Stephan Keller legte sich schon relativ früh fest. Als erst rund drei Viertel der Stimmen zur OB-Stichwahl ausgezählt waren, verließ der CDU-Amtsinhaber am Sonntag (28. September) sein Büro und ging in den Versammlungsraum in der ersten Etage des Rathauses. Dort wartete seine Gefolgschaft. „Düsseldorf hat sich für uns entschieden, und wir werden jetzt liefern“, sagte Keller und teilte gegen seine Kontrahentin ordentlich aus - angelehnt an Clara Gerlachs Slogan „Ja, Clara!“ Keller sagte unter Jubel der CDU: „Düsseldorf hat gesagt: Nein, Clara!“ Die grüne OB-Kandidatin zeigte sich darüber wenig amüsiert. Beim Handshake mit Keller brachte sie nur ein säuerliches Grinsen zustande.

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Als gegen 20.25 Uhr alle Stimmbezirke ausgezählt worden waren, lag Keller bei 60,45 Prozent, Gerlach 39,55 Prozent. Aber auch die Grünen feierten später ausgiebig im Rathaus. Wahlkampfmanager Martin Münter meinte zur NRZ: „Wir haben nicht verloren, wir haben in de letzten Wochen alles gegeben. Und die Tatsache, dass wir bei rund 40 Prozent der Stimmen gelandet sind, ist ein Riesenerfolg.“

Stephan Keller vor der CDU-Versammlung: „Düsseldorf hat sich für uns entschieden, und wir werden jetzt liefern.“
Stephan Keller vor der CDU-Versammlung: „Düsseldorf hat sich für uns entschieden, und wir werden jetzt liefern.“© NRZ | Stephan Wappner

Düsseldorf wird also in den nächsten fünf Jahren weiter von einem CDU-Oberbürgermeister regiert. Die Menschen haben sich für ein „Weiter so“ entschieden. Für eine Person, die Großprojekte voranschieben will. Aber die rund 40 Prozent für die grüne Kandidatin, die in ihrem Wahlkampf die Nachbarschaft in den Düsseldorfer Vierteln ins Zentrum rückte, können sich für die Grünen durchaus sehen lassen.

Grünen-Politikerin Gerlach sprach später am Mikrofon zu ihren Parteimitgliedern. Mit guter Laune. Denn immerhin sei es „ein historisches Ergebnis“, dass die Grünen es bei der Kommunalwahl erstmals in die Stichwahl geschafft haben. Mit ihrer Partei würde sie jedenfalls „jederzeit und immer wieder“ solch einen Wahlkampf machen. Dafür erntet Clara Gerlach tosenden Applaus und laute „Clara“-Rufe.

Düsseldorf hat gesagt: Nein, Clara!

Stephan Keller, alter und neuer OB

Keller zeigte sich am Ende seiner Rede indes zu Tränen gerührt. Seine Gefolgschaft wechselte später zur Party in die Bar „Ufer 8“ neben dem Rathaus-Innenhof, wo lustigerweise vor zwei Wochen noch die Grünen gefeiert hatten. CDU-Bürgermeister Josef Hinkel lobte am Abend den Wahlkampf seines OBs, kam aber auch nicht umhin, das Vorgehen der Kontrahentin in den zwei Wochen zwischen Kommunal- und Stichwahl zu kritisieren. „Das war schon zum Teil nicht mehr fair, sehr aggressiv“, so Hinkel. Sauer stieß ihm vor allem auf, dass die Grünen ein Video in ihren digitalen Medien veröffentlicht hatten, in dem Kellers Stuhl auf einem inszenierten Podium leer bleibt.

Clara Gerlach im Interview mit dem WDR: „Ein historisches Ergebnis.“
Clara Gerlach im Interview mit dem WDR: „Ein historisches Ergebnis.“© NRZ | Stephan Wappner

Und auch Stephan Keller findet offenbar, dass die Grünen in den vergangenen zwei Wochen über das Ziel hinaus geschossen haben. „Das war oft polemisch.“ Auf eine weitere Zusammenarbeit mit den Grünen als Stadtkooperation angesprochen, sagte der alte und neue Rathauschef: „Das kann ich mir aktuell schwer vorstellen.“

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Die Grünen indes sind am Sonntagabend nicht überglücklich, aber auch nicht enttäuscht. „Wir haben einen tollen Wahlkampf gemacht, wir haben so viel abgerissen“, sagte Clara Gerlach. „Wir haben viele Menschen mobilisiert und gezeigt, dass wir als Grüne in der Stadtpolitik verankert sind.“

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Enttäuschend erneut eher die Wahlbeteiligung in Düsseldorf bei einer Stichwahl: Am Ende gaben am Sonntag noch einmal 42,77 Prozent der Düsseldorferinnen und Düsseldorfer ihre Stimme ab. In den Stichwahlen zuvor lag sie bei 45 und 42 Prozent.