Bei den Kommunalwahlen in Duisburg wird am 14. September auch erstmals nach acht Jahren wieder der Oberbürgermeister gewählt.

Amtsinhaber Sören Link stellte sich 2017 vorzeitig zur Wahl und wurde am Tag der Bundestagswahl im ersten Wahlgang mit 56,88 Prozent der Stimmen gegen Gerhard Meyer (für CDU, Grüne, Junges Duisburg, Bürgerlich-Liberale) wiedergewählt. Wegen der vorgezogenen Wahl verlängerte sich Links Amtszeit einmalig auf acht Jahre. Diesmal wird der Duisburger OB wieder für fünf Jahre gewählt.

Wegen der Vielzahl an Bewerbern ist eine Stichwahl wahrscheinlich. Das sind die elf Bewerberinnen und Bewerber auf dem Stimmzettel:

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OB-Wahl in Duisburg: Amtsinhaber Sören Link (SPD) ist der Favorit

Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link (SPD)
Oberbürgermeister Sören Link (SPD).© SPD Duisburg | : Björn Breidenstein

Sören Link (SPD): Der Amtsinhaber geht trotz SPD-Krise in Bund und Land als Favorit in die OB-Wahl. Der 49-Jährige ist seit 2012 Oberbürgermeister. Link scheut sich nicht, Klartext zu Themen zu sprechen, mit denen die AfD auf Stimmenfang geht, etwa zur Armutszuwanderung aus Bulgarien und Rumänien. Seit Jahren fordert er Hilfe von Bund und EU, beklagt Sozialbetrug und organisierte Kriminalität, setzt auf die umstrittene Taskforce Problemimmobilien, initiiert mit der Polizei Meldekontrollen wie in Hochheide und Neumühl. Im Wahlkampf wirbt der in Bergheim lebende Familienvater mit der Haushaltssanierung und den dadurch möglich gewordenen Investitionen in Schulen, Kitas, Sicherheit und ÖPNV. Mit der Aufrüstung des städtischen Außendienstes und den „Null Toleranz“-Kontrollen für sichere und saubere Stadtteile besetzt der MSV-Fan seit Jahren CDU-Themen. Auf Kritik von Grünen und Umweltschützern reagierte er, indem er die Wirtschaftsbetriebe jährlich mehrere tausend Obstbäumchen verschenken lässt. Im Wahlkampf gibt er „200.000 sozialversicherungspflichtige Jobs in Duisburg“ als ein großes Ziel aus. Als OB und Wahlkämpfer ist Link bei Veranstaltungen und Einweihungen omnipräsent, in den sozialen Medien fährt er die aufwendigste Kampagne. Reicht all das für einen Sieg im ersten Wahlgang?

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CDU-Kandidatin Sylvia Linn hofft auf Bundestrend und Stichwahl

Sylvia Linn CDU Duisburg
OB-Kandidatin Sylvia Linn (CDU).© CDU Duisburg | CDU Duisburg

Sylvia Linn (CDU): Die 59-Jährige wurde im Juni 2024 vom Rat zur ehrenamtlichen Bürgermeisterin und zweiten Stellvertreterin des Oberbürgermeisters gewählt. Seit November arbeitet sie daran, Gesicht zu zeigen und bekannter zu werden. Linn lebt in Friemersheim, ist als Betriebswirtin in einem mittelständischen Krefelder Familienunternehmen tätig. Die Vorsitzende der Frauenunion, selbst Großmutter, muss gegen den Oberbürgermeister punkten, mit dem die CDU in den vergangenen Jahren zusammengearbeitet hat. Trotzdem geht die Ratsfrau nicht auf Konfrontationskurs. Was sie besser kann als Link? „Ich begegne Menschen offen auf Augenhöhe, kann zuhören und nehme die Probleme der Menschen ernst“, sagt sie. Ihre wichtigsten Wahlkampfthemen: Sicherheit, Sauberkeit, Ordnung. Sie will eine stärkere Polizeipräsenz, mehr Videoüberwachung, ein Alkoholverbot in der Innenstadt, Verbesserungen bei Verkehrsführung und Baustellenmanagement. Die CDU hofft auf Zugewinne durch den Bundes- und Landestrend – und auf eine Stichwahl zwischen Linn und Link.

