Der österreichische Rechtsextremist Martin Sellner hat in einer Düsseldorfer Oldiebahn der Rheinbahn einen Vortrag über „Remigration“ gehalten. Das Verkehrsunternehmen wusste nichts davon und spricht von einem „Missbrauch“ – denn gebucht war die Fahrt unter falschen Angaben, die Rechnungsdaten wurden sogar nachträglich verändert. Die Rheinbahn selbst hat am Donnerstag (9. April) in einer Pressemitteilung über den Vorfall informiert.

Freitags

Vitamin D - Dein Newsletter für Düsseldorf

Jede Woche Deine Dosis Düsseldorf: Spannende Geschichten, besondere Menschen und ausgesuchte Gastro-Tipps.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Sellner, der frühere Kopf der sogenannten „Identitären Bewegung“, hat am Mittwochabend auf der Social-Media-Plattform X (vormals Twitter) ein gut einminütiges Video veröffentlicht, das ihn sichtlich stolz in der Straßenbahn zeigt. Der Ort passe perfekt, so der Rechtsextremist. Denn eine Immobilie in Düsseldorf habe er für seinen Vortrag nicht bekommen. „Daher haben wir uns für die mobile Variante entschieden“, sagt er.

  • Ein bisschen Vitamin D gefällig? Mit unserem neuen Newsletter gibt es jeden Freitag eine ganz persönliche Auswahl der besten Geschichten der Woche – zusammengestellt von einem Mitglied unserer Redaktion. Neben den wichtigsten News gibt es außerdem Gastro- und Veranstaltungstipps sowie das Neueste von der Fortuna. Hier geht es zur kostenlosen Anmeldung.

Die Rheinbahn bestätigt, dass der Vortrag in einer Oldiebahn des Unternehmens stattgefunden hat. Erkenntnisse über eine entsprechende Absicht sowie eine politische Nutzung hätten im Vorfeld nicht vorgelegen. Die Buchung der Charterfahrt sei über eine Privatperson als „private Veranstaltung im Freundeskreis“ erfolgt, teilt die Rheinbahn mit. Zudem wurden Angaben im Nachgang der Fahrt verändert. Entgegen dem im Video vermittelten Eindruck fand die Sonderfahrt auch nicht am Mittwochabend, sondern bereits vor Ostern statt.

Rheinbahn-Chefin über Vorfall „schockiert“

„Ich war schockiert, als ich das Video dieser Fahrt mit unserer Oldiebahn gesehen habe. Die Rheinbahn ist gezielt instrumentalisiert worden: Die regulär gebuchte Sonderfahrt wurde für eine populistische Inszenierung missbraucht. Die tatsächliche Nutzung wurde verschleiert“, erklärt Rheinbahn-Chefin Annette Grabbe.

Mit solch einer Oldiebahn ist Martin Sellner durch Düsseldorf gefahren (Archivbild).
Mit solch einer Oldiebahn ist Martin Sellner durch Düsseldorf gefahren (Archivbild).© Uwe Schaffmeister / WAZ Fotopool | Uwe Schaffmeister

Als öffentliches Unternehmen stehe die Rheinbahn für eine offene, vielfältige und demokratische Stadtgesellschaft. „Unsere Fahrzeuge sind Teil des öffentlichen Raums – und kein Ort für politische Kampagnen, Ausgrenzung oder ideologische Inszenierungen“, stellt Grabbe klar.

Martin Sellner spricht in seinem Video von einem „kleinen Sieg für die Kreativität“ und der „Ausgefuchstheit“ gegen die „hohe Gewalt der Zensur“.

Lesen Sie auch diese Nachrichten aus Düsseldorf

Die Rheinbahn will Konsequenzen aus dem Vorfall ziehen und rechtliche Schritte gegen Martin Sellner prüfen. Außerdem sollen Prozesse und Fahrtkontrollen für Sonderfahrten angepasst werden, damit ein solcher Missbrauch künftig ausgeschlossen werden könne.

Martin Sellner sollte 2025 schon für eine Podiumsdiskussion nach Düsseldorf kommen

Martin Sellner trat als einer der Redner beim vom Medienhaus „Correctiv“ öffentlich gemachten Treffen von Rechtsradikalen und Konservativen in einer Potsdamer Villa auf. Dort hatte er nach eigenen Angaben über sogenannte Remigration gesprochen. Die Ausländerbehörde in Potsdam hatte danach ein bundesweites Einreiseverbot gegen Sellner verhängt. Der Österreicher hatte dagegen jedoch erfolgreich geklagt und darf nun wieder einreisen.

Auch in der NRW-Landeshauptstadt sollte der Rechtsextremist im vergangenen Sommer zu einer Veranstaltung des Kreisverbands der AfD Düsseldorf eingeladen werden. Das stieß allerdings auf Widerstand auf höherer Ebene der Partei. Die Pläne für eine Podiumsdiskussion wurden daraufhin verworfen. Sellner gilt als früherer Kopf der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ (IB) im deutschsprachigen Raum. Die Organisation steht auf einer Unvereinbarkeitsliste der AfD.