Die Bundespolizei hat einen Schwerpunkteinsatz in den Hauptbahnhöfen Düsseldorf und Duisburg im Januar damit erklärt, dass diese Bahnhöfe „immer wieder durch eine erhöhte Zahl von Gewaltdelikten auffallen“. Im Duisburger Hauptbahnhof fühlen sich viele Menschen unsicher, vor allem in den Abendstunden. Ist der Hauptbahnhof tatsächlich ein Kriminalitätsschwerpunkt?

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„Der Duisburger Hauptbahnhof liegt im Fokus bundespolizeilicher Maßnahmen“, antwortet Armin Roggon, Pressesprecher der für Duisburg zuständigen Bundespolizeiinspektion Düsseldorf. „Durch die personelle Verstärkung der Bundespolizei in den letzten Jahren – auch in Duisburg – konnte eine deutlich erhöhte Präsenz im Hbf Duisburg erreicht werden.“
Durch die erhöhte Zahl an Bundespolizistinnen und -polizisten in Duisburg sei „zumindest ein Anstieg der Fallzahlen verhindert und das subjektive Sicherheitsgefühl der Bahnreisenden und der Geschäftstreibenden gesteigert“ worden, so Roggon. Angaben zur Personalstärke macht die Behörde nicht.
Hauptbahnhof Duisburg: Zahl der Straftaten um fast 50 Prozent gesunken
Bei der Gesamtzahl der Straftaten weist die Kriminalitätsstatistik, die Roggon auf Nachfrage liefert, für die jüngere Vergangenheit sogar einen deutlichen Rückgang aus: Demnach sank die Gesamtzahl der im Hauptbahnhof registrierten Straftaten zwischen 2018 und 2024 von 1470 auf 733 Delikte um fast 50 Prozent. Die Zahl der Straftaten 2025 sei „auf gleichbleibendem Niveau“, so Roggon. Der Duisburger Hbf ist also sicherer geworden.
Angezeigt wurden im Durchschnitt nur noch zwei Delikte pro Tag. Dazu muss man wissen, dass die Bahn das tägliche Fahrgastaufkommen in Duisburg mit 61.000 Reisenden angibt. Hinzu kommen mehrere tausend Passanten täglich, die den Bahnhof nur durchqueren oder zur Erledigung von Einkäufen aufsuchen. Bedenkt man also die Menschenmenge, die im Hauptbahnhof unterwegs ist, ist dieser keineswegs ein Kriminalitätsschwerpunkt.
Zivile Einsatzkräfte jagen Taschendiebe
Zur Aufklärung setze die Bundespolizei auf den Ausbau und die Nutzung einer modernen Videoüberwachung, insbesondere zur Bekämpfung von Diebstahlsdelikten, erklärt Sprecher Roggon. „Zudem kommen zivile Kräfte der Bundespolizei zum Einsatz, die gegen die in Teilen überregional agierenden Tätergruppen vorgehen.“ Obendrein setze die Bundespolizeiinspektion Düsseldorf vermehrt ihr Präventionsteam ein, um Bahnreisende umfassend zum Thema Taschen- und Gepäckdiebstahl aufzuklären.
Top 10: NRW-Bahnhöfe mit den meisten Reisenden
So viele Reisende nutzen laut Bahn im Durchschnitt täglich die 10 höchstfrequentierten Bahnhöfe in Nordrhein-Westfalen.
- Köln Hbf: 188.000
- Düsseldorf Hbf: 153.000
- Essen Hbf: 92.000
- Dortmund Hbf: 80.000
- Köln Messe/Deutz: 68.000
- Duisburg Hbf: 61.000
- Münster Hbf: 53.000
- Bonn Hbf: 45.000
- Bochum Hbf: 39.000
- Wuppertal Hbf: 29.000
Auch bei den Diebstählen weisen zumindest die von der Bundespolizei gelieferten Zahlen auf einen deutlichen Rückgang im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit hin: 2018 waren 490 Diebstähle angezeigt worden, 2024 nur noch 174. Die Zahlen für 2025 liegen noch nicht vor, das Niveau sei jedoch ebenfalls „gleichbleibend“, so Roggon. Die Entwicklung deutet auf die Wirksamkeit der polizeilichen Maßnahmen hin.