Sebastian Ritter (Grüne) will „ein anderes Duisburg“

Oberbürgermeister-Kandidat in Duisburg: Dr. Sebastian Ritter (Grüne)
OB-Kandidat Dr. Sebastian Ritter (Grüne).© Grüne Duisburg | Grüne Duisburg

Dr. Sebastian Ritter (Grüne): Ihn haben die Grünen bereits im September 2024 zu ihrem Oberbürgermeister-Kandidaten gewählt: Dr. Sebastian Ritter, 43, gebürtiger Buchholzer, wohnhaft in Großenbaum, Lehrer und Dr. der physikalischen Chemie/Chemiedidaktik. 2020 zog er in den Rat ein und wurde direkt zum dritten Bürgermeister der Stadt Duisburg gewählt. Als erster homosexueller Duisburger Bürgermeister will er auch Ansprechpartner für die Menschen der LGBTTIQ*-Community sein. Ritter war viele Jahre in der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg engagiert, war dort Regionalverbands-Vorsitzender. Sein Wahlkampf-Leitsatz: „Weil ein anderes Duisburg möglich ist“. Seine Visionen: konsequenter Einsatz für ein klimaneutrales Duisburg bis 2035, mehr soziale Gerechtigkeit und Bildungsgerechtigkeit statt Ungleichheit, mehr Bürgernähe und -beteiligung, ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum. Für besseres Wohnen und Investitionen in Immobilien schlägt Ritter einen Gipfel der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft vor. Ritter weiß, dass grüne Themen es gerade in Duisburg und zurzeit besonders schwer haben, kämpft aber nicht minder fleißig und tritt als einer der schärfsten Kritiker der Stadtspitze auf.

AfD-Kandidat Carsten Groß will grünen Stahl bekämpfen

Carsten Groß, Oberbürgermeister-Kandiat der AfD in Duisburg
OB-Kanddiat Carsten Groß (AfD). © AfD Duisburg | AfD Duisburg

Carsten Groß (AfD): Obwohl er zu den unbekanntesten OB-Kandidaten zählt, darf sich der AfD-Kandidat wie Sylvia Linn (CDU) Chancen auf eine Stichwahl gegen OB Link (SPD) ausrechnen. Wie stark kann Carsten Groß vom Aufstieg der AfD profitieren? Viel weiß die Öffentlichkeit nicht über den 54-Jährigen. Er ist seit 2018 AfD-Mitglied, lebt in Huckingen. Ratsherr ist Groß nicht, er vertritt die AfD in der Bezirksvertretung Süd sowie in den Ratsausschüssen für Schule und Bildung, Ordnungs- und Bürgerangelegenheiten unauffällig. Der Energieelektroniker ist seit 37 Jahren bei HKM beschäftigt. Grünen Stahl will er bekämpfen: „Selbst die Gewerkschaften folgen dieser Ideologie schweigend und führen die Arbeitnehmerschaft in den Abgrund“, sagte Groß bei der Wahlkampfveranstaltung der AfD in der Rheinhausenhalle, zu der Medienvertreter keinen Zutritt hatten. Groß teilt Videos von seiner Rede dort mit 2400 Facebook-Followern. Er schlägt „Sicherheitszentren vor Ort und 24/7-Präsenz unserer Ordnungskräfte“ vor. Armutszuwanderung aus Südosteuropa will er mit dem Ausbau der Stabsstelle Sozialleistungsbetrug bekämpfen. Seine Slogans sind von US-Präsident Trump inspiriert, Groß fordert: „Duisburg zuerst!“ Er verspricht: „Ich werde Duisburg dazu verhelfen, wieder großartig zu werden!“

Barabara Laakmann kandidiert ein zweites Mal für Die Linke

OB-Kandidatin Barbara Laakmann (Linke)
OB-Kandidatin Barbara Laakmann (Die Linke).© Die Linke Duisburg | Elke Mühlhoff

Barbara Laakmann (Linke): Die heute 75-Jährige war schon einmal Oberbürgermeister-Kandidatin der Linken: 2012, nach der Abwahl von Adolf Sauerland, erhielt Barabara Laakmann 2,17 Prozent der Stimmen. Die ehemalige Schulleiterin aus Rheinhausen ist die Vorsitzende ihrer Ratsfraktion. Die Bekämpfung der großen Armut in Duisburg – auch durch bessere Bildungs- und Aufstiegschancen – ist Laakmanns wichtigstes Thema. Ihre Vision: mehr Schulen, kleinere Schulen, „und eine Schule für alle, von der Klasse 1 bis 10, wohnortnah im Stadtviertel, mit Ganztagsbetrieb, Mittagessen usw.“ OB Sören Link wirft sie „Roma-Bashing“ vor. Link fördere das Narrativ, die Zugewanderten aus Bulgarien und Rumänien seien allesamt Sozialbetrüger. Auch das Vorgehen der Taskforce Problemimmobilien sei „schwer zu ertragen“, so die Kandidatin.

