Seit 26 Jahren betreibt Van Minh Lam seinen Asia-Laden an der Duisburger Mercatorstraße. Das Geschäft gleicht einem Tante-Emma-Laden, voll mit Zutaten und Deko-Artikeln aus verschiedenen Ländern. All die Jahre hatte Van Minh Lam einige treue Stammkunden. Ab und zu kamen auch mal Gelegenheitskäufer, die exotische Gerichte kochen wollten. Doch Ende vergangenen Jahres wurde der Duisburger plötzlich berühmt. Bei TikTok und Instagram gehen Videos aus seinem Asia-Laden viral. Seitdem kommen neue Kunden, Influencer und sogar der Spiegel hat über ihn berichtet. „Schuld“ sind seine Töchter Lyann, Syann und Joann.

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„Wir haben kleine Kameras ins Sortiment aufgenommen“, erzählt der 53-Jährige. Sie sind etwa so groß wie eine Streichholzschachtel, der neueste Trend. Man kann sie sich um den Hals hängen, an den Schlüsselbund haken, und einfach zu jeder Gelegenheit Fotos machen. Van Minh Lam druckte Werbung für einen Aufsteller, den er vor seinen Laden postierte. Doch seine Töchter protestierten. „Papa, da muss man mehr machen“, sagten sie – und legten los. Sie schnappten sich die Kameras und ihre Handys und setzten das Produkt samt Laden in Szene.
Ladeninhaber möchte Duisburgern „ein Stück Heimat“ vermitteln
Sie filmten sich, den Papa und beispielsweise sämtliche Tütensuppen und -Nudeln. Van Minh Lam profitiert nämlich davon, dass japanische Suppen, koreanische Gerichte oder vietnamesischer Kaffee gerade total angesagt sind. „Ich will nicht nur Ware verkaufen, sondern den Leuten auch ein Stück Heimat vermitteln“, beschreibt er.
In den 1990er Jahren kam die nach Duisburg. Ursprünglich hat die Familie chinesische Wurzeln. Doch die Großeltern gingen nach Vietnam. Später besaßen seine Eltern in Laos ein kleines Geschäft und galten damit in den Augen der Regierung als Kapitalisten. Als die Kommunisten an die Macht kamen, flohen sie zunächst über die Grenze nach Thailand und stellten dort einen Asylantrag.
Die Hilfsorganisation „Cap Anamur“ brachte sie nach Deutschland. Erst landeten sie in einem Auffanglager in Bergkamen. Später ging’s ins Ruhrgebiet. „Das war damals noch ganz anders. Wir haben 20 D-Mark Begrüßungsgeld bekommen. Davon haben wir etwa Bonbons gekauft“, erinnert sich Van Minh Lam.
Familie kam in den 1990er Jahren nach Deutschland
Und noch etwas hat er bildhaft vor Augen: „Ich kann mich noch gut erinnern, wie mein Vater in Discountern einen ganzen Wagen voll Reis eingekauft hat, weil er nicht verstand, dass es den Reis nur in kleinen Kochbeuteln gab.“ Mit 20 Paketen kamen sie erst einmal über die Runden. 2001 eröffneten sie dann den Asia-Markt, denn es gab noch mehr Lebensmittel, die sie vermissten.

Seitdem hat sich das Sortiment ständig vergrößert. Er führt gekühlte „Hähnchenschenkel“ oder „Ente“ auf Soja-Basis, empfiehlt Abnehmwilligen Konjac-Nudeln ohne Kohlenhydrate. Und natürlich gibt es auch Dutzende verschiedene Instant-Suppen.


Immer mehr gleicht sein Laden den typischen Convenience-Stores „7 Eleven“, die es überall in Asien gibt. Die riesigen Säcke Reis hat er etwas zur Seite geräumt und stattdessen eine kleine Theke eingerichtet. Mittags kann man sich hier seine Ramen-Suppe selbst zubereiten. Das geht so: Van Minh Lam stellt Wasserkocher, Dampfgarer und eine Mikrowelle bereit. Der Kunde sucht sich beispielsweise seine Lieblingsnudeln aus. Die Top-Ten (scharf, sehr scharf, mit Carbonara-Geschmack oder etwa Hühnchen-Aroma) sind oberhalb der Theke aufgereiht.
Kunden können Snacks selbst zubereiten
Neben der Mikrowelle stehen die Regeln: Nudeln aussuchen und an der Kasse bezahlen. Heißes Wasser ist gratis. Toppings wie Sojasprossen, Edamame oder Würstchen kann man sich aus dem Kühlschrank holen (1,50 Euro). Zusätzliche Essstäbchen werden mit 30 Cent berechnet. Ein Euro kostet die Benutzung der Ramenschüssel. Alles erwärmen, drei Minuten warten und dann auf einem der Hocker Platz nehmen. Genießen und danach gerne bewerten: „Post it, was dich bewegt!“ steht über der Theke.

Und die Kundinnen und Kunden werden kreativ: „Super lecker!“, denkt sich eine Katze. Auf einem Zettel mit vielen Herzchen steht: „Endlich mal in Duisburg! Super! Immer wieder!“ Auch der gemalte Kugelfisch ist völlig aus dem Häuschen.
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Van Minh Lam freut sich über den Internet-Ruhm. Nicht nur, dass jetzt wieder mehr Kunden kommen und sogar Vertreter der Industrie- und Handelskammer mal in dem Laden vorbeischauten. „Es ist auch einfach eine Wertschätzung für meine Arbeit, die wir hier seit Jahren machen.“ Ideen für Videos haben er und seine Töchter jedenfalls noch genug.
Die Öffnungszeiten
Der „Asia-Markt“ an der Mercatorstraße 50 hat montags bis freitags von 10.30 Uhr bis 19 Uhr sowie am Samstag von 11 Uhr bis 18 Uhr geöffnet.





