Kaum ein musikalischer Auftritt hat die Fernsehwelt in Deutschland vor genau 30 Jahren so geprägt wie dieser: Michael Jackson steht auf der großen TV-Bühne bei „Wetten, dass …?“. Schauplatz dieses Moments ist am 4. November 1995 die Rhein-Ruhr-Halle in Duisburg.

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Es war bitterkalt an jenem denkwürdigen Tag. Rund 2000 Menschen ließen sich trotzdem nicht zurückhalten, sie pilgerten nach Hamborn zur Rhein-Ruhr-Halle, um einen flüchtigen Blick auf ihren Superstar zu erhaschen. Auf dem Parkplatz wurde für die Fans extra eine Großleinwand aufgebaut, viel näher sollten sie ihrem Idol an diesem Abend nicht kommen. Die 1200 Karten für die Halle waren blitzschnell vergriffen, und auf dem Schwarzmarkt wurden Mondpreise von bis zu 400 Mark pro Ticket verlangt.

Vor der Halle gab es eine Großleinwand. 2000 Fans konnten den „King of Pop“ so „nah“ erleben.
Vor der Halle gab es eine Großleinwand. 2000 Fans konnten den „King of Pop“ so „nah“ erleben.© WAZ | EICKERSHOFF, Stephan

Michael Jackson: Ein Weltstar tritt in Duisburg auf

Dass Michael Jackson um 21.20 Uhr seinen Auftritt mit seinem Hit „Dangerous“ startete, ist heute fast in Vergessenheit geraten. Viel zu überwältigend war das, was sich um 21.45 Uhr in der Rhein-Ruhr-Halle abspielte: Es wurde episch – und es ging mit dem Pop-König doch zurück auf die Erde. Der leidenschaftlich klagende „Earth Song“ feierte – für Duisburg durchaus angemessen – seine Weltpremiere. Jackson riss sich sein Shirt unter dem weißen Hemd auf und sprang auf einen Hubwagen, der ihn hoch in die Halle hob. Windmaschine und Kunstnebel ließen das Spektakel überirdisch erscheinen.

Der Auftakt des Songs hatte inszenatorisch etwas von einem Außerirdischen: Eine Weltkugel schwebte per Computeranimation ins TV-Bild, Jackson erschien erst so im Bild, als sei er gar nicht in der Halle in Duisburg. Großes Kreischen. Und dann war er leibhaftig da, sang die pathetische Hymne samt Gospelchor. Sieben Minuten und 40 Sekunden verausgabte sich Michael Jackson. Die opulente Inszenierung soll eine Million D-Mark gekostet haben.

Sieben Minuten und 40 Sekunden verausgabte sich Michael Jackson auf der Bühne in der Rhein-Ruhr-Halle. Auf einem Hubwagen ging es für ihn in die Luft.
Sieben Minuten und 40 Sekunden verausgabte sich Michael Jackson auf der Bühne in der Rhein-Ruhr-Halle. Auf einem Hubwagen ging es für ihn in die Luft.© Achim Scheidemann/dpa | Achim Scheidemann

Eigentlich hätte Thomas Gottschalk den Mega-Star nach seinem Auftritt liebend gern auf seine Couch gezerrt, um mit dem scheuen Pop-König zu plaudern. Doch dem hatte das Management schon vorab einen Riegel vorgeschoben. Das Interview am Rand der Bühne fiel dürr aus. Eigentlich sagte Michael Jackson nur: „I love you all.“ Für ein kollektives Kreischen reichten diese vier Wörter. Gottschalks tiefgründige Frage „Do You Like It In Germany?“ beantwortete Michael Jackson ehrlich mit: „I Love It“. Dann verschwand der Weltstar.

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Thomas Gottschalk, damals 45 Jahre alt, versuchte wieder Ruhe in die Halle zu bekommen, mit einem Satz, der in heutigen Streaming-Zeiten überholt scheint: „Ihr könnt am Montag noch mal zu Hause angucken, dann wird’s wiederholt.“ Auch für die anderen Gäste der Show war der Auftritt des Weltstars eine Besonderheit: „Ich bin genauso aufgeregt wie die meisten hier“, sagte Gerhard Schröder, damals Ministerpräsident von Niedersachsen, der drei Jahre später Bundeskanzler wurde.