FDP-Kandidat Oliver Alefs: „Aus Liebe zur Vernunft“

Oliver Alefs FDP Duisburg
OB-Kandidat Oliver Alefs (FDP).© FDP Duisburg | FDP Duisburg

Oliver Alefs (FDP): Er ist der neue starke Mann der Duisburger Liberalen, Anfang 2024 wählten sie ihn zum Vorsitzenden: Oliver Alefs aus Rumeln-Kaldenhausen, 53, Küchen- und Restaurantleiter. Der Ratsherr kämpft unter dem Motto „Aus Liebe zur Vernunft“, fordert eine weitere Senkung der Gewerbesteuer und eine effizientere Stadtverwaltung. Diese arbeite nicht professionell und zuverlässig, kritisierte Alefs jüngst, nachdem Recherchen aufgedeckt hatten, dass das Jugendamt erneut mit Zahlungen in Höhe von 39 Mio. Euro im Rückstand ist. Nach der Gebag-Rettung stellten Alefs und die FDP die kritischsten Fragen zur Verantwortung in Verwaltung, Geschäftsführung und Politik. Im Wahlkampf stehen bei ihm, neben Sicherheit und Ordnung, Wirtschaftspolitik und -förderung an erster Stelle. 2017 holte Thomas Wolters als OB-Kandidat 5,69 Prozent. Alefs weiß, dass ein ähnliches Abschneiden wegen des Absturzes der FDP bei der Bundestagswahl schwierig wird.

Oliver Beltermann – der erste OB-Kandidat von Junges Duisburg

Ratsherr Oliver Beltermann (Junges Duisburg)
OB-Kandidat Oliver Beltermann (Junges Duisburg).© Junges Duisburg | Junges Duisburg

Oliver Beltermann (JUDU): Das Wählerbündnis Junges Duisburg hat erstmals einen OB-Kandidaten: Oliver Beltermann vertritt JUDU seit 2014 im Rat, ist stellvertretender Vorsitzender und wirtschaftspolitischer Sprecher der drei Mitglieder starken Fraktion. Der 41-Jährige war mal Vorsitzender der Jungen Union in Duisburg, trat aber 2009 aus der CDU aus. Beltermann lebt in Neudorf, ist Vertriebsleiter eines Schweizer Unternehmens, das sich auf Akustikdecken spezialisiert hat. Er sagt: „Duisburg kann viel mehr, unsere Stadt verkauft sich unter Wert.“ Wie das Bündnis verweist Beltermann auf zahlreiche JUDU-Anträge im Rat, die von SPD und CDU zunächst abgelehnt, später aber von diesen selbst umgesetzt worden seien. Sie kritisieren auch CDU-Kandidatin Linn, die ein rechtlich nicht umsetzbares Alkoholverbot für die City fordere. Einen Antrag von JUDU, die Sicherheits- und Ordnungsverordnung konsequenter durchzusetzen, habe die CDU 2024 noch abgelehnt. JUDU hat keine OB-Kampagne, konzentriert sich auf die Inhalte des eigenen Kommunalwahlprogramms. Besonders wichtig sind dem Bündnis Jugend- und Schulpolitik: „Eine gute, wohnortnahe und zugleich möglichst kostengünstige Kinderbetreuung gehört ebenso dazu wie engmaschige aufsuchende Hilfsangebote für diejenigen, die sie brauchen.“

Ayhan Yildirim (DAL-WGD) will „OB für alle Duisburger“ sein

Ayhan Yildirim (DAL-WGD)
OB-Kandidat Ayhan Yildirim (DAL-WGD).© Ayhan Yildirim | Ayhan Yildirim

Ayhan Yildirim (DAL-WGD): Die beiden von türkeistämmigen Duisburgern gegründeten Wählerbündnisse „WGD – Wir gestalten Duisburg“ und die „Duisburger Alternative Liste – DAL“ haben sich vor den Wahlen zusammengeschlossen und treten mit einem gemeinsamen Oberbürgermeister-Kandidaten an: Ayhan Yildirim war 2020 für die DAL in den Rat eingezogen. Der 48-Jährige arbeitet im IT-Bereich eines Chemieunternehmens. Zu seiner Kandidatur sagt er: „Wir wollen endlich einen OB für alle Duisburger haben“. Das ist eine Kritik an Link, der in Teilen der türkeistämmigen Community einen schweren Stand hat, seit er 2017 Tumulte bei Polizeieinsätzen kritisierte („Asozial bleibt asozial – egal, aus welchem Land jemand stammt“). Yildirim kritisiert unter anderem den Investitionsstau bei Schulen und Kitas, die Verarmung größerer Bevölkerungsgruppen und eine zu einseitige Wirtschaftsförderung. Die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund will er durch ein zusätzliches Dezernat für Integration verbessern.

