Große Aufregung und eine stundenlange Suche mit einem Ende hunderte Kilometer von Duisburg entfernt: Die Polizei ist in der Nacht zu Dienstag zur Helios St. Johannes Klinik nach Hamborn ausgerückt. Ein Baby galt dort seit 2 Uhr als vermisst. Eine großangelegte Suche fand erst am Dienstagabend in Ungarn ihr Ende.

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Am Dienstagmorgen machten zunächst Gerüchte um eine Entführung die Runde. Doch schnell kristallisierten sich die wahren Hintergründe heraus: Laut Polizei war der sechs Monate alte Junge zur Behandlung in der Kinderklinik. Seit wann, das ist öffentlich nicht bekannt. Was aber klar ist: Die Mutter verschwand dann ohne Absprache mit dem Kind. Das Bett war plötzlich leer. „Aufgrund des Gesundheitszustandes besteht Lebensgefahr für den Jungen“, verdeutlichte Polizeisprecherin Julia Tekock am Dienstagmorgen.

Der Junge wurde bis zu seinem Verschwinden in der Kinderklinik behandelt.
Der Junge wurde bis zu seinem Verschwinden in der Kinderklinik behandelt.© FUNKE Foto Services | Daniel Attia

Baby verschwand aus Helios St. Johannes Klinik: Kind in schlechtem gesundheitlichen Zustand

„Das Kind braucht medizinische Unterstützung“, unterstrich auch Dr. Benjamin Berlemann die heikle Lage. Er ist der Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im St. Johannes. Zum Zeitpunkt des Verschwindens hatte der kleine Junge einen Zugang in der Vene, und benötigte dringend Antibiotika. Die Lebensgefahr sei nicht akut, aber das Kind sei „gesundheitlich in Gefahr, weil es schlecht versorgt ist“, ordnete der Mediziner ein.

Deshalb habe man in der Nacht auch die Polizei verständigt. Es handele sich jetzt um einen klassischen Kinderschutzfall. Das bedeutet: Das Verhalten der Eltern gefährdet in solchen Fällen das Wohl des Kindes.

Das Kinderschutzzentrum eröffnet in Hamborn
Dr. med. Benjamin Berlemann, Chefarzt der Kinder- und Jugendklinik des Helios St. Johannes-Krankenhauses.© FUNKE Foto Services | Alexandra Roth

Deshalb wurde im Laufe des Krankenhausaufenthaltes die Kinderschutzgruppe hinzugezogen. Diese Experten sind darauf spezialisiert, Kindeswohlgefährdungen zu entdecken. Das können Verletzungen sein oder Hinweise auf Vernachlässigung.

Ob dieser Schritt die Mutter in Panik versetzte? Dass sich Eltern der weiteren Unterstützung durch Ärzte oder das Jugendamt entziehen, komme nach Berichten des Chefarztes vor. Das nächtliche Verschwinden sei für ihn ein unabgesprochenes Abbrechen der Behandlung. „Wir sind aber auch keine geschlossene Einrichtung“, betont Berlemann. „Die Familie hat das absolute Recht, den stationären Aufenthalt zu beenden, sie hat ja auch das Sorgerecht.“ Der Arzt hofft, dass die Familie in die Klinik zurückkehrt, damit die Behandlung des Kindes fortgesetzt werden kann.

Polizei suchte mit Hochdruck nach Mutter und Baby

Nach der 31 Jahre alten Mutter und dem Baby wurde mit Hochdruck gesucht. Es handelt sich um rumänische Staatsbürger. Die Wohnadresse war den Ermittlern bekannt, dort konnten sie Mutter und Kind allerdings nicht antreffen. Auch der Einsatz von Personenspürhunden blieb erfolglos.

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Allerdings hatten die Ermittler eine Vermutung: Erkenntnisse deuteten darauf hin, dass die Frau gemeinsam mit einem Mann und mehreren Kindern im Alter von 1 bis 13 Jahren in einem VW Sharan mit ausländischem Kennzeichen unterwegs sein könnte.

Diese Spur erwies sich offenbar als richtig. Am Dienstagabend wurden die Mutter mit der kräftigen Statur und das gesundheitlich schwer angeschlagene Baby in Ungarn gefunden. Die genauen Umstände waren am späten Abend noch unklar. War die Familie unterwegs nach Rumänien? Vieles deutet darauf hin. „Das Baby wird derzeit medizinisch versorgt und ist den Umständen entsprechend wohlauf“, teilte die Polizei mit.

Bei der intensiven Suche hatte die Behörde auch die Bevölkerung um Mithilfe gebeten und ein Lichtbild der 31-Jährigen veröffentlicht.

Einsatzkräfte durchsuchten nachts die Zimmer

In der Nacht zuvor war die Aufregung auf dem Klinikareal groß gewesen: Augenzeugen berichten von zahlreichen Einsatzkräften, die in der Nacht rund um das Krankenhaus an der Dieselstraße nach dem Kind suchten.

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Unter Patienten war das verschwundene Baby am Morgen danach das Gesprächsthema. Viele berichten, Polizisten nachts vor dem Klinikgebäude gesehen zu haben. „Ich habe die Polizei gesehen, aber dachte, es gehe vielleicht um einen Betrunkenen“, berichtet eine Patientin, die nachts in der Notaufnahme gewartet hatte. Als sie von dem verschwundenen Baby erfuhr, war sie schockiert. „Das ist wirklich furchtbar.“

Mit zahlreichen Einsatzkräften suchte die Polizei im Klinikumfeld.
Mit zahlreichen Einsatzkräften suchte die Polizei im Klinikumfeld.© abr68 - stock.adobe.com | ABR68

Eine weitere Patientin berichtet, dass die Einsatzkräfte nachts auch die Zimmer durchsucht hätten. „Hoffentlich ist die Mutter vernünftig und meldet sich von selbst“, sagt sie. Falls dem Kind etwas passiere, müsse sie das schließlich verantworten.

Dass die Klinik zu jeder Tag- und Nachtzeit betreten werden kann, löst bei einigen Patienten, die am Dienstag draußen vor dem Klinikgebäude sitzen, ein mulmiges Gefühl aus. Zwei Frauen erzählen, dass sie sich hier nicht sicher fühlen. „Hier kann jeder reinspazieren. Und dann passiert so etwas.“