Ihr Büro haben sich Anthony Boniteau (29) und Tim Kasparek (28) in einem Düsseldorfer Hinterhof eingerichtet. Ihre Werbeplakate hängen zwischen einem Regal voller Kartons und einem Sofa. Aus dem Kühlschrank in der Ecke holt Boniteau zwei Flaschen mit schlicht-weißem Etikett und stellt sie auf den großen Tisch. „Altus“ heißt es, das erste Düsseldorfer Bio-Altbier, das die beiden jungen Unternehmensgründer brauen. Sie sehen sich als Erfolgsgeschichte, „aber wir haben noch größere Ziele.“

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Bei jungen Gründern wie ihnen scheint trotz der Rezession gute Stimmung zu herrschen. Während andere über die wirtschaftliche Flaute klagen, zeigen sie sich unbeeindruckt: 2024 wurden in NRW 20 Prozent mehr Start-ups gegründet als im Vorjahr. Das geht aus Zahlen des Start-up-Verbands hervor. 494 Neugründungen waren es im vergangenen Jahr, davor 413. 2022 und 2023 hatte es noch einen Rückgang gegeben. Zwei Beispiele aus der Region zeigen, wie man in der Krise Erfolg haben kann.

Start-ups: Unternehmensgründer brauchen Geduld

Bei der Unternehmensgründung brauchten Boniteau und Kasparek vor allem Geduld und Lernvermögen. „Man will am Anfang direkt viel umsetzen, aber ist von vielen Stellen abhängig und muss warten“, sagt Kasparek. Auch mussten sie zunächst die Branche kennenlernen. Beide hatten vorher BWL studiert und keine Erfahrung mit dem Bierbrauen. „Wir mussten uns in das Thema reinfuchsen.“ Die Selbstständigkeit kannten beiden von den Eltern. Während der Corona-Pandemie brauten sie erstmals ihr eigenes Bier.

Bio-Altbier für die Lokalkultur

Mit Malz und Hopfen aus Öko-Landwirtschaft wird das Bio-Altbier „Altus“ gebraut. Angefangen hat alles mit einem Hobby-Brau-Set. Mittlerweile lassen die Gründer in einer Brauerei brauen (wo genau ist ein Betriebsgeheimnis) und man findet „Altus“ in diversen Gastrobetrieben in Düsseldorf sowie einigen „Edeka“-Märkten. Mit dem Bio-Bier soll Altbier bei jüngeren Menschen in der Lokalkultur fest verankert werden. Dazu gehören auch lokale Partnerschaften: Das Etikett der Flasche wurde mit dem Künstler „Kinsi“ und die T-Shirts im Fanshop mit der Modemarke „Etuk“ entworfen.

Auch der Name der Marke bezieht sich auf lokale Tradition: Der Legende nach kommt die Bezeichnung „Altbier“ vom lateinischen Wort „altus“, was „hoch“ bedeutet. Und Altbier ist ein obergäriges Bier. Im Direktverkauf kostet der 20er-Kasten 29,90 Euro, in den Gastronomien liegt der Preis der 0,33-Liter-Flasche bei rund 3,50 Euro.

Dank Förderungen von Land und Stadt und dem Ersparten gelang der Start. Immerhin braucht man allein für die Anmeldung einer GmbH 25.000 Euro. Anfangs sei die Finanzierung eine Herausforderung gewesen sei, sagt Kasparek. Seit dem Verkaufsstart Anfang 2023 und dem Düsseldorfer Büdchen-Tag im April steige die Nachfrage. Die Gründer bleiben dennoch selbstkritisch: die Marke sei recht klein und leben können sie vom Gewinn noch nicht, sagt Boniteau. Beide haben Nebenjobs, auch weil sie sich keine großen Löhne auszahlen und die Einnahmen lieber in das Unternehmen investieren.

Überzeugt vom eigenen Produkt und große Ziele vor Augen

Trotz der Statistik, nach der neun von zehn Start-ups scheitern, haben sie keine Angst. „Wir sind überzeugt von unserem Produkt. Wir wissen, dass wir nicht scheitern werden“, erklärt Boniteau. Und der Blick zurück auf die vergangenen Monate macht die beiden stolz: „An der steigenden Nachfrage merken wir, dass wir einiges richtig machen.“ Immerhin seien sie schon in rund 30 Gastro-Betrieben in der Stadt vertreten.