Gerhard Schröder, der Ministerpräsident von Niedersachsen, und seine Frau Hiltrud waren als Wettpaten zu Gast bei Thomas Gottschalk in der ZDF-Show in Duisburg.
Gerhard Schröder, der Ministerpräsident von Niedersachsen, und seine Frau Hiltrud waren als Wettpaten zu Gast bei Thomas Gottschalk in der ZDF-Show in Duisburg.© WAZ FotoPool | MICHELS, Ulla

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Michael Jackson in Duisburg: Auftritt sorgt für traumhafte Einschaltquoten

Die große Samstagsabend-Fernsehshow hatte wie gewohnt um 20.15 Uhr begonnen und war schon Tage zuvor DAS Medien- und Gesprächsthema in Deutschland. „Viele hatten gewettet, er kommt nicht. Ich kann Ihnen sagen, er ist da“, steigerte Gottschalk gleich zu Beginn die Spannung bei den Gästen in der Halle, den vielen Fans vor der Halle und den rund 18 Millionen gemessenen Zuschauerinnen und Zuschauern vor den TV-Geräten. Der Auftritt des Superstars führte zu einer Rekord-Einschaltquote und einem Marktanteil von 52 Prozent.

Die Besucher in und vor der Halle hatten nicht den Hauch einer Chance auf ein Autogramm des Weltstars. Für Fans vor der Halle war es wohl trotzdem ein einmaliges Erlebnis, dem King of Pop, ihrem Idol, gemeinsam mit vielen anderen Fans so nah zu sein. Herausfordernd war der Abend für die zahlreichen Fotografen, die sich akribisch an Vorschriften halten mussten. Sie durften nur von zuvor festgelegten Stellen in der Halle Fotos machen, Nahaufnahmen vom Gesicht waren tabu.

