraucht und jetzt bedarf es täglicher Planung, damit genug Wasser bei den Kunden ankommt.
Mineralwasser aus Dinslaken: Der Weg nach Duisburg
„Erst heute Morgen haben wir wieder beraten, was wann produziert wird“, erklärt Heuvel. Auch das Leergut sei mittlerweile ein Problem, denn wenn so viel getrunken werde, kämen nicht schnell genug Flaschen zurück, um wieder befüllt zu werden. Aber wie kommt das Wasser überhaupt vom Brunnen in Dinslaken zur Abfüllung nach Duisburg?
Auf einer Weide grasen kaffeebraune Kühe, daneben ein Maisfeld: ein Landwirtschaftsbetrieb! Doch wer genau hinguckt, sieht hinter einem unscheinbaren Zaun zwei Luken im Boden. „Diese Bodendeckel sind alarmgesichert“, erklärt Heuvel, während er einen dicken Schlüsselbund auspackt. Freudestrahlend blickt er zu seinem Kollegen, dem 27-jährigen Tim Ruttmann: „Das nennt man Glück.“

Der erste Schlüssel war der richtige. Jetzt bedarf es noch eines überdimensionierten Vierkantschlüssels und die Luke öffnet sich und zeigt, was sich im Inneren verbirgt. Der Alarm wurde im Vorfeld von der Zentrale aus ausgeschaltet.
Maschinenraum unter der Luke läuft nur bei geschlossener Öffnung
Würde die Luke ohne Voranmeldung aufgehen, würde alles, was sich darunter befindet, sofort den Betrieb abschalten. Unter der Luke ist ein kleiner Raum. Es riecht etwas feucht und verlassen, ähnlich wie in einem Keller. Brummend und summend gehen die hier befindlichen Maschinen ihrem Dienst nach. Lauter Rohre, Muffen und Apparaturen befinden sich in dem Raum.

Darunter eine Unterwassermotorpumpe, die in rund 150 Metern Tiefe hängt und das Wasser hochbefördert. Der Brunnen selbst reicht 260 Meter tief. Von dort führt das Wasser durch fünf Kilometer lange Rohre zum Betrieb.
Außerdem werden der Leitwert und die Fördermenge konstant erfasst. „Das wird verglichen mit einer weiteren Messung im Betrieb“, erklärt der 59-Jährige. Sollte es zu Abweichungen kommen, wüsste man, dass eine Leitung beschädigt oder undicht sein müsse.

Was außerdem auffällt: ein Wasserhahn. Heuvel dreht den Hahn auf und schöpft mit den Händen etwas Wasser ab, das er direkt trinkt. „Das Wasser, was hier rauskommt, ist genau das, was später in den Flaschen landet“, erklärt sein Kollege Tim Ruttmann. Lediglich Kohlensäure wird später hinzugefügt.
Der Hahn sei jedoch nicht dafür da, um gelegentlich einen Schluck zu trinken. Er dient zur Kontrolle direkt am Brunnen. Denn das Wasser muss regelmäßige Tests durchlaufen. Nicht nur am Quellort.
Fließband-Lärm und süßer Duft begleiten die Getränkeproduktion
Wenn das Mineralwasser durch die kilometerlangen Leitungen am Abfüllort ankommt, befindet sich dort ein Zulauf, gekennzeichnet mit „B“. Hier kommt das Wasser aus der Dinslakener Quelle an.
In den Hallen riecht es lecker-süß, das kommt von den Limonaden, die hier hergestellt werden. Es ist ohrenbetäubend laut, überall läuft Flasche um Flasche über die Bänder, so schnell, dass man jede einzelne kaum erkennt.

Auch hier wieder ein Hahn, an dem Wasser entnommen und kontrolliert werden kann. Denn Mineralwasser muss hohe Auflagen erfüllen. Rund 200 Stoffe und Mikroorganismen werden regelmäßig getestet. Dabei darf quasi keine Veränderung im Wasser festgestellt werden.
Regelmäßige Labortests bestätigen gleichbleibende Wasserqualität seit 2005
Im Labor angekommen, hält Markus Heuvel eine Flasche mit Etikett hoch. „2005 getestet durch das Fresenius Institut“, sagt er. „Und diese Werte bestätigen wir noch heute regelmäßig in Tests.“

Vom Zulauf des Brunnen B kommt das Wasser in große Vorratstank, von dort wiederum in kleinere Tanks sogenannte Mixer, in denen das Wasser entgast wird, denn oft ist noch etwas Luft enthalten, die raus muss. Dann kommt je nach Produkt auch noch Kohlensäure hinzu. Und dann landet das Wasser in der Flasche. Etikett drauf, ab in Kisten und es ist fertig für den Verkauf.
Und auch wenn besonders an den heißesten Tagen Laster um Laster das Gelände verlässt, um Flaschen in die Supermärkte zu bringen, braucht man sich aktuell keine Sorgen zu machen, dass das Wasser Hunderte Meter unter dem Niederrheingebiet versiegt.
Mineralbrunnen bis 2100 wohl nicht von Wasserstress betroffen
„Wir entnehmen nur zwei Drittel des jährlichen Wasserrechts“, erklärt Heuvel. Und dennoch blieben die Wasserstände nahezu konstant, denn aktuell laufe aus den oberen Schichten genügend Wasser nach.
Dadurch, dass die Schichten, aus denen Mineralwasser entnommen werde, besonders tief liegen, seien darüber genügend Schichten aus regenreicheren Tagen, aus denen Wasser nachliefe, wie die Referentin des Verbandes Deutscher Mineralbrunnen erklärt. Wasserstress sei bis 2100 laut diverser Prognosen nicht zu erwarten. Wichtig wäre jedoch, die dort befindlichen Schichten vor Umweltgiften, wie beispielsweise PFAS, zu schützen.
Das sieht Professor Jens Kallmeyer ähnlich. Er ist Leiter der Arbeitsgruppe „Biogeochemie des Untergrunds“ der Universität Duisburg-Essen. Er glaubt auch nicht, dass diese tiefen Wasserschichten zum jetztigen Zeitpunkt Einflüsse des Klimawandels spüren. Dennoch:
„Wenn ein Aquifer (Wasserspeicher) erst einmal verschmutzt ist, dann ist es praktisch unmöglich, ihn wieder zu reinigen, insbesondere in großer Tiefe. Diese Ressource ist damit verloren.“








