Raus aus der Stadt, ab ins Naherholungsgebiet: Wer in diesen Tagen Abkühlung von der Hitze der City sucht, der hat in Düsseldorf den Unterbacher See mit seinen rund 200 Hektar Natur und Wasser sozusagen vor der Haustür. Oder auch nicht? Ein Naherholungsgebiet zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass es gut zu erreichen ist. Für den Unterbacher See stimmt das allerdings nur bedingt, denn die Anbindung durch Bus und Bahn sorgt in Düsseldorf seit Jahren für Kritik.

Ärger über Parkgebühren: Der ÖPNV ist keine Alternative

Einer, der sich über die schlechte ÖPNV-Verbindung ärgert, ist der Düsseldorfer Tim Muke. Als die Erhöhung der Parkgebühren am Unterbacher See in den vergangenen Monaten für Wirbel sorgte, meldete er sich mit dem Hinweis bei uns, dass man als Bürger den Ärger über die Parkgebühren ja umgehen könnte, wenn es eine vernünftige Alternative mit öffentlichen Verkehrsmitteln gäbe. „Aber ich brauche von Bilk aus mindestens 45 Minuten und muss mehrfach umsteigen“, ärgert er sich. „Ich verstehe nicht, warum dieses beliebte Naherholungsgebiet so schlecht angebunden ist.“

Die Erhöhung der Parkgebühren am Unterbacher See von zwei auf vier Euro (für einen ganzen Tag) sorgte für Proteste. Der ÖPNV ist wegen der schlechten Anbindung aber für viele keine Alternative.
Die Erhöhung der Parkgebühren am Unterbacher See von zwei auf vier Euro (für einen ganzen Tag) sorgte für Proteste. Der ÖPNV ist wegen der schlechten Anbindung aber für viele keine Alternative. © Funke Medien NRW | jum

Ein Check in der Rheinbahn-App für einen sommerlichen Sonntagmittag am 28. Juni mit bestem Badewetter zeigt: Auch von Unterbilk aus benötigt man mindestens 47 Minuten – allerdings ist diese Verbindung, die aus U-Bahn, S-Bahn und Bus besteht, wenig komfortabel und unsicher, da man bei zwei Umstiegen riskiert, durch mögliche Verspätungen den Anschluss zu verpassen. Die Alternativen: 57 Minuten mit einem Umstieg (U-Bahn und Bus) oder eine Stunde und vier Minuten (zweimal Bus, ein Umstieg). Mit dem Auto spuckt der Routenplaner um dieselbe Uhrzeit eine Route von 17 Minuten aus.

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Unterbacher See in Düsseldorf: Bürger kritisieren Anbindung mit Bus und Bahn

Christoph Schlupkothen, der neue Geschäftsführer des Zweckverbands Unterbacher See, bestätigt, dass die Verbesserung der Verkehrsanbindung vielen Besuchern ein Anliegen ist. „Aus der Konzeptstudie wird sichtbar, dass eine verbesserte ÖPNV-Anbindung des Sees für die Bürger eines der dringendsten Themen ist.“ Im Jahr 2023 hatte der Zweckverband eine Studie in Auftrag gegeben, um zu untersuchen, welche Verbesserungsmöglichkeiten es für das Naherholungsgebiet gibt. Auch Bürger konnten sich mit Lob und Kritik beteiligen. Der Zweckverband, so Christoph Schlupkothen, habe die Notwendigkeit einer verbesserten ÖPNV‑Verbindung – vor allem zum Nordufer – an den entsprechenden Stellen platziert.

Christoph Schlupkothen (links) ist der neue Chef des Zweckverbands Unterbacher See. Neben ihm steht Frank Bauer, der Leiter der Strandbäder.
Christoph Schlupkothen (links) ist der neue Chef des Zweckverbands Unterbacher See. Neben ihm steht Frank Bauer, der Leiter der Strandbäder. © Funke Medien NRW | jum

Passiert ist seitdem allerdings nichts. Intensiv mit dieser Thematik beschäftigt sich Dagmar von Dahlen. Die CDU-Politikerin ist mit gleich zwei Ämtern involviert – als Bürgermeisterin des Stadtbezirks 8, zu dem der Unterbacher See gehört. Und als Vorsitzende der Verbandsversammlung des Zweckverbands Unterbacher See. „Wir sind an diesem Thema dran und haben das schon lange im Blick“, sagt sie. Aber das Bohren von dicken Brettern würde leider länger dauern.

Arbeitskreis Rheinbahn tagt am 14. Juli

Nun könnte wieder etwas Bewegung in die Sache kommen. Am 14. Juli tagt der „Arbeitskreis Rheinbahn“. Das, so Dagmar von Dahlen, passiere alle ein bis zwei Jahre. „Wir haben das Thema erneut auf die Tagesordnung setzen lassen.“ Im Kern wird es um den Vorschlag einer Fahrplanänderung gehen, die mit den Vertretern der Verkehrsgesellschaft diskutiert werden soll.

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Ein Punkt, den man beim Treffen des Arbeitskreises Rheinbahn ansprechen wolle, sei, dass aktuell zwei Buslinien mit wenig zeitlichem Abstand auf der Strecke fahren würden. „Das macht doch gar keinen Sinn“, meint die Bezirksbürgermeisterin, die hier bei der Taktung Verbesserungsbedarf sieht. Außerdem wolle man erreichen, dass der Bus künftig eine Schleife zum Nordstrand fahre. „Zu Fuß ist das mit Badesachen eine ziemliche Schlepperei bis zur Haltestelle.“ Auch der Bootshafen müsse besser erreichbar sein. Während der Südstrand in der Sommersaison durch den Badebus (Linie 891) bedient wird, gibt es bisher keine Linie, die direkt bis zum Nordstrand fährt.

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„Wir haben am Nordstrand wieder eine attraktive Gastronomie, wo man auch unabhängig von einem Badebesuch hinfährt“, meint Dagmar von Dahlen. Im vergangenen Jahr hat der Schauspieler Michael Nasband den Biergarten gemeinsam mit seinem Sohn Mike übernommen und unter dem Namen „Concept Glücklich“ neu eröffnet. Unglücklich sei, dass man dort mit dem ÖPNV so schlecht hinkomme. Ihr Fazit: „Wenn wir den Unterbacher See attraktiver machen möchten, dann muss die Anbindung besser werden.“