Es ist Montag, später Nachmittag. Romano Granderath steht mit einem Besen in der Hand neben der Theke im WP 8. Der Boden ist leicht siffig, im Raum stehen leere Wasser- und Bierkästen gestapelt und in einer Ecke sind die letzten Partyreste vom Samstag zusammengefegt. Leere Zigarettenschachteln, Kronkorken oder Centstücke. Es wurde spät am Wochenende, so spät, dass es schon wieder früh war. „Ehrlicherweise bin ich erst am Sonntagmittag hier raus und wirklich noch nicht ganz fit“, sagt Granderath und grinst.

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Im WP 8 lassen es die Leute halt krachen. Der Künstlerverein bietet Konzerte, DJ-Abende oder einfach nur Partys an. Die Stimmung ist immer ausgelassen-friedlich. Das WP 8 ist ein Ort für alle. „Come as you are“ („Sei, wie du bist“), heißt das Motto, und das ist in diesem Fall auch so gemeint. „Die Menschen, die hier sind, kommen aus Düsseldorf, Berlin, London oder Texas, aus Kanada, Finnland oder Japan“, erzählt Granderath. „Hier ist jeder willkommen, vom Punk bis zum Polizisten. Aber hier wird nicht viel über Jobs oder sowas gesprochen, es gibt wenig Smalltalk, und das ist auch gut so.“

WP 8 in Düsseldorf: Es begann mit dem Ende des Ratinger Hofs – und Fußball

Der Verein „Freunde und Förderer von WP 8“ wurde bereits im Jahr 1992 gegründet – als unabhängiger, selbst verwalteter Ort von Künstlern für Künstler. Das hatte einerseits damit zu tun, dass es damals nach dem Aus für den Ratinger Hof keinen guten Treffpunkt mehr für gute Leute gab. Und andererseits lag es an der WM 1990, als Deutschland in Italien Weltmeister wurde. Damals schauten nebenan, in einem Atelier von Krawen und Braster in den ehemaligen Räumen einer Rohrleitungsbaufirma an der Kölner Straße, die Leute zusammen Fußball. „Die ganze WM lang ging das so. Daraus entstand die Idee, einen dauerhaften Ort zu schaffen mit neuer Identität, an dem die Menschen eine kulturelle Heimat haben“, berichtet Granderath.

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Pausenszene vor dem WP 8: Die Kultstätte in Bahnhofsnähe ist ein beliebter Treffpunkt der Off-Szene.© NRZ | Christof Wolff

Es vergingen dann etwa zwei Jahre zwischen WM-Finale und WP‑8‑Gründung. Weil es eben Zeit brauchte, bis die Künstlerinnen und Künstler, unter denen auch Leute wie die Fotografen Thomas Ruff und Andreas Gursky waren, die 63.000 Mark über eine Auktion zusammen hatten, um das Ladenlokal zu renovieren. Es gab Rückschläge und Verzögerungen, Leute sprangen ab, Leute kamen dazu, alles lief etwas chaotisch ab. Ungefähr so, wie in einem Roman von Sven Regener. Da bewegen sich die immer etwas verpeilten Protagonisten auch oft am Rande der Verzweiflung. Aber am Ende wird es schön, und alle haben sich lieb.

Wir haben das Public Viewing in Düsseldorf erfunden

Romano Granderath, WP 8

Fußballschauen ging dann im WP 8 erst einmal lange weiter. „Wir haben das Public Viewing in Düsseldorf erfunden“, sagt Granderath und lacht laut. Jede WM und EM habe man im nicht einmal 60 Quadratmeter großen Laden mitgenommen. „Das ging dann so lange gut, bis uns die Fifa zu korrupt wurde“, sagt der Düsseldorfer. Heißt: Seit der Weltmeisterschaft 2018 in Russland konzentriert man sich im Künstlerverein auf andere Dinge.

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Im WP 8 wurden von Anfang an zusammen Fußball geschaut, bis die WM 2018 in Russland kam.© NRZ | Christof Wolff

Das sind vor allem Konzerte von alternativ-exotischen Musikerinnen und Musikern aus den USA, England, dem fernen Asien oder auch aus Düsseldorf-Flingern um die Ecke. Wer Lust hat und wer einigermaßen was zu bieten hat, kann sich gerne auf die kleine Bühne ins WP 8 stellen und loslegen. Da ist Romano Granderath ziemlich schmerzfrei. „Ich weiß manchmal gar nicht, woher die Leute unsere E-Mail-Adresse haben, aber das wird wohl weltweite Mundpropaganda sein“, schätzt „Mister WP 8“. Ende August spielte bei ihm die japanische Künstlerin Yurapico fette Indiepop-Songs. Das war was! Der Abend ging in eine weitere wilde Partynacht über.

WP 8 in Düsseldorf: Erst will man nicht rein, und später will man nicht mehr raus

Ein New Yorker Künstler und Musiker, Robert Pepper, soll einmal über die Düsseldorfer Kultstätte gesagt haben: „Nirgends sonst kannst du nackt an der Theke sitzen und Suppe essen.“ Und in der Vogue stand über das WP 8 folgender Satz: „Erst findet man es nicht, dann will man nicht rein, und später will man nicht mehr raus.“

Romano Granderath ist fast seit Anbeginn des WP 8 dabei. Anfangs kam er immer nur dienstags, weil er damals an Wochenenden als Manager der Düsseldorfer Szene-Band „Fresh Familee“ ständig auf Tour war. Ungefähr seit dem Jahrtausendwechsel hat der heute 59-Jährige die Regie fürs WP 8 nach und nach übernommen. Sein Geld verdient er weiterhin als Soundmann für Bands bei Veranstaltungen in Düsseldorf und Umgebung. Romano Granderath ist ein Lebenskünstler, wie er im Buch steht. In der Off-Szene gilt er als „weltberühmt“.

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Konzertabend im WP 8: Große alternative Kunst auf ziemlich kleiner Bühne.© NRZ | Christof Wolff

Und am Mittwoch, 30. September, wird er die Menschen wieder einladen. Diesmal nicht ins WP 8, sondern ins Bürgerhaus Bilk. Es ist Kinoabend angesagt, ab 19 Uhr läuft „WP 8 – der Film“. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten. Das sehenswerte Werk des Düsseldorfer Regisseurs Ertan Erdogan zeigt in 100 Minuten die ganze Faszination und Verrücktheit des Ladens am Worringer Platz. Der Film sollte eigentlich zum 25. Geburtstag des WP 8 fertig sein. Dann aber kam Corona, und dann kam noch das dazu und das dazu. Also war alles erst zum 30-jährigen Bestehen im Kasten. Im WP 8 dauern die Dinge eben manchmal länger, nicht nur die Partys.

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Am Donnerstag geht es dann aber im WP 8 weiter. Dann sind im Rahmen der beliebten Düsseldorfer Micropopweek drei Acts im Kultladen am Worringer Platz live zu erleben: TG Mauss, Harte Echtzeit und MC Algorythm. Das Motto lautet wie immer: Come as you are. Aber bitte: Rede nicht über deinen Job!