In Zeiten, in denen Grenzen zwischen Ländern, zwischen Menschen, höher und härter werden, sagt Kamalini Mukherji, gebe es etwas, das diese Grenzen zu überwinden vermag: „Kunst und Musik“. Das ist kein PR-Sprech, man muss der Leidenschaft in den Worten der international gefeierten Sängerin und Interpretin der Liedersammlung Rabindra Sangeet einfach glauben, wenn man sie reden hört. Diese Regung, diese Idee, bringt sie im kommenden Jahr nach Duisburg – als Kuratorin des sechsten „Eigenzeit-Festivals“ der Duisburger Philharmoniker.

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Das Festival für zeitgenössische Kammermusik steigt vom 30. April bis zum 22. Mai 2026 im Stadtgebiet, auch an Philharmoniker-untypischen Spielorten. Es gehe nicht nur um Musik, erklärt Intendant Nils Szczepanski, „sondern auch um einen philosophischen Dialog. Es geht um die Natur, die Liebe, die Verbindung von Menschen weltweit.“

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Unter dem Titel „Music Beyond Borders“ verbinden sich, ganz konkret, europäische und indische Musiktraditionen, insbesondere die des Dichters, Universalgelehrten und Nobelpreisträgers Rabindranath Tagore – etwa um das Spannungsfeld von Nationalismus und Patriotismus. „Seine Lehre besagt, dass wir unser Land lieben sollten“, erklärt Mukherji, „aber nicht, indem wir andere Länder hassen. Wir wollen Besucher sein, Verbinder und Botschafter.“

Eigenzeit-Festival verbindet in Duisburg europäische und indische Musik

Kamalini Mukherji ist die Kuratorin des Duisburger Eigenzeit-Festivals. Gemeinsam mit Philharmoniker-Intendant Nils Szczepanski (r.) hat sie das indisch-europäische Programm auf die Beine gestellt. (Archivbild)
Kamalini Mukherji ist die Kuratorin des Duisburger Eigenzeit-Festivals. Gemeinsam mit Philharmoniker-Intendant Nils Szczepanski (r.) hat sie das indisch-europäische Programm auf die Beine gestellt. (Archivbild)© FUNKE Foto Services | Gerd Wallhorn

Diese Mission beginnt am 30. April im Lehmbruck Museum mit der Tänzerin und Forscherin Bijayini Satpathy und ihrem Programm „Transcending Gender and Self in Odissi Dance“. Mit Vorträgen und Tanzbeispielen erklärt sie die Tanzform Odissi, die Geschlechterrollen verschwimmen lässt.

Odissi spielt auch am 2. Mai in der Gebläsehalle des Landschaftsparks eine tragende Rolle, wenn Kuratorin Mukherji selbst ans Mikrofon tritt und Tagore singt. Auch Satpathy tanzt erneut, gemeinsam soll „die weibliche Form und Persönlichkeit, und wie sie sich finden“, ausgelotet werden.

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Am 3. Mai folgt im Filmforum der „Indische Filmtag“. Über die Leinwand flimmern der Klassiker „Charulata – Die einsame Frau“ von Regisseur und Oscargewinner Satyajit Ray und der 2024er-Erfolgsfilm „All We Imagine As Light“ von Payal Kapadia, der das Leben von Frauen der indischen Arbeiterklasse nachzeichnet.

„One Beat, One World – Master of Percussion“ lockt am 10. Mai mit der Musik von Tabla-Meister Bickram Ghosh in die Mercatorhalle. Gosh steht mit vier weiteren Musikern aus Indien und Europa selbst auf der Bühne, im Anschluss steigt im Foyer der „Live-Milonga mit Tango-Showtanz“ – und zwar so lange, bis das Publikum wirklich keine Lust mehr hat, zu tanzen.

Musik für die Seele, Essen für den Bauch

Am 13. Mai folgt in der Gebläsehalle die „Tagore Song Night“, Kamalini Mukherji spielt gemeinsam mit Bickram Ghosh, Kala Ramnath und vier weiteren Musikern Lieder aus dem Rabindra Sangeet. Den halbstündigen Einführungsvortrag hält Lars-Christian Koch, renommierter Musikethnologe und Fachmann für die Lieder Rabindranath Tagores.

Musikethnologe Lars-Christian Koch erzählt in Duisburg von der Rabindra Sangeet – und von der Esskultur Bengalens. (Archivbild).
Musikethnologe Lars-Christian Koch erzählt in Duisburg von der Rabindra Sangeet – und von der Esskultur Bengalens. (Archivbild).© epd | Christian Ditsch

Koch sitzt, gemeinsam mit Bickram Ghosh, Kamalini Mukherji und Chitria Banerji auch am 16. Mai auf der Bühne – beziehungsweise im Restaurant. Dann steigt im Bora am Dellplatz nämlich das „Bengali Food Quartett“ und widmet sich der reichen Esskultur Bengalens. Nicht nur theoretisch übrigens: Für das Publikum gibt es Gewürze zum Riechen und bengalisches Fingerfood zum Probieren. Musikalisch geht der Abend mit einer „Jugalbandi“ weiter, einem „Duett der Gleichgestellten“ – das sind in diesem Fall Indrajit Roy-Chowdhury (Sitar) und Swarnendu Mandal (Sarod), begleitet von Sanjib Pal (Tabla).

Am 17. Mai folgen die „East-Western Seasons“ im Steinhof Duisburg, ein indisch-europäischer Abend rund um die Jahreszeiten. Die Duisburger Philharmoniker spielen unter der Leitung von Gordon Hamilton, zu hören gibt es Auszüge aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“. Durchsetzt werden die Auszüge mit Kala Ramnaths Werk „Indian Seasons“ – von denen es übrigens sechs statt nur die bekannten Frühling, Sommer, Herbst und Winter gibt.

Beliebte indische Ashram-Gründerin in Duisburg

Ein regelrechtes Happening wartet am 19. Mai in der Liebfrauenkirche. Dann bringt die Sängerin, Tänzerin und Lehrerin Parvathy Baul dem Duisburger Publikum die Baul-Bewegung nahe – zumindest den Besuchern, die nicht ohnehin schon im Bilde sind, denn Parvathy Baul, die 2017 in Westbengalen ihren eigenen Ashram gründete, hat auch in Deutschland eine große Anhängerschaft.

Das Finale der Eigenzeit steigt am 22. Mai mit „Day and Night“. Auf das Publikum wartet eine musikalische Reise vom frühen Morgen bis in die Nacht, mit Liedern von Rabindranath Tagore und Musik von David Bruce, mit Kamalini Mukherji und „Artist in Residence“ Avi Avital und vielen weiteren Gastmusikern.

>> EIGENZEIT-FESTIVAL DER DUISBURGER PHILHARMONIKER: KARTEN UND MEHR INFORMATIONEN