Meist schaffen es nur Top-Ergebnisse auf die Titelseiten. Es geht in unserer Gesellschaft vornehmlich um schneller, besser oder weiter. Doch wahre Erfolgsgeschichten sind nicht immer an Superlative gekoppelt. Desmond Imade und Maya Sapor aus Duisburg haben ihr Abitur mit Durchschnittsnoten von 3,1 und 2,8 geschafft – und das im zweiten Anlauf. Wieso ist das eine Story wert? Weil es sich bei den beiden um Kämpfer handelt, um junge Menschen, die sich trotz widriger Umstände ein Ziel gesetzt und es auch erreicht haben.

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Beide gehören dem sogenannten „weißen Jahrgang“ an. In NRW bezeichnet man damit diejenigen Schülerinnen und Schüler, die entweder an Gesamtschulen oder Berufskollegs ihr Abitur gemacht haben oder an einem der wenigen Bündelungs-Gymnasien. Denn: Regulär gibt es an den Gymnasien wegen der Umstellung von G8 auf G9 2026 keine Abitur-Jahrgänge. Das Mercator-Gymnasium versammelt als einzige Schule alle Schüler, die entweder von einer Haupt-, Real- oder Sekundarstufe in die gymnasiale Oberstufe gewechselt oder die im vergangenen Jahr durchgefallen sind.

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Besondere Abiturienten aus Duisburg: „Habe nie aufgegeben“

Maya und Desmond haben es jetzt geschafft und sind stolz. „Ich freu’ mich einfach sehr, dass ich endlich fertig bin. Letztes Jahr hat mir ein Punkt gefehlt“, erzählt Maya. Um die allgemeine Hochschulreife erneut in Angriff zu nehmen, wechselte sie vom Landfermann-Gymnasium ans Mercator-Gymnasium. „Das hat hier toll geklappt, die Lehrer haben sich super bemüht und sind sehr auf uns alle eingegangen“, erklärt Maya.

Die beiden haben ihr Abitur an einem besonderen Jahrgang am Mercator-Gymnasium gemacht.
Die beiden haben ihr Abitur an einem besonderen Jahrgang am Mercator-Gymnasium gemacht.© FUNKE Foto Services | Rainer Hoheisel

Desmond stimmt zu. „Wir haben direkt zu Anfang ein Wochenend-Seminar mit Übernachtung gemacht, um uns besser kennenzulernen und das war wirklich toll, da habe ich viele Leute kennengelernt und Kontakte geknüpft.“ Desmond ist vor drei Jahren aus Wuppertal nach Duisburg gezogen. Dort hat er zunächst die Hauptschule besucht. „Ich wusste immer, dass ich mehr Bildung erhalten möchte und dass ich irgendwann studieren will. Es hat nur nicht direkt geklappt.“

Nach dem Hauptschulabschluss hat er seine Mittlere Reife abgelegt, musste aber die zehnte Klasse wiederholen. „Trotzdem habe ich nie aufgegeben und mich durchgekämpft. Wenn man ein Ziel hat und daran glaubt, dann kann man das auch erreichen.“

Junge Menschen danken ihren Lehrern

Maya stimmt zu. Die 19-Jährige litt jahrelang unter psychosomatischen Schmerzen, war alle zwei Wochen im Krankenhaus und wusste irgendwann weder ein noch aus. „Ich wollte mein Abitur machen, doch bei 180 Fehlstunden pro Halbjahr habe ich auch verstanden, dass die Lehrer mich nicht beurteilen können, weil ich ja nie da war“, erzählt sie. Dennoch haben die Lehrer am Landfermann-Gymnasium sie nicht einfach aussortiert. „Jeder hat sich um mich bemüht, ich verdanke den lieben Menschen dort nicht nur schulisch, sondern auch privat sehr viel. Sie haben an mich geglaubt und mir eine Chance gegeben. Dass ich dann durchgefallen bin, lag an mir, nicht an den Lehrern.“

Am Mercator fühlten sich die Schüler gut aufgenommen.
Am Mercator fühlten sich die Schüler gut aufgenommen.© FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

An dieser Stelle nickt Desmond. „Ich kann mich nur bei meinem Hauptschullehrer Mr. Aab bedanken. Er hat mir damals gesagt, dass er an mich glaubt, und diese Bestätigung war wahnsinnig wichtig für mich.“ Beide betonen mit Nachdruck, dass sie das Klischee des faulen oder chronisch überarbeiteten Lehrkörpers, dem die Schüler egal sind, nicht bestätigen können. „Wenn wir Hilfe gebraucht haben, dann haben wir sie auch bekommen“, sagen sie. Klar gibt es auch Ausnahmen. Maya spricht beispielsweise ungern über ihre Zeit am St.-Hildegardis-Gymnasium. „Ich wollte schon als Kind da hin, aber irgendwie war ich da am falschen Ort.“

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Abiturienten haben Zukunftspläne

Es hat nicht geklappt für die ehemalige Duisburger Kinderkarnevalsprinzessin. Das Landfermann-Gymnasium hingegen bezeichnet sie als ihre Herzensschule. Aber auch das Mercator-Gymnasium bekommt gute Noten von beiden. Gerade das Oberstufenkoordinatoren-Team wird in den höchsten Tönen gelobt.

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Während Desmond gut im Jahrgang vernetzt ist, hatte Maya allerdings wenige Kontakte in der Stufe. „Ich baue mir parallel gerade schon eine eigene Existenz im Gastro-Bereich auf, wir sind ein Team von drei Leuten, und ich freue mich, wenn wir nach der Fußball-WM unser Wein-Bistro eröffnen.“ Mayas weiterer Lebensweg ist für sie klar: erst eine solide Ausbildung als Kauffrau für Büromanagement, dann Studium im Bereich Gastronomiemanagement, diverse Weiterbildungen als Sommelière… Die junge Frau hat ein klares Ziel vor Augen.

Desmond arbeitet gerade Vollzeit bei einer Versicherung und will danach studieren. Was genau, das weiß er noch nicht. Aber beide werden ihr Ziel beharrlich verfolgen und sicherlich auch Erfolg haben. Im Gegensatz zu vielen anderen Gleichaltrigen ist ihnen ihre bisherige Karriere nicht in den Schoß gefallen, sondern sie haben bereits gelernt, was es heißt, für eine Sache zu arbeiten und sich mit Mut und Ehrgeiz durchzubeißen. Das sind Erfahrungen, die andere meist erst viel später machen.