Das war "Wetten, dass...?" in Duisburg

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5. November 1988: Zum ersten Mal wird die Sendung aus Duisburg übertragen, Moderator Gottschalk im Jeans-Outfit sagt die Bierkrug-Wette an.
5. November 1988: Zum ersten Mal wird die Sendung aus Duisburg übertragen, Moderator Gottschalk im Jeans-Outfit sagt die Bierkrug-Wette an.© Renate Schäfer/ZDF | Unbekannt
3. März 1990: Heinz Bück wettet, dass er sein Auto in eine Parklücke einparken kann, die nur 10 Zentimeter größer ist als sein Auto. Die Wette hat er gewonnen
3. März 1990: Heinz Bück wettet, dass er sein Auto in eine Parklücke einparken kann, die nur 10 Zentimeter größer ist als sein Auto. Die Wette hat er gewonnen© Wolfgang Lehmann/ZDF | Wolfgang Lehmann
Peter Ustinov war am 2. März  1991als Wettpate in der 66. Sendung.
Peter Ustinov war am 2. März 1991als Wettpate in der 66. Sendung.© Friedhelm Geinowski/WAZ FotoPool | WAZ FotoPool
Bei der Saalwette schaffen es einige Duisburger auf die Couch neben Thomas Gottschalk. Besonders skurril war die Idee von Udo Hark. Er wettete, dass sich in Duisburg nicht zehn Männer finden, die Manni heißen, Manta fahren und eine Friseurin zur Freundin haben. 25 Pärchen wollen es dem Duisburger an diesem Abend zeigen. Jedes einzelne wird kontrolliert, aber nur zehn erfüllen letzlich auch alle Bedingungen.  Die Wette ist verloren, dafür sammelte der Duisburger mit Hella von Sinnen in einer Disco Spenden für dei Deutsche Krebshilfe.
Bei der Saalwette schaffen es einige Duisburger auf die Couch neben Thomas Gottschalk. Besonders skurril war die Idee von Udo Hark. Er wettete, dass sich in Duisburg nicht zehn Männer finden, die Manni heißen, Manta fahren und eine Friseurin zur Freundin haben. 25 Pärchen wollen es dem Duisburger an diesem Abend zeigen. Jedes einzelne wird kontrolliert, aber nur zehn erfüllen letzlich auch alle Bedingungen. Die Wette ist verloren, dafür sammelte der Duisburger mit Hella von Sinnen in einer Disco Spenden für dei Deutsche Krebshilfe.© Unbekannt | Unbekannt
Weit über 1000 Mal wurde bei "Wetten, dass..?" gewettet. Darunter waren auch spektakuläre Kunststücke, wie dieses hier in der Sendung vom 29. Oktober 1994. Die Motorrad-Sportgruppe der Berliner Polizei bildete mit 84 Polizisten auf neun Motorrädern eine Pyramide und fuhr so 100 Meter weit.
Weit über 1000 Mal wurde bei "Wetten, dass..?" gewettet. Darunter waren auch spektakuläre Kunststücke, wie dieses hier in der Sendung vom 29. Oktober 1994. Die Motorrad-Sportgruppe der Berliner Polizei bildete mit 84 Polizisten auf neun Motorrädern eine Pyramide und fuhr so 100 Meter weit. © Carmen Sauerbrei/ZDF | Carmen Sauerbrei
Damit stellte sie einen Weltrekord auf.
Damit stellte sie einen Weltrekord auf.© Renate Schäfer/ZDF | Renate Schäfer
Weil er die Saalwette verlor, musste Thomas Gottschalk in zehn Metern Höhe in der Rhein-Ruhr-Halle herumklettern.
Weil er die Saalwette verlor, musste Thomas Gottschalk in zehn Metern Höhe in der Rhein-Ruhr-Halle herumklettern.© Carmen Sauerbrei/ZDF | Carmen Sauerbrei
In dieser Sendung war  US-Soul-Star Barry White musikalischer Gast. Außerdem traten Adriano Celentano und Shirley MacLaine auf.
In dieser Sendung war US-Soul-Star Barry White musikalischer Gast. Außerdem traten Adriano Celentano und Shirley MacLaine auf.© Renate Schäfer/ZDF | Renate Schäfer
4. November 1995: Über die Farbe der Socken geht es im Gespräch mit Kanzlerkandidat Gerhard Schröder und seiner Frau Hiltrud. Gottschalk: „Darf ich Hillu sagen? Es ist ja so ein bisschen wie Super-Hillu.“
4. November 1995: Über die Farbe der Socken geht es im Gespräch mit Kanzlerkandidat Gerhard Schröder und seiner Frau Hiltrud. Gottschalk: „Darf ich Hillu sagen? Es ist ja so ein bisschen wie Super-Hillu.“© Ulla Michels/WAZ/WAZ FotoPool | WAZ FotoPool
Neben ihrem Einsatz als Wettpate sammeln die Schröders auch für die Tschernobyl-Stiftung von Hillu Schröder. Sie müssen auf einen Schrank mit Porzellan werfen. Für jedes Teil, das zu Bruch geht, will Porzellanfabrikant Philip Rosenthal 2000 Mark stiften. Mit tatkräftiger Hilfe eines ZDF-Mitarbeiters, der hinter dem Schrank mit einem Hammer etwas nachhalf, konnte die 20.000 D-Mark  spielend erreicht werden.
Neben ihrem Einsatz als Wettpate sammeln die Schröders auch für die Tschernobyl-Stiftung von Hillu Schröder. Sie müssen auf einen Schrank mit Porzellan werfen. Für jedes Teil, das zu Bruch geht, will Porzellanfabrikant Philip Rosenthal 2000 Mark stiften. Mit tatkräftiger Hilfe eines ZDF-Mitarbeiters, der hinter dem Schrank mit einem Hammer etwas nachhalf, konnte die 20.000 D-Mark spielend erreicht werden.© Ulla Michels/WAZ/WAZ FotoPool | WAZ FotoPool
Ein besonderes Highlight der Sendung ist der Auftritt von Michael Jackson.
