Duisburg hält seit Freitag nicht mehr den Rekord der höchsten Temperatur, die seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland gemessen wurde. Mit 41,3 Grad wurde an der Wetterstation in Saarbrücken-Burbach am Freitag ein neuer Höchstwert erfasst, am Samstag war es in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt mit 41,5 Grad sogar noch heißer.

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Das teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) den Nachrichtenagenturen dpa und AFP mit. Bislang lag der Hitzerekord in Deutschland bei 41,2 Grad, gemessen am 25. Juli 2019 in Duisburg-Baerl und Tönisvorst (Kreis Viersen). Das Wetter war am Wochenende aber auch in Duisburg extrem – und verursachte Schäden an der städtischen Infrastruktur.

Hitze in Duisburg: 40 Grad in Hochfeld und 39,3 in Hochfeld gemessen

An der bisherigen Rekord-Station des DWD in Baerl kletterte die Temperatur am Freitagnachmittag laut wetter.com immerhin auf 39,3 Grad. Noch heißer war es in Hochfeld. Die Wetterstation im dichter bebauten Stadtteil zeigte am Freitag 40 Grad an, wie ein DWD-Sprecher auf Nachfrage berichtete.

Die 39,3 Grad an der Baerler DWD-Station zählten am Freitag zu den offiziellen Höchstwerten in NRW – Tönisvorst knackte offiziell die 40-Grad-Marke. Der NRW-Hitzerekord für einen Juni-Tag hatte zuvor bei 38,3 Grad gelegen, gemessen am 18. Juni 2002 in Herten. Am Samstag lagen die Temperaturen in Duisburg etwa zwei Grad unter denen des Freitags.

In Duisburg gibt es zwei Wetterstationen, deren Daten Medien aufgreifen können: zum einen die des DWD im ländlichen Baerl. Auf dem freien Feld dort am Niederrhein waren 2019 die 41,2 Grad gemessen worden. Die zweite Station in Hochfeld ist seit 2006 Teil des privaten Messnetzes von DTN. An jenem historischen 25. Juli 2019 zeigte das Thermometer dieser Station sogar noch eine höhere Temperatur an als das in Baerl: 41,6 Grad, wie Beate Debiel berichtet, die das DTN-Netzwerk verwaltet.

  • Die Stadt Duisburg hat ihre Karte kühler Orte überarbeitet – und unter anderem um coole Wege erweitert. Zur Karte.

Sturmschäden in Marxloh, Stromausfälle in ganz Duisburg

Aber die offiziellen Rekordwerte bestimmt mit dem DWD der staatliche Wetterdienst allein. In dessen Hitliste schaffte es Duisburg-Baerl am Freitag zeitweise „nur“ unter die 20 höchsten Werte in Deutschland, ein Grund dürfte die Bewölkung am Niederrhein gewesen sein. Noch heißer war es am Wochenende an Messstationen in Hessen, Rheinland-Pfalz, im Saarland, in Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt.

Der DWD warnte in Duisburg dennoch am Samstag den zehnten Tag in Folge vor den Folgen extremer Hitze. Am Freitag gab in mehreren Supermärkten die Kühlung auf, die Betreiber räumten die Kühlschränke aus. Der Zoolauf am Freitagabend wurde abgesagt, die am Samstagvormittag geplante Eröffnungstour für das Stadtradeln ebenfalls.

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Noch am Freitagabend zogen Starkregenfelder und Gewitter über den Stadtnorden hinweg, in anderen Teilen der Stadt blieb es beim Wetterleuchten. Marxloh wurde von einem unwetterartigen Sturm getroffen: Auf der Weseler Straße krachten am späten Freitagabend mehrere Äste auf die Oberleitung einer vorbeifahrenden Straßenbahn.

Am Samstag waren auch die Techniker der Netze Duisburg im Dauereinsatz: Über die Stadt verteilt kam es wegen der hohen Temperaturen immer wieder zu kleinräumigen Stromausfällen im Niederspannungsnetz.

Der Bahnbetreiber National Express stellte am Samstag mehrere wichtige Bahnverbindungen in NRW vorübergehend ein, „um Risiken für Fahrgäste und Fahrpersonal zu minimieren“. Zwischen 13 und 19 Uhr blieben die RRX-Züge in den Depots, die Linien RE 1 (RRX), RE 4, RE 5 (RRX), RE 6 (RRX) und RE 11 (RRX) fuhren nicht. 

