Eine solche Aktion hat es in Düsseldorf noch nicht gegeben: Am 6. Juni 2026 wird Andre Röder zu einem ganz besonderen Lauf aufbrechen. Der 52-Jährige will an der Stadtgrenze entlang einmal rund um Düsseldorf joggen – das sind 120 Kilometer, für die er so etwa 28 bis 30 Stunden brauchen wird. Morgens um 11 Uhr will er am Rheintum starten. „Dort komme ich dann am nächsten Tag auch hoffentlich wieder an.“ Einen ganzen Tag und die Nacht durchlaufen, warum macht man so was? Andre Röder lacht. Einerseits ist er der Typ, der körperlich gerne an seine Grenzen geht. Aber das ist noch nicht alles. In diesem Fall kombiniert er seine Leidenschaft für sportliche Herausforderungen mit einer Herzensangelegenheit: Er möchte mit diesem Projekt darauf aufmerksam machen, wie Ehrenamt, Engagement und ein besseres Miteinander das Zusammenleben in Düsseldorf besser machen können.
- Ein bisschen Vitamin D gefällig? Mit unserem neuen Newsletter gibt es jeden Freitag eine ganz persönliche Auswahl der besten Geschichten der Woche – zusammengestellt von einem Mitglied unserer Redaktion. Neben den wichtigsten News gibt es außerdem Gastro- und Veranstaltungstipps sowie das Neueste von der Fortuna. Hier geht es zur kostenlosen Anmeldung.
Was beim ersten Hören ein wenig abstrakt klingt, wird auf seiner Homepage rund-um-duesseldorf.de greifbar. Hier hat Andre Röder die Rubrik „Düsseldorfer Helfer“ angelegt, in der er Vereine und Organisationen aus seiner Stadt vorstellt, die durch besonderes Engagement auffallen. Dazu gehören etwa die „Straßenfreunde“, ein Verein, der obdachlose Menschen unterstützt. Oder die Umweltorganisation „Blockblocks Cleanup“, die regelmäßig Müllsammelaktionen an Düsseldorfs Gewässern organisiert, der Kinderschutzbund und die Nachbarschaftsinitiative „Hermann blüht auf“ aus Flingern.

Mit dem Lauf rund um Düsseldorf will Andre Röder im übertragenen Sinne genauso an seine Grenzen gehen, wie viele Menschen, die sich für ein Ehrenamt engagieren. Auf sie will er den Fokus lenken. „Ich habe zwei Kinder, die ich in eine freundliche, respektvolle und vor allem friedliche Welt hinauslassen möchte.“ Immer wieder höre er Sätze wie: „Ach ja, ein Ehrenamt. Das würde ich auch mal gerne machen, wenn ich Zeit hätte.“ Aber nur die wenigsten würden das dann auch wirklich umsetzen. „Es reicht doch schon, wenn man ein- oder zweimal im Monat etwas für andere tut.“
Düsseldorfer XXL-Lauf von Andre Röder am 6. Juni
Er selbst engagiert sich zum Beispiel für die Initiative „Hallo Nachbar“ und begleitet eine Seniorin bei Alltagsdingen wie dem Weg zur Bank oder zum Friedhof. Neulich ist er mit den „Straßenfreunden“ und ihrem Bollerwagen mit Lebensmitteln losgezogen. Zu erleben, wie sich Wohnungslose über eine solche mitmenschliche Geste und selbst gemachten Nudelsalat freuen, das erdet ihn. Und es treibt ihn an, mit seinem Düsseldorfer XXL-Lauf für das Ehrenamt zu trommeln und andere Menschen darauf aufmerksam zu machen.
Für weniger Ellbogen und mehr Miteinander
Weniger Ellbogen, mehr Miteinander – mit diesen Werten im Kopf wird Andre Röder am 6. Juni die Laufschuhe schnüren. Und darauf hoffen, dass er bei seiner Aktion unterstützt wird. Denn die Idee ist, möglichst ohne Verpflegung loszulaufen. Als Sinnbild dafür, wozu man in der Lage ist, wenn man sich gegenseitig unterstützt. Ob das klappt, wird sich zeigen. Denn für einen 120-Kilometer-Lauf bedeutet das, dass sich Menschen finden, die ihn nicht nur anfeuern, sondern ungefähr alle zehn Kilometer für Verpflegungsstationen sorgen. Auch in der Nacht. Informationen dazu gibt es auf der Internetseite unter „Mitmachen“.
Der Lauf rund um Düsseldorf
Alle Informationen zum Projekt „Rund um Düsseldorf“ gibt es im Internet unter www.rund-um-duesseldorf.de. Hier können sich noch weitere Vereine und Organisationen melden, die sich für Düsseldorf engagieren. In der Rubrik „Düsseldorfer Helfer“ präsentiert Andre Röder sie in Kurzporträts. Denn mit seinem Mammut-Lauf will er für mehr Sichtbarkeit des Ehrenamtes sorgen und die Frage beantworten, wie man in Düsseldorf ganz einfach helfen kann. Auf Instagram ist das Projekt unter rundumduesseldorf zu finden.
Auf der Homepage wird am Tag des Laufs auch live zu sehen sein, wo sich Andre Röder auf seiner Mammut-Tour befindet. Er hat einen Tracker dabei, sodass seine Bewegung online auf einer Karte sichtbar gemacht werden kann. „Wenn ich mich eine Stunde nicht bewege, müsste mal jemand nach mir schauen“, scherzt der Düsseldorfer, der beruflich als Softwareingenieur arbeitet. Andre Röder wohnt übrigens in Rath fast direkt an der Stadtgrenze. Das ist praktisch für sein Projekt: Nach etwa 70 Kilometern wird er am Abend dort ankommen und zu Hause eine Pause machen. So zumindest der Plan. „Da kann ich mich dann schnell umziehen.“ Aber, ganz wichtig: Bloß nicht auf die Couch setzen. „Dann kommt man nicht mehr hoch.“

Es ist nicht das erste Mal, dass der Hobbyläufer eine solche Herausforderung auf den Trainingsplan setzt. Er hat 2020 schon mal einen 24-Stunden-Lauf gemacht und sich 2023 die Strecke von Nimwegen nach Düsseldorf vorgeknöpft. Deshalb ist Andre Röder optimistisch, dass er auch diesmal wieder sein Ziel erreicht – mit einer Mischung aus Laufen, Traben, Gehen und Pausen.
Lesen Sie auch diese Nachrichten aus Düsseldorf
- Fortuna Düsseldorf im Niederrheinpokal gegen MSV Duisburg: Termin steht fest
- Neue Ausstellung „Asia Pop“ im NRW-Forum: Zwischen Pop, Asien-Liebe und Konsum
- Halloween 2026 in Düsseldorf: Die neun besten Events und Partys im Überblick
- Nach neuem DEL2-Startrekord – was die Düsseldorfer EG aktuell so stark macht
- Lesen Sie hier auch alle aktuellen Nachrichten aus Düsseldorf
Die Generalprobe war der Düsseldorf Marathon am 26. April 2026. Vier Stunden und 39 Minuten hat er für die knapp 42 Kilometer gebraucht. Eine Strecke, die ihm ordentlich in die Beine gegangen ist. „Danach bin ich erst mal eine Weile wie Pinocchio gelaufen.“ Übernächste Woche wartet mit der dreifachen Distanz eine ganz andere Hausnummer auf ihn – und auf seine Schuhe. „Das wird ihre Abschiedstour“, sagt er mit Blick auf die Sohlen, die schon einiges auf dem Buckel haben. Er hofft, dass sie durchhalten: die Schuhe und seine Beine.



