Eine kurze Fahrt mit der Straßenbahn von der Düsseldorfer Innenstadt nach Neuss, mit dem Bus von Lohausen nach Meerbusch oder mit der U-Bahn von Wittlaer in den Duisburger Süden: Mit dem Ende des sogenannten „Zwei-Waben-Tarifs“ sind die Trips nun teils doppelt so teuer wie bisher. Kostet ein Einzelticket derzeit 3,60 Euro, sind seit Montag (1. Juni) mindestens 7,70 Euro fällig. Der Hintergrund: Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) reformiert seit Anfang des Jahres sein Tarifsystem.

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Der Fahrgastverband Pro Bahn hatte die Reform in den Vormonaten scharf kritisiert . „Ein solcher Preis ist für die meisten betroffenen Fahrten völlig unangemessen und schreckt neue Kunden ab“, so Lothar Ebbers, Pressesprecher von Pro Bahn NRW. Der Fahrgastverband hat ermittelt, welche Auswirkungen dieser Plan für einzelne Städte hat. Ergebnis für Düsseldorf: Die NRW-Landeshauptstadt wäre davon deutlich betroffen.

Zum Hintergrund: Seit der VRR-Gründung im Jahr 1980 werden kurze Fahrten, die über die Grenzen benachbarter Städte führen, genauso bepreist wie Fahrten innerhalb einer Stadt. In Düsseldorf gilt Preisstufe A. Mit diesem Ticket können Fahrgäste von Haltestellen nahe einer Stadtgrenze bislang zum Beispiel auch über Düsseldorf hinaus nach Meerbusch, Mettmann oder Ratingen (und umgekehrt) fahren – obwohl die Stadt in einer anderen Wabe des VRR liegt. Eine Voraussetzung: Es gibt eine direkte Verkehrsanbindung.

Lothar Ebbers, Pressesprecher von Pro Bahn NRW, kritisiert die Tarifreform des VRR scharf. Der Wegfall des „Zwei-Waben-Tarifs“ hätte starke Auswirkungen auf den Düsseldorfer ÖPNV (Archivbild).
Lothar Ebbers, Pressesprecher von Pro Bahn NRW, kritisiert die Tarifreform des VRR scharf. Der Wegfall des „Zwei-Waben-Tarifs“ hätte starke Auswirkungen auf den Düsseldorfer ÖPNV (Archivbild).© Funke Foto Services GmbH | Lars Fröhlich

In Düsseldorf ist die U72 so ein Fall: Die U-Bahn fährt direkt von Düsseldorf nach Ratingen, fährt dabei also über eine Stadtgrenze in eine andere Wabe. Mit dem Wegfall des „Zwei-Waben-Tarifs“ soll sich die Tarifstruktur ändern und Preisstufe B fällig werden. Gleiches gilt für die U76 zwischen Düsseldorf und Meerbusch oder die 709 zwischen Düsseldorf unf Neuss.

Wer künftig also ein Einzelticket kaufen will, muss die Preisstufe B für „Fahrt in die Nachbarstadt“ lösen – derzeit für 7,80 Euro. 

Diese Strecken sind vom Ende des „Zwei-Waben-Tarifs“ betroffen:

  • von Düsseldorf Mitte nach Neuss-Rheinpark-Center, -Grimmlinghausen, -Uedesheim und Erkrath
  • von Düsseldorf Nord (Rath, Unterrath, Lohausen) nach Ratingen Mitte und Meerbusch-Lank, -Nierst, -Bösinghoven über Flughafenbrücke
  • von Wittlaer, Angermund, Kaiserswerth nach Duisburg Süd
  • von Düsseldorf Ost (Ludenberg, Knittkuhl, Hubbelrath) nach Mettmann, Erkrath, Ratingen-Homberg, -Meiersberg
  • von Düsseldorf West (Oberkassel, Niederkassel, Heerdt, Lörick) nach Meerbusch-Büderich und Neuss Mitte
  • von Düsseldorf Süd (Wersten, Holthausen, Unterbach, Hassels, Benrath, Garath) nach Erkrath, Hilden, Langenfeld, Monheim, Neuss-Grimmlinghausen, -Uedesheim

Zukünftig gilt die Preisstufe A je nach Linie in der Regel nur bis zur letzten Haltestelle auf Düsseldorfer Stadtgebiet oder bis zur ersten Haltestelle in der Nachbarstadt. „Selbst kürzeste Fahrten über die Stadtgrenze sind von der drastischen Preiserhöhung betroffen“, kritisiert Ebbers. Pro Bahn befürchtet, dass diese Maßnahme zu Fahrgastverlusten auf den stadtgrenzenüberschreitenden Linien führt. Hier könnten gar Fahrplaneinschränkungen oder gar Linienstreichungen drohen.

Für Gelegenheitsfahrer, die in der Regel ein Einzelticket lösen, empfiehlt der VRR als Alternative den elektronischen „Eezy“-Tarif, bei dem der Preis nach Luftlinienentfernung berechnet wird. Stadtgrenzen spielen dabei keine Rolle. Aber, und das kritisiert Pro Bahn, nicht allen Kundinnen und Kunden steht „Eezy“ zur Verfügung. So dürften Jugendliche unter 18 Jahren den Tarif nicht nutzen, zahlreiche Menschen mit körperlichen Einschränkungen könnten es nicht, und Menschen ohne Smartphone seien auch außen vor.

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Lothar Ebbers nennt weitere Kritikpunkte: „Wenn an der Einstiegshaltestelle kein Mobilfunkempfang möglich ist, muss der Fahrgast auf den herkömmlichen Bartarif ausweichen, und wenn der Akku schlapp macht, wird der Kunde zum Schwarzfahrer, da das Smartphone während der gesamten Fahrt im Ortungsmodus betrieben werden muss.“

Pro Bahn fordert daher einen „Eezy“-Tarif ohne Smartphone-Pflicht. Zum Beispiel mit einer aufladbaren Guthabenkarte oder einer Bankcard, wie es in den benachbarten Niederlanden oder anderen Ländern schon möglich ist.