Atomkraftgegner rechnen damit, dass der erste von 152 Castor-Transporten in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch quer durch Nordrhein-Westfalen rollen könnte – und auf einem Abschnitt über Duisburger Stadtgebiet. Die Anzeichen verdichten sich, dass der Atommüll wie erwartet über die A42 und die Beeckerwerther Rheinbrücke transportiert wird. Unmittelbar am Wegesrand der mit einem Großaufgebot der Polizei gesicherten Schwerlasttransporte werden in diesem Fall die Duisburger Stadtteile Baerl, Beeckerwerth, Beeck, Bruckhausen, Alt-Hamborn, Obermeiderich und Neumühl liegen, in einigen Abschnitten mit Wohnbebauung.

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Auf der gut 170 Kilometer langen Strecke von Jülich (Kreis Düren) ins münsterländische Ahaus (Kreis Borken) sollen mit Spezial-Lkw über die Straße rund 300.000 Brennelemente-Kugeln aus dem früheren Versuchsreaktor in Jülich per Lkw transportiert werden. Es wurden 152 Einzeltransporte beantragt, die aber gebündelt werden könnten.

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Castor-Transporte von Jülich nach Ahaus: Es bleibt nur der Weg über die A42

Seit im Sommer 2025 das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) einem Logistikunternehmen im Auftrag der Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN) den Transport der Brennelemente ins Zwischenlager Ahaus genehmigt hat, wird über die Route spekuliert. Streckenführung und Transporttermine unterliegen der Geheimhaltung. Allerdings gibt es wegen der notwendigen Rheinquerung kaum eine Auswahl.

Probefahrt eines Atommülltransportes auf der A59 in Duisburg.
Probefahrt eines leeren Castor-Behälters: Die Testfahrt führte am 21. November 2023 über die A59. Dieser Streckenabschnitt steht wegen der maroden Berliner Brücke nicht mehr zur Verfügung. © FUNKE Foto Services | STEFAN AREND

Probetransporte führten Ende 2023 über die A44-Brücke am Flughafen Düsseldorf, durch das Autobahnkreuz Kaiserberg (A3/A40) und das Kreuz Duisburg (A40/A59), über die A59 und die A42. Diese Zickzack-Route ist wegen der Ablastung der maroden Berliner Brücke (A59) auf Lkw bis maximal 40 Tonnen nicht mehr möglich – ein Castortransporter wiegt insgesamt etwa 130 Tonnen.

Der Weg auf der A3 geradeaus Richtung Oberhausen dürfte wegen der Großbaustelle im Kreuz Kaiserberg und der Engstellen dort auf absehbare Zeit ebenfalls versperrt sein. Weil die Schwertransporte also in Duisburg weder durch den „Spaghettiknoten“ noch über die A59 fahren können, kommt auch die neue Rheinbrücke Neuenkamp (A40) nicht infrage – es bleibt nur noch die nördlichste Rheinquerung im Autobahnnetz NRW: die A42 mit der Beeckerwerther Rheinbrücke.

Drohnenverbotszone für Polizeieinsatz

Für diese Route spricht auch die Flugverbotszone für Drohnen (von Freitag, 20. März, bis Freitag, 27. März) entlang der Autobahnen von Jülich nach Ahaus, die das Bundesverkehrsministerium vorige Woche anscheinend versehentlich auf der „Digitalen Plattform Unbemannte Luftfahrt“ (dipul.de) veröffentlicht hatte.

Der WDR berichtete über das Drohnenverbot „wegen eines polizeilichen Einsatzes in Nordrhein-Westfalen“. Diese Verbotszone gilt auch für die A57 und die A42 in Duisburg, zwischen den Kreuzen Kamp-Lintfort und Oberhausen-West.

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BUND warnt vor Gefahren: „Der absolute Irrsinn“

Im juristischen Kampf gegen die Atommüll-Transporte spielt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) eine Schlüsselrolle im Lager der Gegner. Die Duisburger Aktivistin Kerstin Ciesla ist die zweite Vorsitzende des BUND NRW. Auch sie rechnet mit dem ersten Castor-Transport in der Nacht auf Mittwoch: „Darauf deuten verschiedenste Quellen hin.“

Der BUND wollte den Transport mit der Begründung verhindern, dass die Sicherheit der Castoren bei der Fahrt über die Straßen im Fall von Störmaßnahmen Dritter nicht gewährleistet sei. Das Verwaltungsgericht Berlin hatte einen ersten Eilantrag zurückgewiesen, das Oberverwaltungsgericht bestätigte diesen Beschluss.

„Aber in der Hauptsache haben sich beide Gerichte noch nicht mit den Sicherheitsrisiken und -bedenken auseinandergesetzt“, erklärt Ciesla. „Dass der größte Atommüll-Transport, den es jemals in der Bundesrepublik gab, trotzdem starten soll, ist der absolute Irrsinn.“ Ciesla verweist auf ein Gutachten zu möglichen Terrorgefahren bei den Transporten: „Wendet man dies auf die Strecke der A42 an, wird mir angesichts der dichten Wohnbebauung übel.“ Es sei „einfach zu gefährlich, 288.161 bestrahlte Brennelemente durch das dicht besiedelte Ruhrgebiet zu transportieren“.

BUND plant am Dienstagabend Mahnwache in Baerl

Der BUND NRW plant am Dienstagabend, 24. März, eine Mahnwache in der Nähe der Castor-Strecke. Die Gegner der Transporte wollen sich in Duisburg-Baerl treffen: um 20 Uhr, an der Ecke Hegentweg/Rheindeichstraße, mit Blick auf die Beeckerwerther Rheinbrücke. Möglicherweise werden sie von dort aus nach Mitternacht den schwer bewachten Konvoi sehen können – sofern die Premiere tatsächlich in der Nacht auf Mittwoch erfolgt.

Tausende Polizisten sichern den Transport

Patrick Schlüter, NRW-Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), schätzt, dass für den bevorstehenden Atommüll-Transport bis zu 4500 Polizisten benötigt werden. „Zum Vergleich: Bei einem Derby von Dortmund gegen Schalke oder Mönchengladbach gegen Köln sind üblicherweise 2500 bis 3000 Beamte im Einsatz“, sagte Schlüter der „Rheinischen Post“.

Das Innenministerium hält diese Schätzung für übertrieben. „Konkrete Zahlen zum Personalaufwand bei Castor-Transporten werden zum aktuellen Zeitpunkt aus einsatztaktischen Gründen nicht genannt. Die aktuell wiedergegebene Schätzung ist jedoch nicht zutreffend“, erklärte ein Sprecher des Ministeriums auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa.

GdP-Landeschef Schlüter betonte, dass ein Strahlenschutz- und Arbeitssicherheitskonzept vorliege, das weit über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehe. „Deswegen sind wir als GdP NRW damit zufrieden – auch wenn wir diesen Einsatz natürlich weiter für unnötig halten.“

Auch NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) ist kein Fan von dem Einsatz: „Wenn es nach mir ginge, könnte ich auf die anstehenden Castor-Transporte gerne verzichten. Aber die Arbeit der Polizei ist kein Wunschkonzert. Wir können uns die Einsätze nicht aussuchen.“ (dpa)