In seinem neuen Buch über und für die SPD verlangt der Düsseldorfer Sozialdemokrat Frajo Göbel, früherer städtischer Sozialdezernent, eine Konzentration auf Wirtschaftspolitik: „Die Zukunft der Sozialdemokratie entscheidet sich in der Arbeitswelt!“ Scharf analysiert er „den existenziellen Niedergang“. Er will die Partei zu ihren früheren Stärken führen, und zwar ab sofort und in der demokratischen Mitte. Denn dort müsse die Bundestagswahl 2029 gewonnen werden.

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2029 nennt Göbel deshalb „das Schicksalsjahr“, auch weil er die Wirkung der rechtsextremen AfD für unterschätzt hält und prophezeit, dass bei der CDU „die Brandmauer eingerissen wird“. Also: „Auf geht‘s Sozialdemokraten“ — so der programmatische Titel des gerade erschienenen 137 Seiten schmalen Buches. Eine Zehn-Punkte-Agenda und eine Kampagnen-Idee finden sich im letzten Teil.

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Das ist anders als bei seinem ersten Buch. Das schrieb Göbel vor der Kanzlerschaft von Olaf Scholz, von der sich mancher die positive Trendwende für die damalige Fortschritts-Koalition und somit für die SPD erhoffte. Es kam anders. Wenn es so weitergeht, landet die 13-Prozent-Partei bei der nächsten Bundestagswahl auf Platz 4 im Parteienranking. „Die SPD steht vor der größten Bewährung ihrer Geschichte.“

SPD-Urgestein Frajo Göbel bei der Vorstellung seines neuen Buchs.
SPD-Urgestein Frajo Göbel bei der Vorstellung seines neuen Buchs.© NRZ | Pohl

Zu viel Gendern ist Buchautor Frajo Göbel ein Dorn im Auge

Göbel will das mit einem deutlichen Fokus auf Wirtschaft und Arbeit verhindern. Er beruft sich dabei auf Matthias Machnig und andere Parteigranden, damit sind Richtung und Widerstände klar. Zu viel Gendern ist ihm ein Dorn im Auge. Wie schon immer, appelliert er an seine Partei, „nah bei de Leut“ zu sein. Da sei viel verloren gegangen, bundesweit und auch in Düsseldorf — die einstige Vorzeigepartei ist bei den Bürgern „wenig sichtbar“.

Es wäre kein sozialdemokratisches Buch, wenn es sich nicht auch mit der überholten Parteistruktur befasste. Ortsvereine und Unterbezirke seien in Verwaltung erstarrt. Sie müssten für neue Erfolge politischer und kleinteiliger arbeiten; so will er ein „Modell Quartiersarbeit“ schaffen, „rein in die Vereine und in die Stadtteile“. Es gibt ein Vorbild in Düsseldorf: den Ortsverein Eller-Lierenfeld, dort das einzig verbliebene Direktmandat der SPD im Stadtrat. Das habe Gründe, wie jeder in Düsseldorf wisse.

Rein in die Vereine und in die Stadtteile!

Frajo Göbel

Neben dem typisch Sozialen betont Göbel: Sicherheit, handlungsfähiger Rechtsstaat, Migrationspolitik mit klaren Regeln. Er sieht dies als aktivierend an: „Ich mahne!“ Er ahnt natürlich, dass manche, die auf einem politisch anderen Trip sind, ihn, den erfahrenen alten Mann, für einen falschen Propheten halten oder das Geschriebene für die alte Leier. Aber das nimmt er in Kauf. Er sieht ja vor allem, dass die anderen nichts Besseres erreicht haben. Bedenkenswert!

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