Nach den jüngsten Rheinbahn-Unfällen verschärft die Rheinbahn ihre Sicherheitsvorkehrungen. Vor allem die Weichensteuerung wird angepasst. „Die Sicherheit unserer Fahrgäste und Mitarbeitenden hat höchste Priorität. Die aktuellen Ereignisse nehmen wir sehr ernst“, sagt Rheinbahn-Vorständin Annette Grabbe. „Wir beschränken uns nicht darauf, einzelne Vorfälle aufzuarbeiten. Wer aus Unfällen lernen will, muss das gesamte Sicherheitssystem hinterfragen. Nicht nur Menschen machen Fehler – entscheidend ist, ob Technik und Organisation solche Fehler auffangen können.“

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Deshalb komme nun alles auf den Prüfstand – von Technik und Infrastruktur über Betrieb und Ausbildung bis hin zu Organisation und Sicherheitskultur, teilt das Verkehrsunternehmen mit. Einige Maßnahmen greifen ab sofort.
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So verhängt die Rheinbahn unter anderem ein Begegnungsverbot: Ab jetzt dürfen sich Straßen- und Stadtbahnen an bestimmten Weichen, die über das Gegengleis führen, nicht mehr begegnen. Die neue Regelung gilt stadtweit mit sofortiger Wirkung.
Konkret bedeutet das: Nähert sich eine Bahn einer solchen Weiche, muss sie vor dem Weichenbereich warten, wenn ihr ein anderes Fahrzeug entgegenkommt. Erst wenn der Kreuzungsbereich vollständig frei ist, darf die Bahn weiterfahren. Die Kreuzung an der Berliner Allee in Stadtmitte ist beispielsweise so ein Fall. Von der Regelung ausgenommen seien lediglich wenige Bereiche, in denen Weichen und Signale bereits technisch miteinander gekoppelt sind und dadurch zusätzliche Sicherungen bestehen, teilt die Rheinbahn mit.
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Ziel sei es, kurzfristig zusätzliche Sicherheitsreserven zu schaffen und das Risiko sogenannter „Flankenfahrten“ weiter zu reduzieren. Tomasz Karbowski, Bereichsleiter Fahrzeuge und derzeit bestellter Betriebsleiter in Vertretung, erklärt: „Mit dem Begegnungsverbot schaffen wir kurzfristig eine zusätzliche Sicherheitsebene an besonders sensiblen Stellen im Netz. Gleichzeitig überprüfen wir derzeit alle technischen und betrieblichen Sicherheitsmechanismen, um daraus weitere Verbesserungen abzuleiten.“
Die Maßnahme ergänzt die bereits eingeleiteten Sicherheitsmaßnahmen der Rheinbahn. Dazu gehören unter anderem zusätzliche Kontrollen, angepasste Betriebsabläufe sowie die laufende Überprüfung technischer und organisatorischer Sicherheitsmechanismen. Zudem sollen Fahranwärterinnen und Fahranwärter im ersten Einsatzjahr verstärkt begleitet werden. „Das neue Begegnungsverbot unterstützt unsere Fahrerinnen und Fahrer in bestimmten Situationen zusätzlich. Durch dieses Vorgehen reduziert sich die Komplexität von Entscheidungen in Kreuzungsbereichen“, so Christian Finke, Bereichsleiter Betrieb.
Eine dauerhafte Lösung soll das Begegnungsverbot allerdings nicht sein. Die Regelung erhöhe zwar die Sicherheit, könne jedoch in einzelnen Situationen Auswirkungen auf Betriebsabläufe und die Pünktlichkeit der Bahnen haben. „In der aktuellen Situation gilt ein klarer Grundsatz: Sicherheit geht vor Geschwindigkeit. Wenn zusätzliche Sicherheitsbarrieren notwendig sind, werden wir sie umsetzen. Gleichzeitig arbeiten wir daran, die Auswirkungen für unsere Fahrgäste so gering wie möglich zu halten“, betont Vorständin Grabbe. Langfristig soll die Weichen- und Fahrsignaltechnik optimiert und stärker miteinander verknüpft werden.
Rheinbahn beauftragt externe Untersuchungen
Bereits im vergangenen Jahr hat das Unternehmen die „Sicherheitsstrategie 2030“ eingeführt, um die Sicherheit systematisch weiterzuentwickeln. Die aktuellen Ereignisse führten nun dazu, dass die Rheinbahn bereits laufende Maßnahmen beschleunige und erweitere. „Wir werden nichts beschönigen. Wir wollen verstehen, warum vorhandene Sicherheitsbarrieren in einzelnen Situationen nicht ausreichend gewirkt haben und welche zusätzlichen Schutzmechanismen erforderlich sind“, so Annette Grabbe.
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Zusätzlich beauftragt die Rheinbahn in den kommenden Wochen drei unabhängige externe Untersuchungen: Dabei sollen die Betriebs- und Sicherheitsorganisation einschließlich der Wirksamkeit bereits eingeleiteter Maßnahmen überprüft und die technischen Sicherungs- und Unterstützungssysteme insbesondere im Bereich Fahrwegsicherung, Weichensteuerung und Signaltechnik bewertet werden. Zudem wird eine sogenannte „Human-Factors“-Analyse mit Fokus auf betriebliche Belastungssituationen, Entscheidungsverhalten, Ausbildung, Fahrerassistenz und sicherheitsrelevante Mensch-Technik-Schnittstellen durchgeführt.
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Die Rheinbahn hat auch selbst eine „Taskforce Sicherheitssteuerung“ eingerichtet. Diese koordiniert die Priorisierung, Umsetzung und Wirksamkeitskontrolle sämtlicher Maßnahmen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Analyse aller Entgleisungs- und Unfallereignisse seit November 2025. Zu diesem Zeitpunkt hat es den ersten größeren Unfall gegeben – in Holthausen ist eine Bahn der Linie U72 entgleist, 13 Menschen wurden verletzt. Seitdem häuften sich die Unfälle mit Rheinbahn-Beteiligung: Immer wieder krachte es auf der Grafenberger Allee, im Januar kollidierten zwei Bahnen an der Haltestelle „Uhlandstraße“ und erst am Wochenende stieß eine Rheinbahn mit einem Auto in Stockum zusammen.
Den bisher schwersten Unfall hat es Ende Mai auf der Berliner Allee gegeben: Zwei Bahnen der Linie 709 sind frontal zusammengestoßen. 28 Menschen wurden dabei teils schwer verletzt.
Die Taskforce soll nun mögliche Muster, technische und betriebliche Zusammenhänge sowie systemische Ursachen zwischen den Unfällen identifizieren. Daraus sollen weitere Verbesserungen für Technik, Betrieb, Ausbildung und Prozesse abgeleitet werden.






