Schriftsteller Ali Yakar aus Duisburg-Rheinhausen bringt bald sein nächstes Buch heraus – es ist sein 16. Werk. Darin erzählt er von der Ankunft der ersten türkischen Arbeiter im Ruhrgebiet – und von seinem eigenen Leben als Einwanderer, Eisenbahner und Arbeitskämpfer in der früheren Krupp-Stadt.

Täglich (außer Samstag)
Duisburg-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!
Nachrichten, Service, Reportagen: Jeden Tag wissen, was in unserer Stadt los ist.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Das neue Buch trägt den Titel „Die stille Geschichte einer Generation“. Auf jeweils gegenüberliegenden Seiten stehen die Gedichte auf Deutsch und Türkisch. „Das ist neu“, erklärt Ali Yakar. „Leser können die Texte direkt vergleichen und müssen nicht mehr nachschlagen.“
Autor schreibt über seine Reise nach Duisburg und die ersten Jahre bei Krupp
Wie mit all seinen Werken will Yakar mit seinem neuen Buch Brücken bauen. „Die Gedichte erzählen, wie wir in den 1960ern hier angekommen sind, ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. Wie wir teils in Heimen gelebt haben, kaum Geld hatten und uns erklären mussten, warum wir kein Schweinefleisch essen“, erzählt er im Gespräch.

Die Texte handeln vom Alltag der Gastarbeiter, von langen Schichten, Einsamkeit und Zusammenhalt. „Viele von uns kamen ohne Führerschein hierher. Wir gingen jeden Morgen zu Fuß zur Arbeit, oft im Dunkeln, oft im Regen, aber immer mit einem Funken Hoffnung im Herzen“, heißt es zum Beispiel im dritten Kapitel.
Der 76-Jährige kann so authentisch davon erzählen, weil er selbst mit 18 Jahren aus Istanbul nach Rheinhausen zog, um im Stahlwerk zu arbeiten. „Als ich 1969 bei Krupp anfing, arbeiteten dort über 17.000 Menschen. Türkische Arbeiter konnte man an einer Hand abzählen“, erinnert er sich.
+++ Lassen Sie sich den Duisburg-Newsletter per E-Mail schicken: hier gratis anmelden +++
Ali Yakar wird im neuen Buch besonders persönlich
„Manchmal fühlte es sich an wie eine Kaserne: Chef, Vorarbeiter, Meister, erfahrene Arbeiter – und wir ganz unten“, schreibt Yakar. Und: „Für kleinste Fehler wurden wir angeschrien, gedemütigt, als hätten wir keinen Wert.“
Schon direkt zu Beginn wird Yakar noch persönlicher als in vielen seiner früheren Werke. Er erzählt, wie er im Dorf Seyfe in der Provinz Corum aufwuchs. Besonders prägend sei die enge Beziehung zu seiner Mutter gewesen, die trotz harter Arbeit für ihre Kinder sorgte, während sein Vater für drei Jahre verschwand.
So schreibt er: „Die Mühsal meiner Mutter, die Abwesenheit meines Vaters, die Ratschläge meines Großvaters und die Stille des Dorfes – all das wurde zur Vorbereitung auf die Härten, die mich eines Tages in Deutschland erwarten würden.“
Lesen Sie auch diese Artikel aus Duisburg-Rheinhausen:
- Urige Kult-Kneipe ist zurück: Jetzt sogar mit großem Biergarten
- 8000 Mieter in Rheinhausen: So blickt der Adler-Nachfolger auf kaputte Wohnungen
- Leerstand in der Fußgängerzone: Expertin kämpft für „Cafés und süße Orte“
- Neue Kitas in Rheinhausen: Stadt nennt Details zu 11 wichtigen Projekten
- Probleme in beliebter Einkaufszone: Das stört Rheinhauser wirklich
Buch soll in wenigen Monaten erhältlich sein
Ali Yakar hat sich mittlerweile nicht nur als Arbeitskämpfer und Schriftsteller einen Namen gemacht. In Duisburg gilt er als Mittler zwischen den Kulturen, weil er sich seit vielen Jahren für die Völkerverständigung einsetzt. Er ist Ehrenbürger der Stadt, durfte sich 2019 ins Goldene Buch Rheinhausens eintragen und wurde mehrfach für sein Engagement ausgezeichnet.
Derzeit konzentriert sich der 76-Jährige aber auf sein neuestes Buch, denn ein paar Seiten muss er noch schreiben und dann will er mit dem Verlag den Feinschliff machen. In zwei oder drei Monaten soll das Werk schließlich erscheinen und im Handel erhältlich sein.





