Vor genau fünf Jahren steht Marco Peters aus Duisburg mit seiner Currywurst im Glas in der Vox-Gründershow „Die Höhle der Löwen“. Der Familienvater aus Homberg hat es zu dieser Zeit finanziell nicht leicht. Doch mit seiner kämpferischen Art berührt er die Zuschauer – und überzeugt die prominenten Investoren. Seine Currywurst bricht danach Rekorde, verkauft sich millionenfach. Was wie eine Erfolgsgeschichte beginnt, endet später in einer Insolvenz. Doch Marco Peters hat sich zurückgekämpft.
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Der Duisburger beginnt sein Berufsleben als Fahrzeuglackierer, später studiert er berufsbegleitend Betriebswirtschaft und arbeitet viele Jahre als Prozessmanager. Dann macht er sich selbstständig und gründet das Currywurst-Konzept „Iss doch Wurscht“. Mit der Ruhrgebietsdelikatesse im Glas schafft er schließlich den Sprung auf die TV-Bildschirme und in Millionen Wohnzimmer Deutschlands.
„Die Höhle der Löwen“: Currywurst im Glas wird zum TV-Hit
Für den Homberger wirkt „Die Höhle der Löwen“ wie ein Turbo. Gemeinsam mit seinem Investor Ralf Dümmel verkauft er in den ersten sechs Monaten nach der Ausstrahlung 1,1 Millionen Currywurst-Gläser. Der Handelsumsatz liegt weit über vier Millionen Euro. Auf dem Teleshopping-Kanal QVC setzt die Wurst 23.500 Euro um – und zwar in nur 60 Sekunden.

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Dann kommt es zu Schwierigkeiten. Der Angriffskrieg auf die Ukraine löst eine Preisexplosion aus. Der Kooperationsvertrag aus der Sendung endet. Die Currywurst im Glas verschwindet aus den Supermarktregalen. Es folgen Lieferprobleme. Peters steht monatelang ohne Wurst da. 2024 meldet er für „Iss doch Wurscht“ Insolvenz an. „Ich bin ein Jahr in ein tiefes Loch gefallen und habe keine Lösung für mich gefunden“, sagt Marco Peters.
Ich bin ein Jahr in ein tiefes Loch gefallen und habe keine Lösung für mich gefunden
Marco Peters, Gründer und Gründungsberater aus Duisburg
Nach der Insolvenz kam der Neuanfang
In der mittlerweile 20. Staffel der Vox-Erfolgssendung suchen Carsten Maschmeyer, Ralf Dümmel und Judith Williams nach neuen Gründern und Ideen. Marco Peters hat unterdessen wieder zurückgefunden – zu sich und seiner Leidenschaft. Selbst das Scheitern macht er heute zu seiner Stärke: Bei der Wirtschaftsförderung Duisburg Business & Innovation (DBI) ist er als Gründungsberater angestellt und gibt an Start-ups sein Wissen weiter. Vor zwei Jahren hat er damit angefangen, heute leitet er die Abteilung.

Um sein Scheitern zu verarbeiten, hat der Duisburger 2024 ein Buch geschrieben, in dem er über seinen Aufstieg und den tiefen Fall spricht. Jetzt ist sein neues Buch auf dem Markt. Darin geht es um ein Problem, das viele Gründer beschäftigt: die Sichtbarkeit. „Es gibt unglaublich viele Menschen, die fachlich richtig gut sind und trotzdem kaum wahrgenommen werden“, ist Peters überzeugt.
Sie arbeiten zuverlässig, haben Ideen, lösen Probleme – und trotzdem werden sie nicht gesehen, so seine Beobachtung. Kleine Gründer hätten zudem nicht die Möglichkeit, viel Geld in Marketing zu investieren. Deshalb brauche es kreative Wege. Der Duisburger nennt es „Eigen-PR“.
Sichtbarkeit habe in seinem Leben immer wieder Türen geöffnet. Die TV-Sendung hat einen sympathischen Nobody in kurzer Zeit sehr bekannt gemacht. In der erfolgreichen Gründershow suchen viele Start-ups ihr Rampenlicht – auch ohne Deal. Der Auftritt dient ihnen als Katalysator für Verkäufe und stärkt die Bekanntheit.
Warum Sichtbarkeit für Gründer zählt
Doch auch schon vor der Sendung ist es dem Duisburger immer wieder gelungen, seine Ideen in den Fokus zu rücken. Mit seinem Foodtruck, mit dem er viele Jahre durch Duisburg gezogen ist, sei er lange nur „einer von vielen“ gewesen. Dann hat er die Idee zu einer Currywurst-Soße mit einer entscheidenden Zutat: Erdbeeren. Und die Menschen sind aus Neugier gekommen.
Seine Currywurst wird auch zur besten in NRW gewählt. Er kreiert und provoziert mit einem Currywurst-Burger – und bekommt so immer neue Aufmerksamkeit. „Ich hatte in der Schublade immer ein paar skurrile Rezeptideen.“
Doch Peters beschreibt Eigen-PR nicht als laute Selbstdarstellung. Es gehe nicht darum, sich größer zu machen, als man sei. „Eigen-PR bedeutet für mich nicht, jeden Tag zu erzählen, wie toll man ist“, sagt Peters. „Es bedeutet, dafür zu sorgen, dass die richtigen Menschen verstehen, wofür man steht.“
Seine Currywurst ist übrigens nicht komplett vom Markt verschwunden: Markenrechte und Rezepte sind an die Müllers Feinkost-Manufaktur gegangen, die zuvor schon Produzent der Currywurst im Glas war. Er ist der Marke noch als Berater erhalten geblieben. Noch immer wird mit seinem Gesicht geworben. „So bin ich doch noch mit meinem Baby verwurzelt.“
Das Buch „Eigen-PR. Wer nicht auffällt, wird nicht gefragt. Das Handwerk der Sichtbarkeit“ von Marco Peters umfasst 281 Seiten und ist bei Amazon als Taschenbuch (19,90 Euro) und als E-Book (9,99 Euro) erhältlich. ISBN 9798171441593





