Der Preis für Toleranz und Zivilcourage ist in diesem Jahr an den Hauptausschuss Duisburger Karneval (HDK) verliehen worden. Stellvertretend nahm Präsident Michael Jansen die Auszeichnung entgegen. „Das bedeutet mir sehr viel“, sagte Jansen sichtlich bewegt. Jedes Jahr am 27. Januar, dem Gedenktag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, vergibt das Bündnis für Toleranz und Zivilcourage den gleichnamigen Preis.

Duisburger Preis für Toleranz und Zivilcourage 2026
Preis für alle Karnevalisten: HDK-Präsident Michael Jansen (2.v.l.) nahm den Preis für Toleranz und Zivilcourage von Angelika Wagner (r.) vom Bündnis für Toleranz, MdL Frank Börner (l.) und Polizeipräsident Alexander Dierselhuis entgegen.© FUNKE Foto Services | Alexandra Roth

Die Feierstunde fand auch diesmal im Jüdischen Gemeindezentrum am Innenhafen statt. Neben dem Engagement des Preisträgervereins stand an diesem Abend auch der Zustand der Demokratie im Mittelpunkt. Die Redner äußerten ihre Sorge darüber, dass demokratiefeindliche Strömungen zunehmend an Einfluss gewinnen. „Wir Demokraten sind gefordert, dagegenzuhalten“, betonte Frank Börner (SPD), Landtagsabgeordneter und Sprecher des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage. Dabei gehe es vor allem darum, mit Menschen im Gespräch zu bleiben, die grundsätzlich demokratisch eingestellt seien, dem politischen System jedoch zunehmend gleichgültig gegenüberstünden.

Duisburger Karnevalisten bekommen Zivilcourage-Preis: Karneval bringt Menschen zusammen

Der Duisburger Polizeipräsident Alexander Dierselhuis erinnerte an die historische Bedeutung des 27. Januar als Mahnmal für die Demokratie. Diese sei „so herausgefordert wie schon lange nicht“ und brauche Bürgerinnen und Bürger, die bereit seien, sie aktiv zu verteidigen. In diesem Zusammenhang lobte er in seiner Laudatio den HDK als genau richtigen Preisträger: Freiheit und Toleranz müssten erlebbar sein.

Duisburger Preis für Toleranz und Zivilcourage 2026
Polizeipräsident Alexander Dierselhuis lobte den Karneval als „gelebte Demokratie“.© FUNKE Foto Services | Alexandra Roth

Der Karneval bringe Menschen zusammen – das sei gelebte Demokratie. Mit Aktionen und öffentlichen Auftritten setze sich der HDK bewusst dafür ein, demokratische Werte sichtbar zu machen und Menschen unabhängig von Herkunft oder gesellschaftlichem Status miteinander ins Gespräch zu bringen.

OB Link: „Wir lachen zu wenig miteinander“

Auch Duisburgs Oberbürgermeister ordnete den Tag politisch ein. Sören Link sprach von einem „besonderen Tag“, an dem er sich freue, die Gäste in der Jüdischen Gemeinde begrüßen zu dürfen. Gerade der bewusste Zusammenhang zwischen dem nationalen Gedenktag und der Auszeichnung zivilgesellschaftlichen Engagements biete Zuversicht. Sein Appell: „Wir sprechen zu wenig miteinander – und vor allem lachen wir zu wenig miteinander.“ Demokratie lebe vom Austausch, von Reibung und Kompromissen, die auch Freude machen könnten.

Duisburger Preis für Toleranz und Zivilcourage 2026
Der Duisburger Oberbürgermeister Sören Link merkte an, dass zu wenig miteinander gesprochen werde.© FUNKE Foto Services | Alexandra Roth

Im Namen aller Karnevalisten zeigte sich Michael Jansen dankbar für die Auszeichnung. Zugleich mahnte er zur historischen Verantwortung. „Auch der Karneval hat vor 88 Jahren mitgemacht“, sagte er mit Blick auf die Zeit des Nationalsozialismus. Das dürfe sich niemals wiederholen. Der Präsident des HDK betonte: „Der Karneval darf kein Spielball politischer Ideologien werden.“ Mit Blick auf das diesjährige Karnevalsmotto „Europa im Herzen“ erinnerte Jansen an die Bedeutung eines grenzenlosen Europas und das Privileg, in Frieden leben zu können.

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Der HDK versteht den Karneval bewusst als Plattform für demokratischen Dialog. Denn wenn es um Demokratie gehe, könne man nicht neutral bleiben. Jansen betonte, der Preis würdige den Karneval als gelebte Gemeinschaft und wichtigen Teil der Gesellschaft.