Günjan Bhandari lässt ihre Finger über die vier Saiten tanzen. Ihre Akkorde schweben hinein in einen Raum, in dem 30 Hobby-Musiker dicht an dicht sitzen. Günjan Bhandaris mit Tiersymbolen verzierte Ukulele liegt leicht am Körper an. Den Korpus hält sie mit der rechten Hand. Ihr Blick richtet sich auf die Wand, auf der Text und Akkorde projiziert sind. Günjan Bhandari stimmt mit ein in einen Chor. „Auf einem Baum ein Kuckuck, simsalabim, bamba saladu, saladim, auf einem Baum ein Kuckuck saß“, schallt es durch den Raum.

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Günjan Bhandari hat Spaß am Mitsingen. Bis zum heutigen Tag kannte sie dieses Volkslied nicht. „Ich habe mir das Ukulelespielen mit YouTube selber beigebracht“, sagt die 23-Jährige in einer kleinen Pause. „In den Videos lief aber meistens Popmusik.“ Die gebürtige Nepalesin wollte nicht nur alleine in der Wohnung musizieren. Also suchte sie nach einem Angebot zum Mitmachen: Bei ihrer Internet-Recherche stieß Günjan Bhandari auf den Ruhrpott-Ukulelen-Stammtisch. Und deshalb packte sie ihr Instrument in die Tasche und fuhr zum Treffen ins Duisburger Falken-Jugendheim-Bauernhaus.

Musik verbindet: Ehepaar teilt Leidenschaft

Heiko Heckes ist an diesem Abend für die Liederauswahl zuständig. Der 57-Jährige hat den Stammtisch mit ins Leben gerufen. „Ich mach schon ewig und drei Tage Musik“, sagt der Duisburger. Die Leidenschaft teilt er mit seiner Frau Britta. Sie hat eine Vorliebe für Klassik und spielt auch Kontrabass. „Aber das ist kein Instrument für unterwegs“, sagt Heiko Heckes. „Du kannst ja nicht mit einem Kontrabass auf dem Spielplatz stehen.“

Duisburg - Stammtisch der Ruhrpott-Ukulelen
Beim Stammtisch der Ruhrpott-Ukulelen machen die Besuchenden gemeinsam Musik.© FUNKE Foto Services | Lars Heidrich

Bei einem Ausflug ins niederländische Winterswijk traf das Ehepaar ein paar Ukulelen-Spieler. Kurz darauf kauften sich die Heckes jeweils ein Zupfinstrument und organisierten mit Freunden ein Treffen. Seit rund 15 Jahren gibt es den Stammtisch mit wechselnden Orten im Ruhrgebiet. Manchmal ist ein Ukulelenbauer zu Gast und spricht über die Technik. Wenn es die Teilnehmer wünschen, geht es bei den Treffen auch um Musiktheorie. „Aber das gemeinsame Spielen und Singen steht immer im Vordergrund“, sagt Heiko Heckes.

Duisburg - Stammtisch der Ruhrpott-Ukulelen
Klein, aber oho: die Ukulele.© FUNKE Foto Services | Lars Heidrich

An diesem Frühlingsabend ist der Andrang größer als erwartet. Heiko Heckes holt Stühle und Barhocker aus einem Abstellraum. Die Musiker auf der Bank rücken noch näher zusammen. Heiko Heckes hat eine Ahnung, warum die Ukulele so beliebt ist. „Du brauchst nur zwei, drei, vier Akkorde lernen – und schon kannst Du die Hitparade spielen“, erklärt der Mitgründer. Und die Bandbreite ist enorm: An manchen Abenden folgt auf das Kinderlied „Pippi Langstrumpf“ der Rock-Klassiker „Born to be Wild“.

Duisburg - Stammtisch der Ruhrpott-Ukulelen
Mit wenigen Akkorden entsteht ein Gemeinschaftsgefühl.© FUNKE Foto Services | Lars Heidrich

Musik verbindet: Ukulelenrunde schafft Gemeinschaftsgefühl

Heiko Heckes nimmt nun wieder Platz an seinem Tisch. Er tippt auf der Tastatur seines Laptops herum. Und auf der Wand erscheint der Titel „Always Look on the Bright Side of Life“. Die Besucher bringen ihre Ukulelen in Position, zupfen die Saiten und singen gemeinsam den Song aus dem Kultfilm „Das Leben des Brian“. Ein Teilnehmer übernimmt den markanten Pfeif-Part.

Das ist sofort ins Ohr gedrungen, und deshalb habe ich mir auch so ein Instrument gekauft.

Duisburg - Stammtisch der Ruhrpott-Ukulelen
Werner Auerswald, Rentner

Der Gute-Laune-Song passt zu der Stimmung im Raum. Die Neueinsteiger gehören nach wenigen Akkorden schon zur Gemeinschaft. Wer schon länger dabei ist, gibt seinem Sitznachbarn noch Tipps zum Anschlagen der Saiten. Zu den Stammgästen gehört auch Werner Auerswald. Der 76-Jährige spielt eigentlich Gitarre. Dann hat er aber auch die Ukulele für sich entdeckt. „Dieser Hawaiianer hat auch dazu beigetragen“, sagt Werner Auerswald.

Treffen in Essen und Mülheim        

Die nächsten Termine stehen bereits fest. Am Sonntag, 7. Juni, ist das Unperfekthaus Essen der Schauplatz des 63. NRW-Ukulelen-Treffens. Um 11 Uhr geht es los. Zum nächsten Stammtisch treffen sich die Hobby-Musiker am Mittwoch, 8. Juli, in der Sol-Kulturbar in Mülheim an der Ruhr. Das Treffen beginnt um 19 Uhr. Weitere Infos und Termine gibt es unter: www.ruhrpott-ukulelen-stammtisch.de

Damit meint er Israel Kamakawiwoʻole. Der 1997 verstorbene Musiker landete posthum einen Hit. Sein auf der Ukulele gespieltes Medley aus „Somewhere over the Rainbow“ und „What a Wonderful World“ schaffte es auch in Deutschland auf Platz eins der Charts. „Das ist sofort ins Ohr gedrungen, und deshalb habe ich mir auch so ein Instrument gekauft“, sagt der Rentner. Werner Auerswald lässt mit den vier Saiten gerne kölsche Lieder erklingen. Songs der „Bläck Fööss“ gehören zu seinen Favoriten.

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Im Falken Jugendheim Bauernhaus stimmen die Musiker heute internationale Songs an. Heiko Heckes ist als „überzeugter Lagerfeuer-Schrammler“ in seinem Element. Wer zuvor noch leise mitgesummt hat, singt bei „I like the Flowers“ voller Inbrunst mit. Auch Günjan Bhandarai ist textsicher. Die Neueinsteigerin hat schon nach wenigen Songs eine Entscheidung getroffen. „Beim nächsten Mal komme ich wieder“, sagt sie. „In der Gruppe macht es viel mehr Spaß als allein vorm Computer.“