Am U-Bahnaufgang zur Bolkerstraße geht es für die vier jungen Männer erstmal nicht weiter. Sie stehen – wie zig weitere Menschen – auf der ausgeschalteten Rolltreppe. Bis sie ihr Ziel, einen der Clubs in der Altstadt, erreichen, dauert es etwas länger als üblich. Schnell ist auch klar, warum. Von oben ist die Durchsage der Polizei zu hören: „Achtung, Achtung. Die Polizei führt Kontrollen zur Einhaltung der Waffenverbotszone durch. Aufgrund der Kontrollen staut es sich.“ Immer wieder ist dieser Text zu hören. Auf Deutsch und auf Englisch.
- Ein bisschen Vitamin D gefällig? Mit unserem neuen Newsletter gibt es jeden Freitag eine ganz persönliche Auswahl der besten Geschichten der Woche – zusammengestellt von einem Mitglied unserer Redaktion. Neben den wichtigsten News gibt es außerdem Gastro- und Veranstaltungstipps sowie das Neueste von der Fortuna. Hier geht es zur kostenlosen Anmeldung.
Rund 200 Polizeibeamte haben am Freitagabend (31. Juli) bis tief in die Nacht Personen und Taschen durchsucht, um mögliche Waffen zu finden. Anlass für die unangekündigte Schwerpunktkontrolle ist das Waffenverbot, das seit 2021 freitags und samstags ab 18 Uhr in der Düsseldorfer Altstadt gilt. Es ist die erste XXL-Kontrolle in diesem Jahr. „Unser Ziel ist es, die Altstadt gerade am Wochenende sicherer zu machen“, erklärt Polizeisprecher Fabian Franzen gegenüber der NRZ.
Jeder, der am Freitag zur „längsten Theke der Welt“ will, muss durch diese Kontrolle. Das läuft recht geordnet ab, die meisten Besucher reagieren verständnisvoll und gelassen. Frauen und Männer werden aufgefordert, sich in zwei separaten Schlangen anzustellen. Im Hintergrund läuft „Stayin’ Alive“ von den Bee Gees – in der angrenzenden „Kostbar“ gibt’s Live-Musik.

Freitags
Vitamin D - Dein Newsletter für Düsseldorf
Jede Woche Deine Dosis Düsseldorf: Spannende Geschichten, besondere Menschen und ausgesuchte Gastro-Tipps.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Sich vor der Kontrolle drücken? Kaum möglich. Alle anderen Ausgänge an der Haltestelle Heinrich-Heine-Allee sind mit Flatterband abgesperrt. Sicherheitsmitarbeiter der Rheinbahn stehen davor. Mit Absperrzäunen ist der Bereich vor der U-Bahnhaltestelle am Bolker Stern abgeriegelt. Bis 21 Uhr sind bereits mehr als 3000 Menschen kontrolliert worden – auch die Mitarbeiter bekannter Lieferservices. Die Polizei wirft einen Blick in die großen orangefarbenen und grünen Taschen, in denen das Essen warmgehalten wird – findet aber nichts Ungewöhnliches.

„Haben Sie gefährliche Gegenstände oder Waffen dabei?“, fragt der Polizist einen Besucher. Er schüttelt den Kopf. Der Beamte durchsucht erst die Bauchtasche des Mannes, dann tastet er Arme und Beine ab. Seine Hände sind dabei mit blauen Handschuhen geschützt. Der Polizist findet auch hier nichts. „Viel Spaß heute Abend“, sagt er und signalisiert dem Mann, dass er nun gehen kann.
Wer hingegen etwas Verdächtiges dabei hat, wird ins Zelt an der Seite begleitet – und noch einmal genauer durchsucht. Ein paar Mal ist das am Freitag der Fall. Gegen 21.30 Uhr macht sich NRW-Innenminister Herbert Reul ein Bild von der Kontrolle. Fünf Messer sind bis zu diesem Zeitpunkt bereits gefunden und einkassiert worden. „Fünf Messer, mit denen man einen Menschen hätte erstechen können. Jedes Messer ist eins zu viel“, betont Reul. Und ein Blick in die Asservatenkammer zeigt: Es sind keine kleinen Taschenmesser, die da sichergestellt wurden.

Ernst wurde es dann am Rande der Kontrollstelle: Die Polizei griff bei einer Schlägerei ein. Ein Jugendlicher und eine Frau prügelten sich. Der 15-Jährige leistete Widerstand und bespuckte unter anderem einen der Polizisten. Um sein renitentes Verhalten zu unterbinden, legten die Beamten ihm eine Spuckhaube an und nahmen ihn mit zur Wache.
Kontrolle in der Düsseldorfer Altstadt: Das ist die Bilanz
Insgesamt sind in der Nacht von Freitag auf Samstag rund 10.600 Menschen kontrolliert worden. Die Bilanz: Sieben Messer, zwei Schlagringe, ein Schlagstock und zwei Pfeffersprays sind beschlagnahmt worden. Gegen die Besitzer wurden Ordnungswidrigkeiten- und Strafanzeigen gefertigt. Neben den verschiedenen verbotenen Waffen fanden die Polizisten bei zwei Personen geringe Mengen Drogen. Hier wurden ebenso entsprechende Strafverfahren eingeleitet.
Lesen Sie auch diese Nachrichten aus Düsseldorf
- Neues Gymnasium Heinzelmännchenweg – Stadt überrascht Eltern: „Sind alle in Sorge“
- Kampfmitteleinsatz in Düsseldorf-Kaiserswerth: Panzerfäuste wurden gesprengt
- „Nähszene“ in Düsseldorf schließt: „8800 Euro Miete schaffen wir nicht mehr“
- „Eternity“ erstmals in Deutschland – Spektakuläre Artistik in St. Antonius-Kirche
- Lesen Sie hier auch alle aktuellen Nachrichten aus Düsseldorf
Einsatzleiter der Kontrollaktion, Polizeirat Robin Schmidt, ist mit dem Ablauf der Schwerpunktkontrolle zufrieden: „Jede Waffe, die nicht in die Altstadt gelangt, macht das Feiern sicherer! Die Waffen- und Messerverbotszone ist ein wichtiger Bestandteil des Maßnahmenkomplexes, mit dem wir als Düsseldorfer Polizei der Messergewalt begegnen.“