Ein besonderes Highlight der Sendung ist der Auftritt von Michael Jackson.© Ulla Michels/WAZ FotoPool | WAZ FotoPool
Kalt war es. Bitterkalt. Jener 4. November 1995, als Michael Jackson Top-Star bei „Wetten, dass...?" in der Rhein-Ruhr-Halle war.
Kalt war es. Bitterkalt. Jener 4. November 1995, als Michael Jackson Top-Star bei „Wetten, dass...?" in der Rhein-Ruhr-Halle war.© Stephan Eickershoff/WAZ FotoPool | WAZ
Das hielt seine Anhänger nicht ab. Etwa 2.000 Fans , die nicht in die Halle kamen, schauten sich auf einer Großleinwand vor der Halle den Auftritt ihres Idols an.
Das hielt seine Anhänger nicht ab. Etwa 2.000 Fans , die nicht in die Halle kamen, schauten sich auf einer Großleinwand vor der Halle den Auftritt ihres Idols an.© Stephan Eickershoff/WAZ FotoPool | WAZ
Sein zweiter Titel war eine Weltpremiere: Der Earth Song. Und im Bruchteil einer Sekunde hatte Michael Jackson die ausverkaufte Halle eingenommen, die Besucher in seinen Bann gezogen. Am Geländer einer Hebebühne, schwebte Jackson über die Köpfe der Zuschauer der Rhein-Ruhr-Halle.
Sein zweiter Titel war eine Weltpremiere: Der Earth Song. Und im Bruchteil einer Sekunde hatte Michael Jackson die ausverkaufte Halle eingenommen, die Besucher in seinen Bann gezogen. Am Geländer einer Hebebühne, schwebte Jackson über die Köpfe der Zuschauer der Rhein-Ruhr-Halle.© Achim Scheidemann/dpa | dpa
Am Ende hatten alle ein Interview mit Thomas Gottschalk erwartet. Doch der Entertainer schien erstmalig sprachlos zu sein. So piepste Jackson sein unvermeidliches „I love you all” ins Mikro und verschwand.
Am Ende hatten alle ein Interview mit Thomas Gottschalk erwartet. Doch der Entertainer schien erstmalig sprachlos zu sein. So piepste Jackson sein unvermeidliches „I love you all” ins Mikro und verschwand.© Stephan Eickershoff/WAZ FotoPool | WAZ
Die Sendung am 4. November 1995 hatte 52 Prozent und war mit 17,99 Millionen Zuschauer eine der bestgesehenen Sendungen.
Die Sendung am 4. November 1995 hatte 52 Prozent und war mit 17,99 Millionen Zuschauer eine der bestgesehenen Sendungen.© Stephan Eickershoff/WAZ FotoPool | WAZ
Ein NRZ-Bericht über Jacksons Auftritt in der Rhein-Ruhr-Halle.
Ein NRZ-Bericht über Jacksons Auftritt in der Rhein-Ruhr-Halle.© Lars Fröhlich (Repro) | NRZ
28. Februar 1998: Von wegen Blondschopf; Thomas Gottschalk überraschte mit schwarzgefärbten Haaren.
28. Februar 1998: Von wegen Blondschopf; Thomas Gottschalk überraschte mit schwarzgefärbten Haaren.© Renate Schäfer/ZDF | Unbekannt
25. März 2000: Die Couch war prominent besetzt, Moderator Thomas Gottschalk (im Kilt) zeigte sich ganz als Kavalier, verhalf Star-Designerin Vivienne Westwood in die Schuhe, belustigt beäugt von den weiteren Gästen (v.li.) Cindy Crawford, Otto Waalkes, Eva Hassmann, Dieter Pfaff und Ottmar Hitzfeld.
25. März 2000: Die Couch war prominent besetzt, Moderator Thomas Gottschalk (im Kilt) zeigte sich ganz als Kavalier, verhalf Star-Designerin Vivienne Westwood in die Schuhe, belustigt beäugt von den weiteren Gästen (v.li.) Cindy Crawford, Otto Waalkes, Eva Hassmann, Dieter Pfaff und Ottmar Hitzfeld.© Unbekannt | Unbekannt
13,34 Millionen Zuschauer sahen einen kniefrei moderierenden Thomas Gottschalk, der nach dem Vorabvotum seiner Zuschauer im Schottenrock auftrat.
13,34 Millionen Zuschauer sahen einen kniefrei moderierenden Thomas Gottschalk, der nach dem Vorabvotum seiner Zuschauer im Schottenrock auftrat.© Franz-Peter Tschauner/dpa | dpa
Sabrina Setlur und Xavier Naidoo gaben "Alles"...
Sabrina Setlur und Xavier Naidoo gaben "Alles"...© imago stock&people | imago stock&people
...und Peter Maffay ging "Bis ans Ende der Welt".
...und Peter Maffay ging "Bis ans Ende der Welt".© Carmen Sauerbrei/ZDF | Unbekannt
Großes Finale der 123. "Wetten, dass....?"-Sendung., die die letzte aus Duisburg war.
Großes Finale der 123. "Wetten, dass....?"-Sendung., die die letzte aus Duisburg war.© Carmen Sauerbrei/ZDF | Carmen Sauerbrei

Die heilige Halle aus den siebziger Jahren, in der der Superstar wahrhaftig einmal stand, gibt es nicht mehr. Die lange leerstehende Rhein-Ruhr-Halle wurde abgerissen, an Ort und Stelle entsteht jetzt eine neue Feuerwehrwache. Geblieben sind die Erinnerungen, so wie eben diese. Insgesamt siebenmal wurde „Wetten, dass …?“ aus der Rhein-Ruhr-Halle übertragen. Das Duisburger Publikum durfte sich übrigens einige Jahre nach dem „King of Pop“ auch auf die „Queen of Pop“ freuen: 1998 trat Madonna in Hamborn auf.

Madonna war 1998 bei Thomas Gottschalk und „Wetten, dass..?“ zu Gast. Die Sendung wurde am 28. Februar 1998 in der Duisburger Rhein-Ruhr-Halle produziert.
Madonna war 1998 bei Thomas Gottschalk und „Wetten, dass..?“ zu Gast. Die Sendung wurde am 28. Februar 1998 in der Duisburger Rhein-Ruhr-Halle produziert.© NRZ | FOLTIN, Manfred

(mit dpa/U.S.)