Wenn Prominente auf Mallorca Filme drehen, kann es peinlich werden, wie die ZDF-Dokumentation von Horst Lichter gezeigt hat. Und wenn Promis Bücher über die Insel schreiben, klingt das oft nach Hochglanzbroschüre: Etwas Sonne, ein paar Zitronenbäume und möglichst viel romantischer Sonnenuntergang.
Das neue Buch von Schauspielerin Christine Neubauer überrascht dagegen positiv. „Bon dia, Mallorca“ (Polyglott, 22 Euro) ist kein klassischer Reiseführer, dafür eine Liebeserklärung an die Insel. Und genau das macht das Buch interessant.
Hola Mallorca – Post aus Mallorca
Der ehemalige NRZ-Redakteur Götz Middeldorf aus Düsseldorf lebt seit Ende August 2022 in Pollença auf Mallorca. Er schreibt seine Kolumne regelmäßig auf nrz.de/duesseldorf.
Seit 15 Jahren lebt die Schauspielerin in der Altstadt von Palma und beschreibt die Insel aus der Perspektive einer Residentin – nicht aus der Sicht einer Urlauberin mit zwei Wochen All-inclusive-Erfahrung. Es geht ihr nicht um bekannte Instagram-Spots oder die nächste Luxusadresse in Palma, sondern um Begegnungen, Stimmungen und kleine Geschichten des Alltags.
Die Schauspielerin schreibt über versteckte Buchten, das ruhige Inselinnere und verwinkelte Gassen, in denen mallorquinisches Leben noch zu spüren ist. Ihr Blick richtet sich dabei immer wieder auf die Menschen. Eine Flamenco-Tänzerin, ein Straßenmusiker oder Marktverkäufer werden fast wichtiger als Sehenswürdigkeiten. Das Buch erzählt Mallorca nicht als Kulisse, sondern als Lebensgefühl.

Natürlich liefert sie auch konkrete Tipps. Wochenmärkte, kleine Boutiquen, Cafés und Orte fernab touristischer Hotspots. Bekannte Namen wie Sóller, Valldemossa, Port d’Andratx oder Portixol tauchen aber ebenso auf wie Hinweise auf versteckte Plätze im Tramuntana-Gebirge. Besonders sympathisch ist, dass Neubauer das ruhige und authentische Mallorca sucht, fernab vom Klischee. Vor wenigen Tagen sagte sie in einem Interview: „Der Ballermann ist nicht mein Mallorca.“
Vielleicht liegt darin der Erfolg des Buches. Viele Deutsche, die wie ich auf Mallorca leben, kennen dieses Gefühl: Die Insel wird erst dort wirklich spannend, wo die Reisebusse verschwinden. Zwischen Dorfplätzen, kleinen Bars und Märkten entsteht jenes Mallorca, das man nicht fotografieren kann, sondern erleben muss.
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„Bon dia, Mallorca“ ist deshalb kein Buch für Partytouristen oder Strandlieger. Es richtet sich an Menschen, die Mallorca verstehen möchten – oder neugierig genug sind, die Insel mit anderen Augen zu sehen. Man muss nicht jede Schwärmerei teilen. Aber man merkt: Hier schreibt jemand, der Mallorca tatsächlich liebt.
Hasta pronto...


