Es kam einer Invasion gleich: Tausende kleine Tierchen mit weißen Flügeln sind in der Nacht zu Sonntag um die Leuchtröhren am Duisburger Hauptbahnhof geschwirrt. In sozialen Medien hat ein Video der Insekten viel Aufmerksamkeit erzeugt und Zehntausende Likes bekommen. Doch hinter dem scherzhaft kommentierten „Angriff der Motten“ steckt ein ganz natürliches Phänomen.

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Tobias Rautenberg von der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet hat ein Video der Schwärme am Hauptbahnhof in Duisburg gesehen. Der Biogeograph klärt auf: „Das waren Eintagsfliegen. Sie leben nur sehr kurz, teilweise nur Stunden.“ Gerade deshalb ist es für die Art wichtig, dass sich die Larven synchron entwickeln. „Die schiere Masse an Tieren verhindert in der Summe, dass zu viele gefressen werden“, erklärt der Experte.
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Die schiere Masse an Tieren verhindert in der Summe, dass zu viele gefressen werden
Tobias Rautenberg, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet
Schwarm von Eintagsfliegen: Warum sie ausgerechnet zum Hauptbahnhof kommen
Die Wassertemperatur bestimmt als einer der Umweltfaktoren, wann die Tiere massenhaft schlüpfen. Gewöhnlich sei das im August der Fall, durch den niedrigen Pegel habe sich der Rhein in diesem Jahr schneller erwärmt. Die Larven schwimmen zur Wasseroberfläche. Kurz nach der Dämmerung schlüpfen die Insekten, bilden große Schwärme und pflanzen sich in der Luft fort. Anschließend sterben sie.

Doch warum haben sich so viele Eintagsfliegen vom Rhein an den Duisburger Hauptbahnhof verirrt? Auch dafür hat der Experte eine Erklärung: Die Art wird stark von Licht angelockt. Mit knapp „drei Kilometern Luftlinie“ sei die hell erleuchtete Gleishalle nicht zu weit vom Rhein entfernt. Zudem könnte der Wind die Ansammlung begünstigt haben.
An Straßenlaternen konnte man die tanzenden Tiere ebenfalls beobachten, vor allem in Rheinnähe. Auch in Düsseldorf auf der Rheinkirmes mit ihren blinkenden Lampen und grellen Reklametafeln der Fahrgeschäfte wurden die Schwärme gesichtet.
Rhein: Rückkehr der „Vergänglichen Jungfrau“ dank besserer Wasserqualität
Die bis zu 18 Millimeter großen Tiere werden auch als „Vergängliche Jungfrau“ bezeichnet und sind mittlerweile am Rhein wieder weit verbreitet, erklärt Tobias Rautenberg. Das war nicht immer so: Die Art galt als ausgestorben, wurde aber in den 1980er Jahren im Rhein wieder nachgewiesen.
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Durch die zunehmend bessere Wasserqualität des Flusses kam es auch wieder zu einer Ausbreitung. Für die Umwelt sei das ein „positives Zeichen“, bestätigt Rautenberg, wenngleich es noch immer Probleme mit Umweltgiften im Rhein gibt.
Zum Arterhalt haben die Tiere vom Duisburger Hauptbahnhof im Übrigen wohl nicht beigetragen: Normalerweise sterben die Weibchen kurz nach der Paarung, fallen leblos auf die Wasseroberfläche zurück und geben dort ihre Eipakete ab. Bis zu 3000 Eier setzt ein einzelnes Tier frei, die anschließend auf den Grund des Flusses sinken. Als Larven verbringen sie bis zu drei Jahre im Fluss, bevor sie bei warmem Wetter wieder massenhaft schlüpfen. Die toten Elterntiere wiederum dienen Fischen und anderen Bewohnern des Flusses als Nahrung.
Eintagsfliegen führen zu Straßensperrung
Was in Duisburg glimpflich blieb, hatte andernorts schon Folgen für den Verkehr. In Bayern, etwa entlang der Naab in der Oberpfalz, sorgten die Schwärme der Tiere in der Vergangenheit auch schon für Brücken- und Straßensperrungen, erklärt Tobias Rautenberg von der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet.
Da die Schwärme vom Licht der Laternen angezogen werden und nach der Paarung massenhaft sterben, bildet sich schnell ein schmieriger Film auf dem Asphalt, der zu einer spiegelglatten Fahrbahn führt.
Die Feuerwehr musste mehrfach betroffene Bereiche deshalb kurzzeitig für den Verkehr sperren und die Straße reinigen, wie verschiedene Presseberichte zeigen. Um dem vorzubeugen, schalten betroffene Gemeinden in solchen Nächten sogar die Beleuchtung ab.





