Die Missbräuche in der Katholischen Kirche treffen die Institution in ihrem Wesenskern. Sagte Bischof Reinhard Lettmann 2002 noch, dass es sich um „Einzelfälle“ handele, muss man jetzt nach dem Missbrauchsgutachten der Universität Münster konstatieren, dass es sich nie um Einzelfälle gehandelt hat. Gutachter Thomas Großbölting bezeichnete die Katholische Kirche gar als „Täterorganisation“.

Missbrauch der Macht

183 Priester werden in dem Gutachten benannt und 610 Opfer. Die Dunkelziffer liegt um ein Vielfaches höher und auch die Missbräuche kirchennaher Personen – etwa Kirchenvorstände oder Chorleiter – bleiben noch außen vor.

Die dokumentierten Missbräuche aus dem Kreis Kleve zeigen exemplarisch, dass die Geistlichen ihre Machtposition gerade in den 60er und 70er Jahren – als die Kirche noch ein wichtiger, moralischer Ankerpunkt in der Gesellschaft war – ausgenutzt haben. Dieser Missbrauch von Macht fällt den Katholiken jetzt vor die Füße und wird den Niedergang der Institution deutlich beschleunigen.

Schon heute wird Kirche kaum noch wahrgenommen

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Schon heute wird die Meinung der katholischen Kirche kaum noch wahrgenommen - und eigentlich auch nicht mehr ernst genommen. Angesichts der grauenhaften Brutalität gegenüber Kindern und Jugendlichen und deren gezielter Vertuschung fällt es schwer, dieser Institution noch Glauben zu schenken. Mit welchem Selbstverständnis möchte sich Kirche eigentlich noch in gesellschaftliche Debatten einbringen? Ihre Vertreter werden das Büßerhemd noch viele Jahre tragen müssen.

Nach der Lektüre des aktuellen Missbrauchsgutachtens weiß man nicht, wie es mit den Katholiken im Bistum Münster weitergehen soll. Als Leser ist man ratlos, fassungslos und einfach nur traurig.