Entspannt lächelnd und plaudernd sitzt Gerhard Verholt im Hinterzimmer der Gaststätte „Alte Zeit“. Mit Familienangehörigen und Freunden feiert er seinen Geburtstag. Soweit, so normal. Ungewöhnlich ist, dass der Meidericher bereits seinen 104. Geburtstag feiert. Alte Zeiten hat er also reichlich erlebt.

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„Sicher, ich hatte ein paar Krankheiten, aber innerlich fühle ich mich noch wie früher.“ Es ist diese positive und gelassene Haltung zum Leben, mit der Gerhard Verholt seine Gratulanten schon im ersten Moment beeindruckt. Gehen könne er zwar noch ein bisschen, aber an seinem Geburtstag sitzt er im Rollstuhl. Er habe Angst vor einem Sturz.
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Duisburger feiert 104. Geburtstag: „Er ist ein Charmeur“
Deshalb ist er 2018 aus seiner Wohnung ins St.-Elisabeth-Quartier gezogen. „Er ist ein Charmeur“, beschreibt Claudia Krug, die ihn lange betreute, seine Rolle in St. Elisabeth. „Und sie war die Beste. Dafür bin ich ihr dankbar“, kontert er mit einem herzlichen Lächeln.
Geboren wurde Gerhard Verholt in Oberhausen. „Mein Elternhaus stand direkt an der Stadtgrenze zu Meiderich“, erinnert er sich. Irgendwann gehörte das Haus dann zu Duisburg. Zur Schule ging er deshalb zunächst nach Oberhausen, später wechselte er nach Meiderich. „Zur Schule in Oberhausen bin ich eigentlich ganz gerne gegangen, aber das waren immer 15 Minuten zu Fuß. Die Meidericher Schule war viel näher.“

Nach der Schulzeit wollte er eigentlich Gärtner werden. Aber durch die Vermittlung von Bekannten begann er sein Arbeitsleben als Schiffbauer in der Triton-Werft in Meiderich. Vierzig Jahre bis zu seiner Rente hat er dort gearbeitet. Unterbrochen wurde sein Arbeitsleben durch den Zweiten Weltkrieg.
Gerhard Verholt war 70 Jahre mit seiner Maria verheiratet
Zuerst musste er zwangsweise für ein Jahr nach Königsberg, dem heutigen russischen Kaliningrad, um dort auf einer Werft zu arbeiten. In Königsberg wurde er zur Wehrmacht eingezogen. „Ich bin fünfmal verwundet worden“, sagt er fast beiläufig. Verbitterung oder gar Stolz sind da nicht zu hören. Es war eben so, und das Leben ging weiter, scheint seine Haltung zu sein.
In Frankreich geriet er verwundet in Kriegsgefangenschaft. Er wurde noch während des Krieges aus der Gefangenschaft entlassen und kam in ein Lazarett nach Bayern. Dort lernte er seine spätere Frau Maria kennen. Siebzig Jahre waren sie verheiratet. „Wir hatten eine schöne Zeit und konnten noch unsere Eiserne Hochzeit feiern.“ Kinder hätten sie leider nicht bekommen.
Am Anfang der Ehe war noch nicht klar, ob das Paar in Bayern bleiben wollte. „Arbeiten hätte ich auch in Bayern können, aber da hätten wir keine Wohnung gehabt.“ Also überzeugte er seine Frau, mit ihm nach Meiderich zu gehen. „Aber das war ein harter Kampf“, erzählt er verschmitzt der Duisburger Bürgermeisterin Sylvia Linn, die zu seinen Gratulanten zählte.
Im Nebenjob hat der Jubilar bei einer Versicherung gearbeitet
„Gearbeitet habe ich immer viel und gerne.“ Nicht nur auf der Werft, sondern in späteren Jahren auch nebenberuflich für eine Versicherung. Und dann gab es da noch die Familie seiner Frau im Kreis Erding. Da seien sie immer gerne hingefahren, auch um in deren Landwirtschaft zu helfen. „Vor allem, wenn es was zu schweißen gab.“
Außerhalb seiner Arbeit und seiner Ehe gehörte seine Liebe dem Motorrad. Gerhard Verholt besaß eine BMW und war Mitglied in einem Motorradclub. Einmal ist er sogar bei einem Rennen mitgefahren. „Aber da hatte ich keine Chance, die hatten ganz andere Maschinen.“ Für ihn war das Motorrad nicht nur Hobby, sondern auch ganz alltägliches Transportmittel. Bis nach Bayern sind er und seine Frau mit der BMW gefahren.
Mit Ratschlägen zu einem langen Leben hält sich Gerhard Verholt mit fast philosophischer Gelassenheit zurück. „Was soll ich alter Mann den jungen Leuten von heute erzählen?“ Dann hat er aber doch noch einen Tipp, den er von seinem Großvater gehört hat: „Das Atmen nicht vergessen!“
Die ältesten Duisburger sind 106
Gerhard Verholt zählt zu den ältesten Menschen in Duisburg. Zum 31. Dezember 2025 lebten in Duisburg 144 Männer und Frauen, die 100 Jahre alt oder älter sind.
Die ältesten drei waren zu diesem Stichtag 106 Jahre alt.