Sprühnebel-Tunnel beim Beachart-Festival im Innenhafen

Die Extraschicht im Landschaftspark und im Innenhafen am Samstag wurde nicht abgesagt. Beim „Beachart-Festival“ im Innenhafen will Duisburg Kontor die Gäste mit einem Sprühnebel-Tunnel und Düsen, Pavillons und Zelten abkühlen, die Stadtwerke bieten kostenloses Wasser an. Besucher dürfen selbst Getränke aufs Gelände mitbringen. Die Johanniter sind mit mehr Einsatzkräften und Rettungswagen vor Ort. Am Samstag werden in Duisburg Temperaturen bis zu 38 Grad erwartet.

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Warum wird es in Duisburg besonders heiß?

Von den beiden Duisburger Wetterstationen dürfte die Hochfelder eher als die Baerler das Großstadtklima und die Wärmebelastung abbilden, der viele Bewohner der innerstädtischen Duisburger Viertel an Hitzetagen ausgesetzt sind. So erklärt der DWD zu seinen amtlichen Hitzewarnungen: „Mit einer zusätzlichen Belastung aufgrund verringerter nächtlicher Abkühlung ist insbesondere im dicht bebauten Stadtgebiet von Duisburg zu rechnen.“ 

Warum aber wird es ausgerechnet in Duisburg so heiß? Der Rhein spielt dabei entgegen weitverbreiteter Annahmen wohl keine unmittelbare Rolle, erklärte Diplom-Meteorologe Thomas Kesseler-Lauterkorn, beim DWD stellvertretender Leiter des regionalen Klimabüros Essen, unserer Redaktion 2025. Er sagt, vorrangig treiben Folgen der geografischen Lage und Topografie (Gelände) die Temperaturen im Hotspot Duisburg in die Höhe.

Denn Duisburg liegt in einer der wärmsten Regionen Deutschlands, in einem Dreieck von Kölner Bucht, Niederrhein und westlichem Ruhrgebiet – in den tiefsten Lagen Nordrhein-Westfalens. Wenn Kesseler-Lauterkorn Duisburgs „Orografie“ anführt, dann meint er im meteorologischen Sinne den Einfluss des Geländes auf das Wetter. Stark vereinfacht gilt: An Orten, die besonders tief liegen, kann es besonders warm werden.

Es ist also kein Zufall, dass Duisburg den deutschen Hitzerekord gemeinsam mit Tönisvorst hielt: Auch dort, im Kreis Viersen – ebenfalls am Niederrhein – wurden am 25. Juli vor sieben Jahren 41,2 Grad Celsius gemessen. Die meisten DWD-Stationen, die noch tiefer liegen als die in Baerl (24 Meter über dem Meeresspiegel), haben Standorte in der kühleren Küstennähe.

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Duisburgs Lage in der westdeutschen Tiefebene kann in bestimmten Großwetterlagen zudem dazu führen, dass heiße Luftmassen aus Afrika und Spanien ungehindert über Westfrankreich und das Pariser Becken hinweg in den Westen NRWs ziehen. Ein Gebirge kommt der Warmluft in solchen Fällen nicht in den Weg.

Drittens erhitzen die bekannten „Ballungsgebietseffekte“ Duisburg zusätzlich, sagt Kesseler-Lauterkorn. Zu Wärmeinseln führen beispielsweise der hohe Anteil versiegelter und bebauter Flächen, aber auch Luftschadstoffe und „anthropogene“, also menschengemachte Wärmefreisetzung durch Verkehr und Industrie an Europas größtem Stahlstandort.

Immer mehr Hitzetage in Duisburg

Statistisch eindeutig belegt ist, dass es immer mehr Hitzetage in Duisburg gibt, also Tage, an denen die Höchsttemperatur 30 Grad erreicht oder überschreitet. Gerade mal fünf davon gab es in Duisburg laut Klimaatlas NRW zwischen 1951 und 1980 pro Jahr, zwischen 1991 und 2020 waren es schon elf. Der Rekord liegt bei 23 Hitzetagen im Jahr 2006.