Dagmar Schink (Die Partei): „Brücke der Solidarität abreißen“

OB-Kandidatin Dagmar Schink (Die PARTEI).
OB-Kandidatin Dagmar Schink (Die PARTEI).© FUNKE Foto Services | Christoph Wojtyczka

Dagmar Schink (Die PARTEI): Die „Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative“ mischt in Duisburg erstmals bei einer Oberbürgermeister-Wahl mit – die Satirepartei schickt Dagmar Schink ins Rennen. Die 49-Jährige ist Erzieherin bei einem freien Träger der Jugendhilfe. Die gebürtige Duisburgerin lebt im „Königreich Duissern“ und trat 2014 in die PARTEI ein, die in Duisburg unter dem Ausfall des erkrankten Ratsherrn Matthias Eidens leidet (wir berichteten). Warum Dagmar Schink dennoch bei der OB-Wahl antritt? „Ich möchte den Wählern noch eine Alternative zur AfD bieten – vor der fürchte ich mich.“ Eine ihrer PARTEI-typischen Forderungen: Die Brücke der Solidarität solle abgerissen und durch zahlreiche Fähren ersetzt werden.

Erkan Kocalar kandidiert erneut – diesmal für das BSW

Erkan Kocalar Duisburg, OB-Kandidat Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW)
OB-Kandidat Erkan Kocalar (BSW).© BSW Duisburg | BSW Duisburg

Erkan Kocalar (BSW): Bei der letzten OB-Wahl 2017 war Kocalar noch als OB-Kandidat der Linken angetreten (5,92 %). Doch nach der Gründung des Bündnisses Sahra Wagenknecht wechselte er in die neue Partei, die gerade auch einen Duisburger Kreisverband gegründet hat. Für sie führt er die BSW-Ratsfraktion. Der 56-Jährige war 13 Jahre lang ehrenamtlicher Bürgermeister der Stadt und ist seit 21 Jahren Mitglied im Rat, war dort auch Fraktionschef der Linken. Bekannt wurde der in Wanheim-Angerhausen lebende Schlosser auch als Betriebsratsvorsitzender von Thyssenkrupp Steel in Hüttenheim, allein bei Facebook folgen ihm 5600 Nutzer. Der BSW-Kandidat fordert mehr Unterstützung für die Industrie und mehr Flächen für Unternehmen sowie größere Investitionen in Schulen, Kitas, Sportanlagen und öffentliche Gebäude. Diese würden auch durch die Rüstungsausgaben des Bundes verhindert, meint Kocalar.

OB-Kandidatin Britta Söntgerath (Volt) fordert mehr Bürgerbeteiligung

Britta Söntgerath
OB-Kandidatin Britta Söntgerath (Volt).© Volt Duisburg | Volt Duisburg

Britta Söntgerath (Volt): Die 62 Jahre alte Betriebswirtin aus Huckingen war von 2014 bis 2020 Ratsfrau. Gewählt wurde sie als Mitglied der Piratenpartei, aus der sie Ende 2018 austrat. Seit 2021 engagiert sie sich bei der pro-europäischen Partei Volt, kandidierte für Volt 2022 bei der Landtagswahl (0,60 %) und zuletzt bei der Bundestagswahl (0,59 %). Inzwischen leitet die zweifache Großmutter als „City Lead“ das Duisburger Volt-Team. Söntgerath kritisiert, Stadtspitze und Ratsmehrheit entscheiden an den Menschen vorbei. Sie fordert mehr Bürgerbeteiligung, macht sich für den Ausbau von ÖPNV und Radwegen stark. Als „Schlag ins Gesicht für alle Duisburger*innen“ bezeichnet sie, dass OB Link Haushalts-Erfolge feiere, „während auf der anderen Seite das Jugendamt erneut in Schulden steckt und Leistungen für die Schwächsten unserer Stadt nicht gesichert sind“.

>> WANN KOMMT ES ZUR STICHWAHL?

  • Für die Wahl zum Oberbürgermeister muss ein Kandidat oder eine Kandidatin mehr als der Hälfte der Stimmen erhalten.
  • Erreicht kein Bewerber diese absolute Mehrheit im ersten Wahlgang am 14. September, kommt es zur Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen.
  • Der Termin für die Stichwahlen in NRW steht fest: Sonntag, 28. September.