„Die ganze Stadt ist gefühlt hier“, sagt Marius. Er sitzt mit seiner Gruppe auf dem Duisburger Weinfest, mitten in der Innenstadt, direkt neben einem Weinstand. Auf dem Tisch stehen mehrere Weingläser, Überbleibsel des letzten Wein-Tastings. Für ihn ist genau das der Punkt: Duisburg kommt zusammen. „Weinfest ist Muss“, sagt er.

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Seit 1986 lädt Duisburg im Sommer zum Weinfest in die Innenstadt. Was einmal mit acht Winzern in der Bierstadt begann, ist inzwischen eines der bekanntesten Weinfeste der Region. Rund 50 Winzer aus fast allen deutschen Anbaugebieten präsentieren in diesem Jahr ihre Weine auf der Königstraße. Dazu gibt es Flammkuchen, Brezeln, Käse, Wurst, Snacks und Musik.

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Aber wer über das Weinfest läuft, merkt schnell: Für viele Besucherinnen und Besucher geht es nicht nur um Wein. Es geht um ein Ritual. Um dieselben Menschen, dieselben Wege, dieselben ersten Stände. Um die Frage, wen man trifft. Und um das Gefühl, dass die Duisburger Innenstadt für ein paar Tage mehr ist als Einkaufsstraße.

Weinfest in der Innenstadt von Duisburg
Für ein paar Tage ist die Königstraße mehr als eine Einkaufsstraße – dank Weinfest.© FUNKE Foto Services | Frank Oppitz

Extra aus Frankfurt angereist: Fürs Weinfest machen die Menschen Urlaub in Duisburg

Auch Marie und Jonas sind extra aus Dortmund angereist, weil sie das Weinfest mögen. „Wir freuen uns jedes Jahr darauf, das ist ein fester Termin bei uns im Kalender“, erzählen sie. Die 71-jährige Ulrike kommt mit ihrer Rentnerinnengruppe, so nennt sie sie selbst, aus Frankfurt zum Weinfest. „Wir buchen uns immer ein Hotel in der Nähe, damit wir die ganzen vier Tage ausnutzen können“, sagt sie nach einem großen Schluck Grauburgunder.

Wir buchen uns immer ein Hotel in der Nähe, damit wir die ganzen vier Tage ausnutzen können.

Ulrike, kommt aus Frankfurt nach Duisburg

Marius und Denise kommen aus Buchholz. Sie sind nicht jedes Jahr da, aber „wenn es klappt“, dann kommen sie. Marius schätzt besonders, „dass in Duisburg oft solche Events stattfinden“. Stadtfest, Weinfest, Veranstaltungen in der Innenstadt – das werde gut angenommen. „Das Weinfest mögen wir aber am liebsten. Der Wein ist immer sehr gut.“

Weinfest in der Innenstadt von Duisburg
Prost: Auf dem Duisburger Weinfest sieht man jede Menge gut gelaunte Gesichter.© FUNKE Foto Services | Frank Oppitz

Andere nehmen das Weinfest sportlicher. Marius erzählt von Freunden, die gleich vier Tage da sind: Freitag, Samstag, Sonntag – und offenbar noch Donnerstag, solange irgendwo ein Glas steht. „Für manche ist das auch eine Sportveranstaltung“, sagt er lachend.

Weingut Achenbach: Seit 38 Jahren Stammgast auf dem Weinfest in Duisburg

Für die Anbieter ist Duisburg ebenfalls mehr als nur ein Termin im Kalender. Gernot Achenbach vom Weingut Achenbach ist mit seinem Team schon sehr lange dabei. „Zum dritten Weinfest, das hier veranstaltet wurde, waren wir dabei“, sagt er. Vor 38 Jahren.

Das Weingut Achenbach kommt aus Wonsheim in Rheinhessen und arbeitet biologisch. Für Achenbach ist wichtig, dass Bio nicht automatisch besser oder schlechter sei als konventioneller Weinbau. Es sei ein anderer Ansatz. „Wir haben uns überlegt: Was ist gut für unsere Böden, für unsere Weine und für uns selbst? Dann sind wir nach reiflicher Überlegung bei Bio gelandet“, sagt er.

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Auch vegane Weine sind bei Achenbach ein Thema. Viele denken, Wein sei automatisch vegan. Ganz so einfach ist es aber nicht. Achenbach erklärt, dass es dabei vor allem um die Kellerwirtschaft geht: also um Stoffe, die bei der Verarbeitung eingesetzt werden können. Früher und teils auch heute werden etwa tierische Produkte zur Klärung genutzt. „Darauf verzichten wir aber schon seit acht Jahren, das ist uns wichtig.“

Auch die Frage nach alkoholfreiem Wein beschäftigt die Winzer. „Die Nachfrage steigt stetig“, sagt Achenbach. Doch alkoholfreier Wein habe es schwer, wenn Menschen vorher normalen Wein getrunken hätten. Dann fehle der Alkohol als Geschmacksträger. Als zusätzliches Angebot könne alkoholfreier Wein sinnvoll sein, etwa für Menschen, die fahren müssen oder keinen Alkohol trinken dürfen. Eine Alternative sei Traubensaftschorle.

Trends auf Duisburgs Weinfest? Das sagt ein Winzer

Und was liegt dieses Jahr besonders im Glas? Grauburgunder sei längst ein „trendiger Klassiker“, sagt Achenbach. Gefragt seien außerdem fruchtige, helle Weine wie Sauvignon Blanc und helle Rosé- oder Blanc-de-Noir-Stile. Einen Weintrend wie „Dubai-Schokolade“ gebe es aber nicht. Trends kommen, aber vieles bleibt auch Geschmackssache.

Weinfest in der Innenstadt von Duisburg
Auf dem Weinfest trifft sich ganz Duisburg. Viele Auswärtige reisen extra dafür hierhin.© FUNKE Foto Services | Frank Oppitz

Geschmackssache sind auch die Preise – und die steigen. Beim Weingut Achenbach kostet der Grauburgunder in diesem Jahr 6,50 Euro. In den vergangenen drei Jahren sei der Preis um 50 Cent gestiegen. Nächstes Jahr soll er auf sieben Euro gehen, sagt Achenbach. Der Grund: Kostensteigerungen, Mindestlohn, höhere Abgaben, mehr Ausgaben für zugekaufte Waren und Investitionen. „Wir müssen den Weinpreis entsprechend anpassen, wenn wir die Betriebe erhalten wollen“, sagt Achenbach.

Das ist die andere Seite des Weinfests. Für Besucherinnen und Besucher ist es ein schöner Abend. Für Winzer ist es Arbeit, Standkosten, Personal, Logistik und Preiskalkulation. Trotzdem kommen viele immer wieder nach Duisburg. So wie das Weingut Achenbach.

Für Denise ist das Weinfest vor allem ein Zeichen dafür, dass in Duisburg etwas passiert. „Es ist immer gute Stimmung“, sagt sie. „Egal, ob das Wetter gut oder schlecht ist.“

Oder eben, wie Marius sagt: Weinfest ist ein Muss.