Junge Altbier-Marke: „Altus“ ist ein Bio-Bier aus Düsseldorf.
Junge Altbier-Marke: „Altus“ ist ein Bio-Bier aus Düsseldorf.© FUNKE Foto Services | Lars Heidrich

Das nächste Ziel ist eine eigene Gastronomie; ein notwendiger Schritt als Altbiermarke, weiß Boniteau. „Irgendwann verpufft der Effekt, dass man neu und jung ist. Jede Hausbrauerei hat ihren eigenen Ausschank. Da gehen die Leute hin und damit verbinden sie die Marke.“ Noch dieses Jahr wollen sie einen Laden im Zentrum eröffnen.

Damit könne man Altbier auch wieder unter jungen Menschen etablieren. „Die Tradition soll auch durch uns wieder wachsen“, sagt Boniteau. Darum sei „Altus“ ein milderes Bier. „Oft heißt es, Alt sei bitter und herb. Viele jüngere Leute mögen das nicht.“ Ihre Zielgruppe haben die beiden fest im Blick.

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Recycling: So kann Kohlendioxid wiederverwendet werden

In einer anderen Branche ist das Start-up „Co-Reactive“ unterwegs. Orlando Kleineberg und Andreas Bremen, beide 33, produzieren einen nachhaltigen Zementersatz aus Kohlendioxid (CO₂) und Materialien, die Kalkstein ähneln. Dabei wird das klimaschädliche Gas in einem Feststoff gebunden und somit recycelt. Zwar befinde man sich noch in der Entwicklung und mache kaum Umsatz, aber Kleineberg ist sicher: „Wenn ein Start-up überlebt, ist es schon eine Erfolgsgeschichte. Wenn es nicht erfolgreich wäre, würde es nicht mehr existieren.“

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Es gebe Kooperationen mit einigen Zementwerken, für die das Recycling von CO₂ wichtig sei. „Diese Industrie hat einen unvermeidbaren CO₂-Ausstoß“, sagt Kleineberg. „Wir stellen daraus einen neuen Baustoff her.“

Orlando Kleineberg ist Mitgründer des Start-ups „Co-Reactive".
Orlando Kleineberg ist Mitgründer des Start-ups „Co-Reactive".© Co-Reactive | Co-Reactive

Was als Forschungsprojekt für Andreas Bremen im Rahmen seiner Promotion an der RWTH Aachen begann, ist nun ein kleines Unternehmen in Düsseldorf, das bereits eigene Anlagen für die Produktion baut. Die Erfahrung bei der Entwicklung solcher Anlagen hat Kleineberg in einem anderen Start-up gesammelt.

Während in der Forschung nur wenige Gramm des Zementersatzes hergestellt wurden, müssen es für kommerziellen Erfolg 10.000 produzierte Tonnen im Jahr sein. Ein langer Weg, der 2027 abgeschlossen sein soll. Aktuell stelle man rund 10 Kilo pro Tag her. Vorerst werde die Entwicklung, die Kleineberg „eher als Marathon, denn als Sprint“ sieht, weiter mit Fördermitteln und Investitionen finanziert.

CO2 als Zementersatz

Das Start-up „Co-Reactive“ stellt einen Zementersatz her. In einem chemischen Prozess wird CO₂ in flüssigem oder gasförmigem Zustand mit einem Magnesium- oder Calciumsilicat verbunden, das optisch an Kalkstein erinnert. Das Resultat ist ein Feststoff, in dem das klimaschädliche Gas gebunden ist und der für die Zementherstellung genutzt werden kann. Austreten könne das CO₂ nur, wenn es auf 800 bis 900 Grad erhitzt wird, versichern die Gründer. In einer natürlichen Umgebung ist es langfristig stabil gebunden. Statt den Silicaten könne auch Schlacke aus Stahlwerken als Ausgangsmaterial genutzt und somit wiederverwendet werden.

Gründer in NRW: Lernen und immer auf Erfolg setzen

„Die größte Herausforderung war, das Henne-Ei-Problem zu lösen“, so Kleineberg. Der chemische Prozess habe funktioniert und der Bedarf sei groß. „Aber wir hatten nur ein Forschungsprojekt, keine Prototypen. Investoren wollen den aber sehen.“ Diese Lücke konnte man durch Förderungen schließen.

Auch die „Co-Reactive“-Gründer haben das Risiko des Scheiterns im Hinterkopf, „aber wir sehen keinen Grund, warum wir scheitern sollten“, sagt Kleineberg. „Wir haben unsere Ziele erreicht, teilweise übererfüllt.“ Ebenso wie der positive Zuspruch, den sie von Freunden und Familien bekommen. „Als Start-up muss man auf Erfolg setzen. Das Wichtigste ist, zu machen und nicht zu viel nachdenken.“

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