Allerdings ist auch bei der Interpretation dieser Zahlen zu bedenken, dass in Deutschland trotz langsam steigender Fahrgastzahlen noch immer weniger Menschen mit Bus und Bahn fahren als vor der Corona-Pandemie. Auch im Duisburger Hauptbahnhof waren also vor 2020 mehr potenzielle Opfer unterwegs als heute. Andererseits dürften inzwischen wegen der ausgebauten Kameraüberwachung mehr Diebstähle auffallen als damals.
Gewalt: Hausverbote und Beförderungsverbote für Intensivtäter
Bei den Gewalt- oder Rohheitsdelikten ist der Trend dagegen nicht eindeutig: Die Bundespolizei zählte 2018 etwa 100 Anzeigen. Von 2019 bis 2021 waren es jeweils zwischen 85 und 115, 2022 sogar 145, 2023 nur noch 106, 2024 mit 125 wieder etwas mehr. Das bedeutet: Etwa alle drei Tage wird eine Gewalttat im Hauptbahnhof von der Bundespolizei oder von Opfern angezeigt. Die Statistik für 2025 liegt noch nicht vor.
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Die Gewaltstatistik ist besonders anfällig für Verzerrungen, weil in diese Sachverhalte aus dem Fußballfan-Reiseverkehr fließen – oft solche mit mehreren Tatverdächtigen und Straftaten. Ein Beispiel: Anfang Februar lieferten sich Fans von Werder Bremen und dem Hamburger Sportverein eine Prügelei in einem ICE, die Bundespolizei stoppte den Zug in Duisburg, es gab mehrere Beschuldigte. Obwohl diese Gewalttaten Eingang in die Duisburger Statistik finden dürften, ging von ihnen keine Gefährdung für Reisende im Hauptbahnhof aus.
Armin Roggon sagt zur Polizeiarbeit, auf Gewaltstraftaten werde bei der Bundespolizei „ein besonderes Augenmerk gelegt. Durch verschiedene Projektgruppen zum Themenkomplex Gewaltkriminalität sollen Intensivtäter – auch mithilfe der Videotechnik – identifiziert und mit Maßnahmen wie Hausverboten und Beförderungsausschlüssen belegt werden.“
Vermehrt Waffenverbote: 53 gefährliche Gegenstände sichergestellt
Zudem richtet die für Duisburg zuständige Bundespolizeidirektion Sankt Augustin vermehrt Allgemeinverfügungen ein, die das Mitführen von gefährlichen Gegenständen und Waffen untersagen. Zuletzt galt ein solches Verbot von Weiberfastnacht bis Karnevalsdienstag. Auch vom 17. November 2025 bis zum 1. Januar 2026 durften Passanten im Hauptbahnhof keine „gefährlichen Gegenstände“ im Gepäck haben. In diesem Zeitraum stellten die Beamtinnen und Beamten 53 gefährliche Gegenstände sicher, am häufigsten Messer.
Bundespolizei: Zuständigkeit & Statistik
Der Zuständigkeitsbereich der Landespolizei (hier: der Polizei Duisburg) reicht bis auf den Bahnhofsvorplatz, während die Bundespolizei nur auf dem Gebiet der Bahnanlagen des Bundes tätig sein darf.
Die Bundespolizei handelt nicht nach dem Polizeigesetz NRW. Ihre Befugnisse regelt das Bundespolizeigesetz (BPolG). Bundespolizisten können demnach (§23, Nr. 4) lageunabhängige Kontrollen durchführen und „verlangen, dass Berechtigungsscheine, Bescheinigungen, Nachweise oder sonstige Urkunden zur Prüfung ausgehändigt werden, wenn der Betroffene aufgrund einer Rechtsvorschrift verpflichtet ist, diese Urkunden mitzuführen.“
Bei den registrierten Straftaten im Zuständigkeitsbereich der Bundespolizei handelt es sich um Verdachtsfälle von Straftaten, die bei der Bundespolizei beziehungsweise durch diese angezeigt wurden. Wie die jeweiligen Strafverfahren enden, berücksichtigen diese Jahreszählungen nicht.





































































